Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Olaparib

03.11.2015

Und was machen wir, wenn Docetaxel. Abiraterone, Enzalutamid, Cabazitaxel ausgereizt sind? Die Hände falten und beten?

Das sollten wir ohnehin, aber dennoch nach neueren Wegen suchen, nach weiterer Medikation, die uns hilft, einigermaßen lebenswert unser Leben zu verlängern.

 

Dr. Eichhorn, ein von mir sehr geschätzter Urologe aus Bad Reichenhall, schrieb mir: Es geht um Olaparib.

Olaparib ist ein PARP ( = Poly-ADP-Ribose-Polymerase ) – Hemmer.

Krebs ist häufig Folge eines Ausfalls von DNA-Reparatur-Enzymen, von denen BRCA1 und BRCA2-Mutationen die bekanntesten Vertreter sind. Die Mutationen fördern einerseits die Entwicklung der Tumore – andererseits schwächen sie aber auch die Krebszellen.Die Entwicklung von Krebsgeschwülsten ist darauf angewiesen dass ihr Erbgut eine Reststabilität aufweist. Hier greift Olaparib an.

Olaparib wirkt beim Ovarialkarzinom :

Die klinische Prüfung hat in einer Phase 2-Studie vielversprechende Ergebnisse geliefert. An der Studie hatten 265 Patientinnen mit Ovarialkarzinom teilgenommen, die unter einer Platin-basierten Chemotherapie wenigstens eine partielle Remission erzielt hatten. Sie wurden auf eine Erhaltungstherapie mit Olaparib oder Placebo randomisiert. Nach den kürzlich von Jonathan Ledermann vom University College London und Mitarbeitern in Lancet Oncology (2014; 15: 852-861) vorgestellten Ergebnissen verlängerte Olaparib das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu Placebo.

Signifikant war der Unterschied allerdings nur bei Patientinnen, deren Tumore Mutationen in einem BRCA-Gen aufwiesen. Hier wurde die mediane PFS von 4,3 auf 11,2 Monate verlängert (Hazard Ratio 0,18; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,10 bis 0,31). Bei den Patienten ohne BRCA-Mutation wurde die mediane PFS nicht-signifikant von 5,5 auf 7,4 Monate verlängert.

Sie werden sich fragen: „ Was hat das mit Prostatakrebs zu tun“ ? Nun – Männer mit einem Prostatakarzinom können auch ein mutiertes BRCA-Gen haben.Wenn dieses Gen vorliegt könnte Olaparib auch bei Männern mit einem Prostatakarzinom wirken.

Genau das tut es auch:

In einer Phase II – Studie wurden 50 kastrationsresistente Patienten rekrutiert die alle schon massiv vorbehandelt waren – mit Abiraterone, Enzalutamid, Docetaxel oder Cabitaxel. Dosierung: 400 mg 2x/Tag16 ( 33% ) von 49 Patienten die ausgewertet werden konnten sprachen auf die Therapie an. Mit dem „ next-generation sequencing“ konnten Defekte bei verschiedenen Reparaturgenen nachgewiesen werden – bei 16 von 49 Patienten.

Von diesen 16 Patienten sprachen 14 ( 88%) auf die Therapie mit Olaparib an.

Es sprachen alle Patienten mit einem BRCA2 Verlust auf die Therapie mit Olaparib an. Nebenwirkungen: Anämie und Fatigue – Syndrom.

 

 

 

Was bedeutet das ?

Nun – es wird wohl bei einer beachtlichen Zahl von Männern ein BRCA1/2 – Verlust vorliegen – ich schätze mal bei ca. 30%.

Zum Nachweiseis des BRCA1/2 – Verlustes:

Ich habe mit dem Zentrum für Humangenetik in Martinsried telefoniert. Die Kollegen und Kolleginnen können am in Formalin fixiertem Tumorgewebe den BRCA1/2 – Verlust nachweisen. Kosten: ca 2-3000 EUR. Eine Blutuntersuchung auf den Gen-Defekt bekommen die Patienten kostenlos dazu.

Olaparib ist zur Therapie des metastasierten Ovarialkarzinoms seit diesem Jahr zugelassen – d.h. jede Apotheke kann das Präparat ( Handelsname Lynparza ) auf Rezept bestellen. Problem: sehr teuer – Monatstherapiekosten von ca 6000 EUR.

Ich könnte mir gut vorstellen dass die privaten Kostenträger die Kosten erstatten – die gesetzlichen nicht.

Kassenpatienten können versuchen einen Urologen/Onkologen zu finden der Ihnen Olaparib auf Kasse verschreibt – im Sinne eines „off label use“.

 

 

Meine Meinung:Natürlich ist es noch viel zu früh Olaparib endgültig zu bewerten, da bin ich mir mit Dr. Eichhorn einig. Zu oft standen Wissenschaftler vor einem sogenannten "Durchbruch", der später dann aber nur bei Mäusen wirksam war. Ich mußte oft schimpfen: Maus müßte man sein.

Positiv zu werten ist jedoch: In den letzten vier Jahren sind mehr neue und wirksame Medikamente vor allem für Männer mit fortgeschrittenem PCa zugelassen worden als in 25 Jahren zuvor. Und in der Pipeline der Wissenschaftler warten noch weitere therapeutische Entwicklungen.

Leider braucht das alles viel Zeit. Und ich frage mich immer häufiger: Habe ich diese Zeit noch?

Ich frage mich aber auch: Mit welchen Nebenwirkungen erkaufe ich mir mit den neuen Medikamenten ein paar wenige Monate Lebenszeit? Lohnt das? Ist der Preis Verzicht auf jede Menge Lebenqualität nicht zu hoch, für mich und meine Frau?

November 2015 WDF

 

 



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