Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

HIFU-Therapie

18.1.2011


Hoch-Intensiver-Fokussierter- Ultraschall
Methode zur Behandlung (unblutige Operation - oder anders gesagt: Strahl statt Stahl) von Geschwülsten mittels hochfrequentem Ultraschall, insbesondere bei Prostataerkrankungen

PCa - Behandlungsindikationen für HIFU

Patienten über 60 Jahre, die für eine OP nicht in Betracht kommen oder die eine OP ablehnen
nur bei lokalem Prostatatumor
PSA nicht über 15 in einigen Kliniken nicht über 10
nur T1 und T2 in frühem Stadium mit guten prognostischen Aussichten
Gleason-Score höchstens 7
Prostatahöhe nicht über 2,5 cm bzw. nicht mehr als 30ccm; die Prostata kann jedoch durch Hormonbehandlung oder durch TURP vor der HIFU-Therapie "passend" verkleinert werden

Die hochintensive fokussierte Ultraschallbehandlung (HIFU, stammt aus Frankreich) gilt mittlerweile als ein wirksames und mit niedriger Morbidität verbundenes Verfahren zur Therapie des lokalisierten Prostatakarzinoms.

Die besten HIFU-Ergebnisse würden bei Patienten erzielt, deren initialer PSA unter 10 ng/ml liegt und die ein niedriges Risiko für eine Tumorprogression haben, sagt Professor Eduard Becht vom Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main

Vorteile:
HIFU ist wiederholbar und schließt andere Therapieoptionen nicht aus.

Nachteile: Geräte mit einem fixen Focus ("ltere Geräte" können bestimmte Teile der kranken Prostata nicht erreichen; es gibt aber schon Geräte mit einem variablen Focuspunkt.
je größer die Prostata um so länger die Behandlungsdauer
keine Behandlungsmöglichkeit bei zu großer Prostata
keine Behandlungsmöglichkeit, wenn Prostata stark verkalkt ist

Eine abschließende Bewertung dieser zukunftsweisenden, manche sagen auch faszinierenden Technik, ist jedoch trotz der vielversprechenden Ergebnisse aufgrund der relativ kurzen Nachbeobachtungszeit (etwa 5-8 Jahre) noch nicht möglich. Es wird erwartet, dass vor allem wegen der verbesserten Frühdiagnostik, der Anteil jener Patienten, deren Prostatakarzinom bereits in frühen Stadien entdeckt wird, steigen wird. Für diese könnte HIFU eine bevorzugte Therapieoption darstellen.

Februar 2004 und März 2005

Ergänzung:
In einem anderen Forum war zu lesen (Autor Dr. Kahmann, Berlin):

Ich persoenlich wurde jedem Patienten mit einem lokal begrenztem Prostatakarzinom von einer HIFU Behandlung abraten. Die Ergebnisse der Therapie sind langfristig sehr schlecht. Es gab eine deutsche multizentrische Studie, die nach etwas mehr als 1 Jahr (410 Tage) DIE GLEICHEN ERGEBNISSE WIE DIE STANDARDTHERAPIEN NACH 10 !!! Jahren gezeigt haben.

Das Städtische Krankenhaus in München- Harlaching und das Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg waren in Deutschland die Vorreiter der HIFU-Therapie mit nunmehr einem gerüttelt Maß an Erfahrungen. Weitere Kliniken sind in der Zwischenzeit hinzu gekommen z.B. das PZNW im Antonius Spital in Gronau

Ergänzung:

Die nachfolgende Patienteneinwilligungserklärung eines süddeutschen Krannkenhauses soll die Problematik der HIFU-Behandlung ein wenig erhellen:

Bei Ihnen wurde ein Prostata-Karzinom festgestellt. Eine radikale Schnittoperation zur Entfernung der Prostata ist für Sie nicht sinnvoll, zu risikoreich oder von Ihnen nicht gewünscht. Zwar kann sie in bis zu 80 % der Fälle zu einer langfristigen Heilung des Prostata-Krebses führen, ist jedoch mit einem deutlichen Blutverlust, wahrscheinlichem Potenzverlust, dem Risiko der Harninkontinenz, einem längeren stationären Aufenthalt, sowie einer längeren Rekonvaleszenzphase verbunden.

Als weniger invasive Prostatakrebsbehandlung wird die Methode des hoch energetischen, fokussierten Ultraschalls (HIFU) seit 1996 angewandt. Auch mit dieser Behandlung soll das Prostata- Karzinom (-Krebs) an seiner Entstehungsstelle direkt beseitigt oder zumindest verkleinert und somit unter Kontrolle gehalten werden. Risiken wie Blutung oder starker Harninkontinenz wurden bei den bisher durchgeführten weltweit über 3.000 (Anmerkung: in 2007 geht man von rd. 12500 HIFU-Behandlungen aus) Behandlungen mit dieser Methode selten beobachtet (kleiner 1%). Ein Potenzverlust kann bei dieser Methode, wenn beide Prostatalappen komplett behandelt werden, ebenso wie bei der Radikaloperation entstehen, ist aber etwas unwahrscheinlicher (50%). Die Ejakulation – als Teil der natürlichen Potenz - geht in jedem Falle, bei einer Prostatakarzinomtherapie - ebenso wie die Fortpflanzungsfähigkeit - verloren.

