Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Individualisierte Medizin

07.10.2011

Möglicherweise habe ich da was falsch verstanden hinsichtlich der Expertenmeinung:"....ein Paradigmenwechsel hin zu einer gezielten, evidenzbasierten und personalisierten Medizin wäre ein großer Fortschritt."

Meine Meinung: Der ökonomische Dunst, der über allen gesundheitspolitischen und weitreichenden Entscheidungen zur Finanzierung unserer Gesundheit liegt, wird es verhindern, dass – jetzt übertreibe ich – jeder seine individuelle auf seine Person bezogene Medizin erhält. Keiner kann das bezahlen. Es wäre vermutlich auch ein wen nicht sogar DER Auslöser für das Ende der Solidargemeinschaft.

Wir werden und müssen -Orphanisierung hin oder her -immer Gruppen von Patienten und Krankheitsstadien betrachten. Bei PK wäre m.E. ein sinnvoller Ansatz, die Krankheit zu chronifizieren, also nicht mehr dauerhaft versuchen sie oftmals vergeblich zu bekämpfen, sondern Therapien zu entwicklen, um mit der Krankheit dauerhaft in leidlich guter Lebensqualität möglichst noch lange leben zu können.
Dabei könnten uns aber die hohen Ansprüche der evidenzbasierten S3-Leitlinie möglicherweise eher im Wege stehen, denn uns helfen!

Auf einem DGU-Podium in Hamburg erlebte ich vier Chefärzte, alles ausgebuffte Experten in Sachen fortgeschrittenem Pca. Drei vertraten mehr als vehement die Schulmedizin und die Leitlinie. Es war fraglich, auch im Auditorium, ob sie mit ihren Therapievorschlägen dem in einem präsentierten Fall beschriebenen Patienten noch weitere Überlebensjahre hätte schenken können, denn alles war ausgereizt. Der vierte Kollege zeigte Therapie-Wege abseits der S3, die seinem Patienten noch weitere zwei Jahre Überleben ermöglichten. Das ist m.E. höchst individuell, nur man staune, die von diesem Experten angewendeten Medikamente waren nichts anderes als Drugs, die bei anderen Krebs-Entitäten wirkungsvoll waren.

Ergo: Individuelle personalisierte Medizin kann auch bedeuten, den Köcher auf weitere Pfeile fremder medikamentöser Provenienz zu durchforsten und nicht ständig über feinste (sauteure) Biomarker neue Signalwege erkennen zu wollen und dann mittels noch teurerer Medikamente (die erstmal entwickelt und zugelassen werden müßten und womöglich dann auch noch in die S3 aufgenommen werden müssten) beeinflussen zu wollen. Prof. Reichel aus Regensburg hat es doch schon gezeigt, dass die Beeinflussung einzelner Signalwege nicht zielführend ist, es sei immer ein ganzes Bündel beteiligt.

Oktober 2011 - WDF


Schlagwörter:

Personalisierte Medizin

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