Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

177LU-PSMA-Therapie

23.3.2015

Die 177LU-PSMA-Therapie ermöglicht die Behandlung von Prostatakarzinomen bei denen Hormon- und Chemotherapie nicht mehr wirken. Im Gegensatz zur Xofigo-Therapie können damit auch Patienten mit Lymphknotenmetastasen oder Organmetastasen behandelt werden. Die radioaktive Substanz bindet an das PSMA an, und zwar im Tumorgerwebe. Die Bestrahlung erfolgt deshalb oder besser dadurch von in nen, es kommt zu einem Rückganmg der Tumormasse. Voraussetzung ist das Vorhandensein von dem Prostataspezifischen Membran-Antigen, kurz PSMA. Deshabl erfolgt vor einer Behandlung mit 177LU-PSMA eine Untersuchung mit 68Ga-PSMA-PET/CT.

Berichtet wird von wenigen Nebenwirkungen, guter Verträglichkeit (was immer das auch heißen mag).

Die 177LU-PSMA Therapie könne man wiederholen, nach ca. 8 Wochen.

Meine Frage: Mir wurde mitgeteilt, die XOFIGO-Therapie könne derzeit noch nicht wiederholt werden. Es fehlen noch Studiendaten. Warum ist das hier anders?

Weitere Frage: Auf Antrag übernoimmt die Ges. Krankenkasse die Kosten für die XOFIGO-Therapie. Wie ist das bei der 177LU-PSMA-Therapie?

Quelle: Veröffentlichung der Uniklinik Bonn, Prof. Dr. med. Markus Essler

März 2015 WDF

 

Ergänzung:

Lutetium-177-PSMA-Therapie (Prostataspezifisches Membran-Antigen)

 

Diese Methode ist neu und wurde erst, nachdem der Tracer (das PSMA) zur Diagnostik erfolgreich eingesetzt wurde als Therapeutikum mit einem  ß- bzw. auch α-Strahler konzipiert (Universitätsklinikum Heidelberg).

 

PSMA ist ein Membran-gebundenes Protein, welches auch in der normalen Prostata gebildet wird. Das nuklearmedizinische Arzneimittel (Tracer) lokalisiert PSMA-positives Prostatatumorgewebe und kann sowohl Knochen- als auch Weichteilmetastasen detektieren. Die Therapie wird mittels eines nuklearmedizinischen Indikators (Tracer) durchgeführt, an den das Radionuklid Lutetium 177 gekoppelt ist.

 

Da alle etablierten Therapiemaßnahmen im Vorfeld ausgeschöpft wurden, haben die Patienten keine alternativen Therapieoptionen. Lu-177-PSMA-Therapie ist eine vielversprechende und in den ersten Erfahrungen effektive Erweiterung des Therapiespektrums. Es wird erwartet, dass diese Therapie in Zukunft eine große Rolle bei der Behandlung dieser Patienten spielen wird und möglicherweise auch früher im Therapieschema eingesetzt werden kann.

 

Was geschieht bei dieser Therapie: Es geht darum, dass die Patienten mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen nach dem Versagen der herkömmlichen Behandlungen wie Hormon- und Chemotherapie ein spezielles Eiweißmolekül (PMSA-Peptid) als Infusion erhalten, das mit einem therapeutischen Betastrahler (Lutetium-177) markiert ist. Dieses Molekül – PSMA=Prostata-spezifisches Membran-Antigen – kommt in Metastasen hochkonzentriert vor. Dieses Radiopharmakon wird nur dort aktiv gespeichert, wo sich Tumore oder Metastasen gebildet haben. Die Strahlung des Nuklids, das (wie ein „trojanisches Pferd“) in die bösartigen Zellen eingeschleust wird, zerstört dabei die Krebsherde, ohne gesundes Gewebe dauerhaft zu schädigen. Das Therapieziel ist eine Hemmung/Verlangsamung des Wachstums von Tumorzellen, wobei auch Metastasen (in Knochen, Weichteilen, etc.) erfasst werden

 

Diese Therapie soll bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit Weichteil- sowie auch Knochenmetastasen eingesetzt werden. Dabei müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. PSMA-PET-positive Metastasen

  2. Ausschöpfung aller relevanten Therapiemöglichkeiten im Konsens mit dem behandelnden Urologen/Onkologen, insbesondere Ausschluss weiterer Therapieoptionen wie 2nd oder 3rd-line Chemotherapie aufgrund zu erwartender geringer Wirksamkeit, Nebenwirkungen oder Begleiterkrankungen und auch Wunsch des Patienten eine nebenwirkungsreiche Chemotherapie zu vermeiden.

 

Nach mir vorliegenden Informationen werden insgesamt 3 Zyklen der Therapie alle 8 Wochen mit jeweils 4 – 6 GBq Lu-177-PSMA durchgeführt.

 

Unter Berücksichtigung der vorgestellten Einschlusskriterien sollen sich im Rahmen der bisher bereits durchgeführten Therapien sehr gute Ansprechraten (hohe Remissionsrate) ergeben haben. Allerdings: Die Durchführung der Therapie erfolgt bisher nur in wenigen hoch spezialisierten Zentren z.B. Uniklinik Bonn, Zentralklinik Bad Berka und ein paar wenigen anderen Kliniken.

 

Erkenntnisse zur stationären Verweildauer liegen mir derzeit noch nicht vor.


Quelle: Veröffentlichungen der Klinik für Nuklearmedizin, Uniklinik Bonn, Zentralklinik Bad Berka

(WDF 03_2015)

 

Ergänzung:

Dr. Frank Eichhorn schreibt:

Tumorgerichtete Bildgebung von Knochenmetastasen beim metastasierenden kastrationsresistenten Prostatakarzinom mit Zr-89 markiertem anti-prostataspezifischem Membran Antigen (PSMA) Antikörper J591 (J. Morris et al.)

In dieser Studie gehen die Autoren der Frage nach, wie zuverlässig die Bildgebung mit dem J591 PSMA Antikörper ist.

Insgesamt wurden 44 Biopsien entnommen, davon 21 Knochenbiopsien. Alle positiven Biopsien waren auch in der Bildgebung positiv – d.h. die Sensitivität von J591 betrug 100 %.

Mit allen bildgebenden Verfahren zusammen (CT, Knochenszintigramm und PSMA Antikörper J 591) zeigten sich insgesamt 535 Knochenläsionen. Davon konnten 63% im Knochenszintigramm, 56% im CT, 38% im FDG PET, aber 92% im Zr-89-J591 PET nachgewiesen werden.

Damit wäre das Zr-89-J591 allen anderen bildgebenden Verfahren deutlich überlegen.

 

3.4.2015 WDF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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