Ein Vorteil der HIFU Methode ist, dass diese in kaum belastender Teilnarkose durchgeführt wird und unblutig ist. Die Behandlungsdauer hängt von der Prostatagröße ab und liegt zwischen 2 und 3 Stunden.

Die stationäre Verweildauer nach dem Eingriff liegt bei ca. 5 Tagen. Schmerzen im Bereich des kleinen Beckens nach dem Eingriff sind sehr gering, es kommt jedoch unmittelbar nach dem Eingriff durch Anschwellen der Prostata zu Problemen beim Wasserlassen, die – trotz vorbeugender Abhobelung (TURP) - durch einen Blasen-Bauchdeckenkatheter für einige Tage vermieden werden. Die Schwere und das Risiko des Eingriffs ist deutlich geringer als bei einer Schnittoperation. Auf weitere „klassische“ Behandlungsverfahren des Prostata-Karzinoms und ihre Wirkungen wie Nebenwirkungen, wie die Röntgenbestrahlung und die hormonelle oder operative Kastration wurde ausführlich hingewiesen: durch Entzug des männlichen Geschlechtshormons wird nur indirekt das Wachstum (Prostatakarzinom) der Prostatadrüsen eingeschränkt. Eine direkte lokale Behandlung des Prostatakarzinoms wird allerdings nur durch die Radikaloperation, die externe Röntgenbestrahlung, Prostataspickung („SEEDS/Brachytherapie“) und HIFU erreicht. Schwerwiegende Komplikationen unmittelbar während oder nach der Behandlung mit hoch energetischem fokussierten Ultraschall sind bei den bei uns bisher mehr als 300 behandelten Patienten sehr selten gewesen (kleiner 0,1%). Bei keiner der bisherigen Behandlung kam es zu einer akuten Erweiterung des Eingriffes im Sinne einer offenen Operation oder zu Verletzungen benachbarter Organe, Nerven oder Gefäße mit nachfolgender Notoperation, wobei dies letztendlich - wie bei jedem operativen Eingriff - nicht 100%ig auszuschließen ist.

Der zeitlich begrenzte Harnverhalt nach der HIFU Behandlung ist in etwa 95% der Fälle zu beobachten. Er wird durch einen vorübergehend liegenden Bauchdeckenkatheter behandelt. Eine unvorhergesehene Erweiterung des Eingriffes oder Änderungen während der geplanten Maßnahmen sind bisher nie nötig gewesen. Bei medizinischen Komplikationen oder technischen Problemen jedweden Ursprungs kann der Eingriff problemlos jederzeit unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden (kleiner 1%).

Die Bildung einer „Fistel“, das heißt einer Verbindung zwischen Darm und Harnröhre war insgesamt selten (1%). Bei lokal nicht voroperierten/bestrahlten Patienten war es bisher nicht aufgetreten (0%). Eine individuelle Langzeit Erfolgsgarantie kann nicht gegeben werden, es liegen jedoch mittlerweile statistische Erfahrungen über einen Zeitraum von mehr als 5½ Jahre an unserer Klinik vor. Es wurden – je nach Tumorstadium - bei Biopsiekontrollen bis zu 93,4% tumorfreier Biopsien nachgewiesen. Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 22,2 Monaten lag der letzte gemessene PSA- Wert bei 73,7% der Patienten unter 0,4 ng/ml, was auf eine gute Heilungschance hinweist. Die Heilungsrate liegt somit – wie bei allen anderen Therapien - nicht bei 100%.

