Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

mpMRT

06.11.2013

mpMRT

Die Ultraschalluntersuchung allein reicht für die Früherkennung eines Prostatakarzinoms nicht aus. 

 

Computertomografie, Elastographie, C-TRUS-ANNA-System, HistoScanning, kontrastverstärkter Ultraschall haben wenn man sich kritisch informiert eine zu geringe Sensitivität und Spezifität. In den S3-Leitlinien gibt es keine Empfehlung. Jedoch Patienten mit einem Gleason-Score 8 oder höher oder mit cT3/4 sollten vor der Therapieentscheidung eine MRT erhalten. Und: Bei Verdacht auf ein lokal fortgeschrittenes PCa und geplanter Strahlentherapie kann zur Bestimmung des T-Stadiums eine MRT zur exakten Definition des Zielvolumens durchgeführt werden. Was ist der Lösungsweg?

MRT-Bilder stellen die Prostata in allen gewünschten Ebenen oder auch dreidimensional mit einem sehr guten Weichteilkontrast dar. Die Weiterentwicklung ist die mpMRT. mpMRT heißt= multiparametrische Magnetresonanztomografie. Die mpMRT besteht aus mehreren Komponenten: Neben der Anatomie zeigt die MR-Spektroskopie (Informationen über die stoffliche Zusammensetzung des Gewebes) die chemische Zusammensetzung von gesundem und krankem Prostatagewebe, die dynamische Perfusions-MRT (Perfusion heißt hier: durch das Anfluten des Kontrastmittelsin der Prostata entsteht so eine Art farbiger Landkarte des Prostatagewebes) mit Kontrastmittelgabe zeigt die Gewebedurchblutung und die Diffusions-MRT (Diffusion = Informationen über die Molekularbewegung von Wasser im Gewebe lassen Rückschlüsse auf die Zelldichte zu, die bei bösartigen Tumoren gegenüber der Zelldichte des normalen Prostatagewebes erhöht sein kann.) analysiert die genaue Gewebestruktur, d.h. es kann zwischen normalem Gewebe und bösartigem Gewebe mit erhöhter Zelldichte sowie Zellgröße in der Prostata unterschieden werden. Durch die Kombination dieser MRT-Techniken in einem Gerät , der mpMRT, soll es möglich sein, auch kleinste bösartige Veränderungen in der Prostata zu entdecken.

Meine persönliche Anmerkung: Zunächst einmal: Ich bin begeistert, denn dieses bildgebende Verfahren liefert Informationen über die Beschaffenheit des Gewebes (Unterscheidung zwischen gutartig und bösartig) und gestochen scharfe Aufnahmen in Bezug auf die Tumordetektion, die Lokalisation und Charakterisierung des PCa und von metastasierten Lymphknoten und scheint geeignet zu sein für Patienten mit einer negativen Erstbiopsie, zur präoperativen Beurteilung, ob das neurovaskuläre Bündel befallen ist und zur Verlaufskontrolle in der Tumornachsorge. Was mich derzeit noch stört ist der Einsatz der endorektalen Spule (ERS) selbst beim Einsatz einer 3-Tesla-MRT. Eine halbe Stunde und ggf. länger mit so einem Ding im Darm ist nämlich echt sehr unangenehm. Es war zu hören, man arbeite daran, ohne die ERS auszukommen.

 

Mich bewegen zudem noch weitere Fragen: In welcher Krankheitssituation helfen mir und meinem Urologen/Uroonkologen die vermutlich recht teuren Bilder?
Habe ich einen therapeutischen Nutzen durch die mpMRT-Bildgebung oder wäre es auch anders gegangen?
PET/CT oder ??
Macht mpMRT Sinn nach einer Strahlentherapie?
Wie verändert sich der Aussagewert der mpMRT unmittelbar nach einer Hormontherapie?
Und für die Zukunft stellt sich mir die Frage: Ist demnächst eine biopsiefreie Diagnostik der Prostata möglich?

 

Meine Frage ist aber auch, was wird das kosten? Denn dass die GKV mir finanziell zur Seite stehen wird, daran glaube ich nicht mal mehr im Traum. Rückblickend auf 14 Jahre mit Prostatakrebs muß ich heute feststellen: Jahr für Jahr und mit dem Fortschreiten der Krebskrankheit wird mir durch z.B. Zuzahlungen oder nicht erstattungsfähige Medikationen und selbst zu zahlende Hilfsmittel mein Prostatakarzinom immer teurer.

Oktober 2013 WDF

Ergänzung 2016

Um die Tumoren bei der fokalen Therapie des Prostatakarzinoms genau zu lokalisieren, scheint die multiparametrische Magnetresonanztomografie das optimale Bildgebungsverfahren zu sein.

Sowohl bei den Patienten mit Prostatakarzinom (PCa) als auch bei ihren betreuenden Urologen besteht eine große Nachfrage nach der fokalen Therapie.
Begründet wird dies mit den wachsenden Bedenken hinsichtlich der Übertherapie beim Niedrigrisiko-PCa.

 

 

 

 

 

Bei einer optimierten Tumorlokalisation spielt die multiparametrische MRT (mpMRT) eine zentrale Rolle. Multiparametrische Magnetresonanztomografie: Die multiparametrische Magnetresonanztomografie (mpMRT) beinhaltet neben der T2-gewichteten, morphologischen Bildgebung zusätzlich funktionelle Untersuchungen über die regionale Zelldichte (diffusionsgewichtete MRT = DWI) und Perfusion=Durchblutung (dynamische kontrastmittelangehobene MRT=DCE). In Zusammenschau dieser Informationen lassen sich karzinomsuspekte Herdbefunde in der Prostata lokalisieren.

Die DWI ist die dominante Sequenz, um die periphere Zone, die T2W wiederum, um die Transitionalzone zu beurteilen. Die DCE wird nur bei unklaren Befunden hinzugezogen.

Das mpMRT ist hilfreich bei den Forderungen „verbesserte Detektion klinisch signifikanter PCa“, „verminderte unnötige Detektion klinisch insignifikanter PCa“, um dadurch Überdiagnostik und -therapie zu vermeiden.

 

Doch wie gut erfüllt das mpMRT aktuell diese Forderungen?

 122 Patienten mit PCa erhielten vor RPE ein mpMRT. Die Gesamtsensitivität des mpMRT betrug nur 47%. 80% der Indextumoren wurden detektiert, jedoch nur 21% der Nicht-Indextumoren. 20 % dieser Nicht-Indextumoren (der „Index Tumor“ repräsentiert in den meisten Fällen mehr als 90% der Tumormasse, die anderen verstreuten Tumoranteile (“microfoci“) sind zu 80% kleiner als 0,5 ml, haben geringe oder unklare Bedeutung für die Prognose) hatten einen Gleason-Score von ≥ 7. Dies spricht dafür, dass die fokale Therapie zum aktuellen Zeitpunkt mittels einer Kombination aus MRT-gestützter Biopsie und systematischer Biopsie geplant werden sollte. Diese Daten wurden aktuell durch eine Heidelberger Arbeitsgruppe bestätigt.

 

Auszug aus Uro-News Springer Verlag
Ausgabe 6/2016
Print ISSN: 1432-9026
Elektronische ISSN: 2196-5676
Publikationsdatum 01.06.2016

 

 

 

 

 

 

 



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