Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

PSA-Screening Ja oder Nein?

23.8.2014

PSA - Screening ja oder nein?

Meine Gedanken und Überlegungen - laut gedacht von Wolfhard D. Frost

Nun hat die seit 1993 laufende ERSPC-Studie (European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer) mit mehr als 160.000 Männer im Alter von 55 bis 69 Jahren aus sieben europäischen Ländern, aber ohne deutsche Beteiligung, gezeigt: Das PSA-Screening senkt die Prostatakrebs-Sterblichkeit um rund ein Fünftel. (Ärzte-Zeitung und - Prof. Fritz H. Schröder, Uniklinik Rotterdam 2014)

 

Dass regelmäßige Tests über einen langen Zeitraum das Sterberisiko senken und die Todesfälle durch Prostatakrebs verringern wurde als Zwischenergebnis der ERSPC-Studie schon zunächst nach 9 und dann nach 11 Studienjahren publiziert. Warum eigentlich so früh, weiß man doch, für aussagekräftige verläßliche Daten braucht es so um die 15 Jahre.(Prof. Huland) Die aktuellen, neueren Studiendaten nach nunmehr 13 Jahren zeigen einen noch höheren Screening-Nutzen auf. Die Zahl der Männer, die zum PSA-Test einzuladen sind, damit ein Krebstodesfall verhindert wird, sinkt von 1410 nach neun auf nunmehr 781 nach 13 Jahren Studiendauer. (Prof. Graefen, Martiniklinik). Entschuldigung, aber diese statistischen Zahlen sind was für Gesundheitspolitiker. Ich bin im Zweifel der eine Patient, unabhängig ob als 781ster oder 782stigster, der behandelt werden und überleben möchte. Wenn es um mein Leben geht, ist mir die statistisch ermittelte Größe des Überlebens wurscht, ich will überleben!

 

Ich frage mich: Retten unsere Urologen und Radiologen nicht auch Patienten, und zwar durch PSA-Kontrolle, Biopsien, Operationen und Bestrahlung? Und nicht vergessen unsere Hausärzte, nicht gebunden an die S3-Leitlinie schicken sie uns vorsorglich zum individuellen Screening unabhängig vom Alter aber ganz sicher eher risikobezogen. Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier eine weitaus größere Zahl zustande kommen würde. Statistisch gesehen sterben heute 3 von 100 Männern  an den Folgen von Prostatakrebs. Mit Screening wäre das Experten zufolge und optimistisch gerechnet sogar einer weniger.  Wirklich?

 

Fachkreise bemängeln, und da besteht Konsenz, eine frühe Behandlung eines Prostatakarzinoms führe nicht zu besseren Ergebnissen als eine späte (Martiniklinik).

 

Prompt stellt sich mir die Frage, warum man denn dann einen Tumor früh erkennen soll, wenn man dann ebenso gut auch abwarten kann, bis die Erkrankung Symptome verursacht?

 

Und ist es nicht so, Technik und Methoden schreiten in der Medizin rasant voran. Gerade bei lang andauernden Studien muß man doch davon ausgehen, Therapien und die Diagnostik verbessern sich. Kann man daraus schlußfolgern: Mit der Länge der Studiendauer veralten deren Ergebnisse?

 

Und da drängt sich mir die Überlegung auf: Können vergleichbare Erfolge nicht auch anders  z.B. mit heutiger, weit verbesserter Diagnostik und mit neuzeitlichen Medikamenten erzielt werden im Vergleich mit den Möglichkeiten zu Zeiten des ERSPC-Studienbeginns?

 

Und  ausserdem ist nach Expertenmeinung das Problem Überdiagnostik und die nachfolgende Kaskade an überflüssigen Therapien auch mit den neuen Daten der ERSPC nicht aus der Welt. Geschätzt wird, dass 41 Prozent der Männer zum derzeitigen Zeitpunkt überdiagnostiziert wurden, die womöglich nie vom Tumor bedroht worden wären“ (Prof. Graefen, Martiniklinik). Für mich und meine Männerkollegen schrecklich, erschreckend, nicht tolerierbar. Die Fehldiagnosen führt dann oftmals dazu, dass Männer in unnötiger Weise operiert werden oder eine Strahlentherapie erhalten – Maßnahmen, die – früher mehr, heutzutage durch verbesserte Diagnostik, OP- und Bestrahlungstechnik deutlich weniger - zu Impotenz und Inkontinenz führen können.

