Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Pillencocktail

20.8.2014

 

Mit fortschreitender Krankheitsdauer bei Prostatakrebs –und nicht nur da - schlucken die meisten Senioren im Durchschnitt fünf und mehr Medikamente gleichzeitig, im Extremfall bis zu 15 Pharmaka. Der Arzt bezeichnet das als Polymedikation.

Durch Wechselwirkungen der unterschiedlichen Arzneimittel miteinander kommt es mehr als gesundheitsverträglich zu ernsten und unerwünschten Wirkungen oder sogar zur Verminderung des therapeutischen Effekts einzelner Medikamente. Für Haus- und Fachärzte ist es ohnehin nicht einfach, Medikamente zu finden, die bei uns, den überwiegend älteren Herren, miteinander harmonieren. Und dann gilt es noch die richtige Dosierung für uns ältere Menschen zu finden. „Unsere Urologen stehen angesichts der Polymedikation vor einem Dilemma. Denn wir müssen nun unsere Medikation wie Alpha-Blocker, Medikamente zur Behandlung des Prostatakarzinoms oder der Harninkontinenz in das therapeutische Gesamtkonzept integrieren, ohne unerwünschte oder sogar gefährliche Neben- und Wechselwirkungen auszulösen“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Jan Fichtner.

Ein weiteres Problem: Nur rund die Hälfte der älteren Patienten nehmen ihre Medikamente mit dem Maß an Zuverlässigkeit ein, welches zur Erreichung der Behandlungsziele erforderlich wäre. Und nicht selten entsteht ein Einnahme-Chaos, weil gerade hochbetagte Patient nicht mehr unterscheiden können, welche der vielen Pillen sie morgens, mittags oder abends nehmen sollen, nicht zuletzt auch ausgelöst durch ständig wechselnde Verpackungen von Medikamentengenerika.

„Eine Polymedikation kann viele, zum Teil schwerwiegende Probleme verursachen“, weiß Pharmakologin Prof. Dr. Petra Thürmann, Direktorin des Philipp Klee-Instituts für Klinische Pharmakologie des HELIOS Klinikums Wuppertal. Bis zu 10 Prozent aller stationären Aufnahmen würden auf Medikamentennebenwirkungen beruhen, die Hälfte davon würde durch Wechselwirkungen verursacht.

Da selbst kleine Unstimmigkeiten im Medikationsprozess das therapeutische Ergebnis infrage stellen oder Schäden hervorrufen können (Prof. Fichtner), „…sollte kritisch hinterfragt werden, ob es sinnvoll ist, ein weiteres Medikament dem ohnehin schon wirkstoffreichen Pillencocktail hinzuzufügen“, sagt Prof. Petra Thürmann.

Fazit für uns Kranke und nicht nur meine Meinung:

Risiko und Nutzen der Medikamente stets genau abwägen, keine Parallelmedikation von der unser Urologe keine Kenntnis hat, nur das Wichtigste verschreiben lassen (manchmal ist weniger mehr!) und mit einem Check auf Wechselwirkungen mit den anderen Medikamenten im Internet prüfen.

 

Quelle: DGU-Kongress-Pressestelle - Bettina-C. Wahlers -

20.08.2014 WDF


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