Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Aufklärungsgespräch Arzt-Patient

20.4.2015

Aufklärungsgespräche

Die S3 LL unterstreicht die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Aufklärungsgesprächen vom Arzt zum Patienten. Grundsätzlich: Aufklärungsgespräche sollten umfassen: Natur der Erkrankung. Diskussion der Therapieoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen und Risiken, Rolle des Patienten in der Entscheidung, Informationen, wie die Entscheidung den weiteren Verlauf beeinflussen wird sowie Kontrolle, ob der Patient die Informationen verstanden hat. 

Ich finde nur wenige Daten in der einschlägigen Literatur,  was und wie viel Patienten bei Aufklärungsgesprächen verstehen. Die wenigen Daten bzgl. Kontrollnachfragen nach einem Eingriff, die mir zugänglich wurden, zeigten erschreckende Wissenslücken bei den betroffenen Patienten. Die Prozentzahlen erspare ich bis auf zwei Beispiele: Nur 25% von Patienten nach Varizen-Operation konnten zumindest eine mögl. Komplikation nennen;
60% der Patienten nach Gelenkersatz konnten 6 Monate postoperativ keine Angaben zu den Risiken ihrer OP machen.

Woran liegt das? Welches sind die Ursachen?
Ärztliche Aufklärungsgespräche finden oft unter Zeitdruck statt, erfüllen oft nicht alle Kriterien für eine umfassende Entscheidungsgrundlage, vernachlässigen mehr oder weniger oft die postoperative Periode. Patienten lesen nur selten die Aufklärungsbögen, verstehen oft den Inhalt der angebotenen Informationen nicht, manchmal wollen sie auch nichts über die Risiken hören, stellen Fragen nur selten, oft auch nicht. Verständlich, stehen sie doch häufig noch unter dem Eindruck einer schwerwiegenden Diagnose. Schriftliche Aufklärungsbögen sind am meisten verbreitetes Hilfsmittel, gleichzeitig Nachweis der erfolgten Aufklärung (Unterschrift). Ich bezweifele, ob solche Schriftstücke das nötige Wissen im Vergleich zu einer rein mündlichen Aufklärung verbessern, allenfalls den Nachweis darüber.

Meines Wissens informieren sich mehr als 1/3 der Patienten zusätzlich und selbständig im Internet. Allerdings fühlen sich nicht wenige durch die so gewonnenen Informationen verunsichert, stelle ich bei telefonischen Nachfragen der Betroffenen oder in persönlichen Gesprächen bei unserer Selbsthilfegruppe fest. Die oftmals gehörte Kritik, die meisten verfügbaren Informationen seien von schlechter Qualität, unvollständig oder für Laien nicht verständlich kann ich nur zum geringen Teil nachvollziehen, ist doch m.W. die Qualität der Antworten abhängig von der Qualität der Recherche: Mist rein heißt Mist raus oder anders: Wer nicht richtig fragt, erhält nicht die Antwort, die er sucht oder gar hören/lesen möchte.

Ob aber eine effektive Patientenaufklärung zu einer höheren Patientenzufriedenheit führt, sei dahingestellt, höre ich doch oft auf meine Frage: Waren Sie mit dem Umfang der Aufklärung durch den Arzt zufrieden eher ein Ja denn ein Nein, obwohl sich im nachfolgenden Gespräch schnell herausstellt, das tatsächliche Patientenwissen war einfach viel zu gering. Mich bedrückt bei diesen Gesprächen aber ganz besonders die Angst des Patienten vor einem Vertrauensverlust in Bezug auf den behandelnden Arzt, wenn z.B. rauskommt, dass der Patient sich anderweitig Informationen verschafft hat und gerade auch dann, wenn diese weitreichender oder einfach nur ausführlicher sind als die des Arztes. Woran ich das ableite? An der Endbemerkung des betroffenen Patienten bei uns in der Selbsthilfegruppe, heißt es doch häufig: Wenn ich das vorher gewußt hätte! Und an: Mein Arzt wird sauer reagieren!

20.04.2015 WDF



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