 

Die Früherkennung (da wurde doch schon wieder in einem Artikel von Vorsorge geschrieben) deshalb generell infrage zu stellen, sei laut DGU indes nicht sinnvoll. Denn ohne Früeherkennung fischt man eben nicht die Männer mit einem aggressiven Prostatakarzinom heraus. Die Urologen verweisen auf die S3 Leitlinie. In der Leitlinie empfiehlt die DGU Männern mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom eine abwartende Strategie in Form der Aktiven Überwachung (Active Surveillance), bei der keine Therapiemaßnahme, sondern eine regelmäßige Kontrolle durchgeführt wird ob der Tumor überhaupt wächst. „Diese defensive Strategie soll beim „kleinen Prostatakarzinom“ die Übertherapie durch zu viele Operationen und zu viele Bestrahlungen vermeiden. (Prof. Hakenberg DGU)

Bringt PSA-Screening gesunden Männern Vorteile? Ja, aber nur dann, wenn ich mit vielleicht 40 Jahren früh genug beginne über einen längeren Zeitraum meine Prostata und meinen PSA-Wert regelmäßig durch meinen Urologen beobachten zu lassen, damit er, wenn überhaupt, nur den Tumor entdeckt, der behandelt werden muß, ich nicht Gefahr laufe, dem Krebs zum Opfer zu fallen. Bewiesen scheint das in der vorliegenden Studie nicht zu sein, denn die Datenlage der unter 55jährigen ist dünn. Nur wenige Männer waren 54 und jünger und damit scheint mir das Verhältnis von Nutzen und Schaden bzgl. des Screenings junger Männer eher weniger positiv, als es die Studie versucht darstellen, Verunsicherungen nicht ausgeschlossen.

Prof. Peter Hammerer von der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie (AUO) sagte dazu: Das PSA-Screening «ist kein perfekter Test.» Dennoch sei es hilfreich, um das Erkrankungsrisiko abzuschätzen. Wichtig sei, dass Männer über die Aussagekraft des Tests informiert seien, die hohe Fehlalarmquote kennen.Das verhindert Angst. Ein wesentliches Problem des PSA-Screenings sind häufige Prostatabiopsien, die ihrerseits ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellen. (DGU)

 

Und zum Schluß fällt mir mal wieder auf:

In den Medien wird im Zusammenhang mit Prostatakrebs der Begriff der Vorsorge fast schon strapaziert. Mit Vorsorge hat Früherkennung bei Prostatakrebs nichts zu tun. Vorsorge würde bedeuten, dass wir, die Patienten, das Entstehen eines Tumors durch entsprechende Vorsorge und Veränderung unserer Lebenshaltung versuchen zu verhindern.  

 

Ich hege den Verdacht, dass dem Mann durch die ständige Wiederholung des Vorsorgebegriffes vorgegaukelt werden soll, durch regelmäßige Arztbesuche, gerade im Zusammenhang mit der Tumorsuche, und durch ein früheres Erkennen würden Überlebenszeit sowie Heilungschancen zunehmen. Weit gefehlt: Tatsächlich verlängert sich die Krankheitszeit, in welcher Mann mit dem Damoklesschwert Prostatakrebs, im Kopf als todbringend und lebensverkürzend eingebrannt, leben muß und viel Zeit bei Ärzten verbringen muß. Keinesfalls verlängert sich die Gesamtüberlebenszeit, das scheint nur so.

 

Kurz und gut: Früherkennung hat nichts mit Vorsorge zu tun; mittels Vorsorge soll verhindert werden, dass da was entsteht. Durch Füherkennung wird gefunden, was bereits vorhanden ist. Und eine ideale Früherkennungsmethode für Prostatakrebs, so glaube ich, wird noch auf sich warten lassen.

 

23.08.2014 WDF

 

Und dann noch etwas:

Ich befürchte, keine Empfehlung für oder gegen das Screening bei Männern unter 50 bzw. 55 Jahren wird uns zurückführen in eine Zeit, in welcher die Prostatakarzinome reihenweise spät. teils sehr spät und in nicht mehr heilbarem Statium entdeckt werden. Ich frage mich: Wem wäre damit gedient? Uns Männern doch wohl am geringsten! März 2015 WDF

 

Ergänzung:

Vorliegende Daten zeigen, dass mit längerer Nachbeobachtungszeit der Benefit eines Schreenings zunimmt. 15 Prozent weniger Todesfälle nach 9 Jahren Nachbeobachtung und rund 22 Prozent nach 11 Jahren. Nach rund 13 Jahren Nachbeobachtung gab es eine 27 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für eine Prostatakarzinommortaliätät. NNT um einen Todesfall zu verhindern betrug 27!!

Merine Meinung:

Ich hoffe, die neue mpMRT Bilddiagnose wird die Anzahl der Biopsien im Gefolge von Screenings deutlich reduzieren helfen.

April 2015 WDF

 



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