Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

PSMA Hilfe für Austherapierte

03.7.2016

 

 

Bericht vom Besuch des Vortrages: Therapie und Diagnostik, PSMA Nuklearmedizin von Dr. Rahbar, Uniklinik Münster am 30. Juni 2016, 18.00 Uhr bei der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Münster – WDF+ASF:Unsere Notizen

 

 

Der Wirkstoff PSMA läßt sich mit radioaktiven Substanzen koppeln. Gebunden an ein diagnostisches Radionuklid macht er Prostatatumoren und Metastasen im PET sichtbar. Markiert mit einem therapeutischen Radionuklid tötet er gezielt Krebszellen (dkfz).

 

 

Untersuchung mit Ga-68-PSMA-PET/CT

 

 

Eine qualitativ hochwertige Bildgebung ist besonders wichtig in der Rezidiv-Diagnostik, um zu erkennen, ob ein Tumor nach einer Behandlung wieder anfängt zu wachsen. Eine neue Variante der Positronen-Emissions-Tomografie (PET/CT oder auch PET/MRT) kann Prostatakrebszellen nach einem Rezidiv überall im Körper aufspüren. Dazu erhält der Patient eine Substanz (Tracer) in die Vene gespritzt, deren Partikel an das Prostataspezifische Membranantigen (PSMA, ein Eiweiß) bindet. Dieses PSMA befindet bzw. bildet sich zwar im ganzen Körper wie z.B. in den Speichel- und Tränendrüsen, auf gesunden Prostatazellen und auch in der Niere, vermehrt und weitgehend spezifisch findet man es in größerer Menge (10mal höhere Konzentration) aber auf Prostatakrebszellen. Gekoppelt an das Radionukleid 68-Gallium (Ga68) ermöglicht diese Substanz ein zuverlässigeres Staging als mit bisherigen Standarduntersuchungen wie Knochenszintigrafie und CT bzw. MRT. Insbesondere die prätherapeutische Diagnose (Staging) von Metastasen bei hohem oder intermediärem Risikoprofil könne genauer erfolgen.

 

Auch beim biochemischen Rezidiv können selbst bei niedrigen PSA-Werten <1ng/ml Tumoranreicherungen detektiert werden wie z.B. kleine Lymphknotenmetastasen. Eine Überlagerung mit Bildern aus einer Ganzkörper-Computertomographie (CT) verfeinere die PET-Darstellung. Nicht geeignet sei die PSMA-Untersuchung für die Erstdiagnostik.

 

Dr. Rahbar: „Die frühe Entdeckung von Metastasen z.B. in Lymphknoten, inneren Organen wie z.B. der Leber oder in Knochen ist für die weitere Therapie-entscheidung wichtig. Mit der GA-68-PSMA-PET/CT können wir schon bei leichtem Anstieg des PSA-Wertes Metastasen im ganzen Körper sicher und präzise nachweisen, besser als mit dem bisherigen Cholin Kontrastmittel.". Und nochmal Dr. Rahbar, aktueller Preisträger für seine Studien im UKM zum Thema PSMA und Theranostik: „Die Erfahrungen mit dem GA-68-PSMA-Tracer (Kontrastmittel) sind so gut, dass eine Aufnahme der PSMA-Untersuchung in die Leitlinien geboten erscheint." Die Kosten für die PSMA-Untersuchung wird von den Krankenkassen nicht übernommen.

 

Lt. Dr. Rahbar würden nicht alle PSMA Krebszellen entdeckt, wenn auch in geringem Prozentsatz, denn es gäbe nicht-PSMA-aufnehmende Prostatakrebszellen, die durch das GA-68-PSMA-PET/CT dann auch nicht dargestellt werden können.