Sollte es daher nach der Behandlung zum Wiederauftreten des Prostatakrebses kommen, werden durch den Einsatz von hoch energetisch fokussiertem Ultraschall - im Gegensatz zu anderen Therapien – keine weiteren Behandlungsoptionen ausgeschlossen:
Die Behandlung kann - zumindest einmal – wiederholt werden. Zusätzlich kommen die Bestrahlung der Prostata, die Hormontherapie sowie in Ausnahmefällen die Schnittoperation in Frage, auf die oben schon hingewiesen wurde. Auf die Neuartigkeit der Behandlung wurde ausführlich, wiederholt und ausreichend mündlich wie schriftlich (HIFU Broschüre 2003) hingewiesen. Bei wenigen Patienten musste erwartungsgemäß wegen Fortschreiten des Prostata-Krebses eine Zusatzbehandlung eingeleitet werden, da das Karzinom doch fortgeschrittener als vor der Behandlung diagnostiziert war. Eine deutliche Verschlechterung des Krebsleidens trat während des Beobachtungszeitraumes bei keinem Patienten auf, wenn das Prostatakarzinom zur Zeit der Behandlung noch auf die Prostata beschränkt war. Auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen eines Bauchdecken-Blasenkatheters und der TURP wurde zusätzlich mündlich wie schriftlich ausführlich hingewiesen. Ich bestätige hiermit, dass ich eine vollständige, ausführliche, verständliche und ausreichende Aufklärung erhielt. Mir ist bekannt, dass ich die Einwilligung zum Eingriff jederzeit widerrufen kann. Aus der Einwilligung entstehen für mich keinerlei weitere Verpflichtungen. Die ausführliche Informationsbroschüre (HIFU 2003) habe ich erhalten, gelesen und verstanden. Ich habe keine weiteren Fragen. Ich erkläre mich hiermit mit der geplanten Behandlung einverstanden. Weiterhin bin ich mit der Sammlung und Verwertung, der aus der Behandlung im weiteren Krankheitsverlauf entstehenden Daten in anonymisierter Form für Forschungs- und Publikationszwecke einverstanden. Ich versichere, alle mir bekannten Leiden und Beschwerden aus meiner Krankengeschichte mitgeteilt zu haben. Ich versichere keine gerinnungshemmenden Medikamente bis zu einer Woche vor dem Eingriff genommen zu haben. Über das erforderliche Verhalten vor und nach dem Eingriff wurde ich mündlich und schriftlich informiert.

Kontraindikation bei HIFU

• Prostatavolumen größer als 25 ccm (evtl. Verkleinerung durch Hormonentzug oder TUR-P).
• Starke, im Ultraschall (TRUS) sichtbare Verkalkungen.
• Nach Brachytherapie mit verbliebenen Seeds.
• Nach vorbehandelter Fistelbildung im HIFU-Bereich.
• Nicht für Patienten ohne Enddarm oder stark entzündetem Darm (n. Bestrahlung).
• Patienten mit Tumorinfiltration des Enddarmes durch das Prostatakarzinom können nicht behandelt werden. [Zu kleines Darmlumen und Fistelgefahr].
• Patienten nach tiefer anterioren Rektumresektion mit einer „Kettchennaht“ unter der Prostata [können manchmal wegen Verwachsungen oder Darmstenose in diesem Bereich nicht behandelt werden].
• Zwergwüchsige Patienten (<150cm) [können manchmal wegen kleinem Rektum Behandlungsprobleme bereiten].

Ergänzung:
Ein Strahlentherapeut macht zur HIFU-Therapie folgende Anmerkungen:

Die Aussage, dass alle weitere Therapieoptionen nach HiFu völlig unproblematisch seien, finde ich ....überzogen. Es ist völlig unklar, wie die Verträglichkeit einer Strahlentherapie nach HiFu sein wird. Die Urethra wird ja bei der HiFu auch mitbehandelt und freut sich bestimmt nicht, wenn sie bei der Strahlentherapie nochmals angeschlagen wird. Eventuell hat man später mit einer höheren Rate an Urethrastenosen zu kämpfen.
Was die Operation angeht, weiss kein Mensch was für Verwachsungen im neurovaskulären Bündel die HiFu anrichten kann und wie sich diese dann bei der Operation lösen sollen. Eventuell lassen sich Gefässe und Nerven nicht so gut darstellen, so dass eine radikale Operation nur mit Opferung von Nerven und Gefässen ( Inkontinenz+Impotenz) oder Zurückbelassen von Tumor möglich ist.

Ergänzung - weitere kritische Anmerkungen des vorzitierten Strahlentherapeuten zu HIFU-Therapie aus dem Forum des BPS:

Eine RPE mit Nervenschonung ist nach HIFU (je nach Tumorsitz) schwierig. Die HIFU macht nämlich auch Vernarbungen in der Prostata und erschwert die OP auch.

.....dürfen auch die Grenzen der HIFU nicht vergessen. Wenn man HIFU direkt auf dem Nerven machen würde, dann würde dieser komplett wegfallen. Deswegen hat man das Problem, dass die HIFU gut die zentralen Anteile der Prostata erfassen kann, in der Peripherie jedoch keine gute Abdeckung anbietet. Das kommt daher, dass in der Peripherie (kapselnah) der Abstand zum Nerven sehr knapp ist und die HIFU daher gefährlich ist.

Im vorliegenden Fall...... Tumor weist bereits eine Perineuralscheideninvasion auf. Das heisst, er wächst gerne Richtung Gefäss-Nerven-Bündel. Wenn der HIFU-Behandler versuchen würde diese Tumoranteile zu erwischen, würde er zwangsweise die Nerven mitverletzen. Sonst muss er einfach diesen Anteil stehen lassen und den Hauptbefund behandeln, was ein Rezidiv ....so gut wie sicher bedeutet.

letzte Aktualisierung im Januar 2011

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.

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