Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Fokale Therapie

16.9.2013

Fokale Therapie

Wenn es heisst: Radikale Prostatektomie, dann muss jeweils die ganze Prostata behandelt werden, da in über 80 Prozent der Fälle viele Tumorherde über die gesamte Prostata verteilt sind (multifokal).

Für sehr früh entdeckte Tumore bietet sich nunmehr eine Perspektive, die fokale Therapie.

Was ist fokale Therapie?

Fokale Therapie umfasst alle Strategien der Teilbehandlung der Prostata. Wie bei kaum einem anderen Organ können bei der Prostata Schäden angrenzender Strukturen (Harnröhrenschließmuskel, neurovaskuläres Bündel, Rektum) mit Einbußen an Lebensqualität verbunden sein.

Mittels einer so genannten fokalen Therapie beschränkt sich die Behandlung auf einen einzelnen Tumorherd (unifokal) bzw. auf einen Seitenlappen der Prostata. Bei dieser Therapieformen wird nicht die gesamte Prostata behandelt. Das Ziel ist die Zerstörung  nur des einen diagnostizierten Krebsherdes, schreibt die Martiniklinik aus Hamburg. Durch diese sehr punktuelle Behandlung sollen Nebenwirkungen sehr gering sein. 

Lt. Martiniklinik Hamburg erfolgt die Behandlung Stationär und wird in Narkose durchgeführt. Der Krankenhausaufenthalt beträgt in der Regel zwei Tage. Eine photoaktive Substanz wird über die Vene in die Prostata befördert. Diese Substanz lässt sich in der Prostata an dem Tumorfocus (Tumorherd) durch ein Laserlicht, das über ein Lichtleitkabel mittels Ultraschall im Bereich des diagnostizierten Tumorfocus (Tumoherdes) platziert wird, aktivieren. Die photoaktive Substanz kann dann "vor Ort" ihre Wirkung – einen Verschluss der den Tumor versorgenden Blutgefässe - entfalten, und den Tumor somit zerstören (VTP: Vascular Targeted Therapy). Studien hätten, so die Martiniklinik, die Wirksamkeit der VTP Therapie gezeigt. Die Wirksamkeit dieser Therapieform soll jetzt in klinischen Studien erprobt und bestätigt werden.

Mehr Informationen unter der E-Mail anfordern:
fokale-therapie(at)martini-klinik.de

September 2013

Ergänzung 2015

Aus Expertenkreisen ist zu hören:

Bis heute gibt es keine Evidenz, dass die fokale Therapie per se unwirksam ist.

Die Standard-TRus ist für die Diagnose unzureichend

mpMRT sei eine Mindesvoraussetzung

HIFU und KRYO gelten als fokale Therapien

Bei Brachytherapie, NanoKnife (IRE), Radiofrequenzablation und den photodynamischen wie photothermischen Verfahren gab es unter den Experten keine Zustimmung in Bezug auf fokale Therapien

Die fokale Therapie sollte gezielt eingesetzt werden bei Volumina ab 0,5 ml und einem Gleason3+4

Quelle: Klotz et al Management of low risk prostate cancer active surveillance and focal therapy; Nature Publishing Grouip 2014; 11:324-334

April 2015 WDF

Ergänzung 2015:

Expertenmeinungen auf dem uroonkologischen Symposium in Magdeburg im Januar 2015:

Kleine aggressive Tumoren würden mit mpMRT-Diagnostik übersehen; die mpMRT habe "Schwächen" bei Gleason 6 + 7.

Es fehlen derzeit Kriterien für das Follow-up; zu beachten sei hier zunächst einmal: PSA-Verläufe nach fokaler Therapie sehen anders aus als bei der Ganzdrüsentherapie.

Ein Problem für die teilnehmenden Urologen scheinen die nichturologischen ärztlichen Kollegen zu sein, die fokale Therapien z.B. per Laser und auch anders anbieten. "Da geben wir Kompetenzen ab", war zu hören.

Die IRE habe großes Potential, werde derzeit stark vermarktet, es gäbe jedoch keine Erfahrungsdaten.

Zum ersten Mal habe ich dort den Begriff gehört: "Kognitive Fusion"; gemeint scheint die Informationsübermittlung vom Radiologen zum Urologen OHNE Informations-Verlust.

22.04.2015 WDF/Juli 2016 WDF 

 

 

 

 

 



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