 

 

Hilfe für Austherapierte - PSMA Therapie, eine neue Therapieoption beim hormonrefraktären Prostatakarzinom

 

 

Wie zuvor beschrieben ist PSMA ein Membran-gebundenes Protein, welches bei Vorliegen eines Prostatakarzinoms verstärkt auf der Prostatakrebszelle exprimiert (gebildet) wird. Knochen- als auch Weichteilmetastasen werden so detektiert. Die Radiochemie verfügt über Substanzen, die an das PSMA binden und mit einer schwach radioaktiven Substanz markiert werden (z.B. Lutetium 177 oder Jod-131;

 

 

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das sind ß- bzw- α-Strahler; hat was mit der Bestrahlungstiefe zu tun) Aufgrund dieser spezifischen Bindung reichert sich Radioaktivität im Tumorgewebe an, gelangt in das Zellinnere und bestrahlt dieses Gewebe von innen, d.h. es kann dort seine krebszerstörerische Wirkung entfalten. Da nahezu ausschließlich Krebszellen das Radiopharmakon aufnehmen, wird nur in Tumoren eine schädliche Strahlendosis erreicht. Das Lu-177-PSMA wird intravenös verabreicht. Die Therapie kann wiederholt werden.

 

Das Therapieziel ist eine Hemmung/Verlangsamung des Wachstums von Tumorzellen, wobei auch Metastasen in Knochen und Weichteilen erfasst werden. Dr. Rahbar habe bei Patienten, die sonst keine Therapieoption mehr hätten, ein gutes Ansprechen beobachten können, d.h. es sei zu einem Rückgang der Tumormasse gekommen und/oder der PSA-Wert sei um 30-50 Prozent gesunken, manchmal hätten sich auch starke Schmerzen zurückgebildet.

 

Dr. Rahbar: „Die Behandlung mit Lu-177-PSMA ist nur möglich, wenn die Metastasen bzw. der Tumor PSMA anreichert." Das stelle man mit einer PSMA-PET/CT Untersuchung vor Therapiebeginn fest. Und „...je aggressiver der Tumor, desto mehr PSMA und damit mehr Bindungsstellen für das Radiopharmakon tragen die Tumorzellen an ihrer Oberfläche." Der Trick dieser Therapie ist, dass die Strahlung zu einem Grossteil dort abgeliefert wird, wo man das will, in der Metastase im Rezidiv und eben nicht im gesunden Gewebe.

 

Dr. Rahbar erläutert, bei welchen Patienten die Methode angewandt wird, welche Indikation gestellt werden muß: Die Therapie soll bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit Weichteil- sowie Knochenmetastasen eingesetzt werden, und zwar unter folgenden Voraussetzungen:

 

- Die Patienten haben im Vorfeld schon alle etablierten Therapiemaßnahmen ausgeschöpft und keine weiteren Therapieoptionen -PSMA-PET-positive Metastasen - ausgeschöpft sind alle relevanten Therapiemöglichkeiten im Konsens mit dem behandelnden Urologen/Onkologen wie 2nd oder 3rd-line Therapien wie ADT, Xtandi, Zytiga, Xofigo, Chemotherapie, Cabazitaxel

 

Die Behandlung würde im allgemeinen sehr gut vertragen und führe meist nicht zu starken akuten Nebenwirkungen. Gelegentlich sei es zu Übelkeit und Erbrechen, Geschmacksstörungen sowie Abgeschlagenheit gekommen. Blutbild, Nieren- und Leberwerte, die Funktion der Speicheldrüsen, Mundtrockenheit müßten kontrolliert werden, ebenso müsse auf eine ausreichende Darmaktivität geachtet werden. PSMA wird sowohl über die Nieren als auch über Leber und Gallenblase ausgeschieden.

 

Hinsichtlich der Kosten (bisher keine Übernahme durch die Krankenkasse) wurden 6-8000 Euro genannt. Teuer daran ist das Radiotherapeutikum, welches jeweils im Kernreaktor und Labor hergestellt werden muß.

 

Fazit Dr. Rahbar auf meine Frage, für wen ist diese Therapie gedacht: „Vorläufig ist diese Therapie immer noch ein letzter Strohhalm für Austherapierte."

03.07.2016 Wolfhard D. Frost und Annette Siekmann-Frost

 

 


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