Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Cannabis als Medikament

10.6.2017

Cannabis

Seit diesem Jahr wird die Behandlung für schwerkranke Menschen leichter als bisher möglich sein - wenn auch nur unter besonderen Voraussetzungen: Die behandelnden Ärzte müssen davon ausgehen, dass sich die Situation ihrer Patientinnen und Patienten durch die Therapie deutlich verbessern lässt. Dann können sie ein entsprechendes Betäubungsmittel-Rezept ausstellen.

In einer ärztlichen Mitteilung war zu lesen: Das therapeutische Potential und die Einsatzmöglichkeiten für natürliche Cannabisprodukte bzw. THC (Dronabinol) ergeben sich heute vor allem bei organisch bedingter Spastik, bei Schmerzzuständen, bei Appetitlosigkeit und Abmagerung im Rahmen fortgeschrittener AIDS- und Krebserkrankungen, bei Nebenwirkungen der Krebschemotherapie sowie bei anderen Ursachen von Übelkeit und Erbrechen und beim Glaukom.

Versorgt werden dürfen Betroffene aber weiterhin ausschließlich über Apotheken: entweder mit den schon länger legal erhältlichen Arzneimitteln mit sogenannten Cannabinoiden, oder mit qualitätsgeprüftem Medizinalhanf, also den getrockneten Blüten der Pflanze.
Sind die Voraussetzungen erfüllt, sollen zudem die Krankenkassen in Zukunft die Kosten ganz regulär übernehmen können (Anmerkung: Da bin ich aber skeptisch!).

Mediziner sind trotzdem nicht selten recht zurückhaltend, wenn es um Cannabis als Medikament geht. Nach mir vorliegenden Informationen basiert die Ablehnung aber in erster Linie auf Unsicherheit. Für Onkologen, so ar zu hören, scheint die aktuelle Faktenlage zu den krebshemmenden Eigenschaften lückenhaft. Zu viele Fragezeichen gäbe es bei Details wie der Dosierung. Unsicherheit bestünde lt. Experten, wie lange man Patienten mit den Wirkstoffen behandeln müsste. Cannabis wirke nicht so toll, wie viele denken, wird Palliativmediziner Lukas Radbruch von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zitiert. Die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis sei nicht stärker als bei einem schwachen Opioid und helfe auch nicht jedem schwer kranken Patienten.

Ergänzende Anmerkungen:
Eine interessante Information erreichte mich aus den Niederlanden, wo der Anbau von Medizinalhanf erlaubt sei. Dort käme es hin und wieder zu Pilzbefall der Blüten. Da frage ich mich: „Wer solches Cannabis raucht, kann das bei dem Betreffenden zu Lungenerkrankungen führen?“ THC in Tropfen, Kapseln oder als Spray scheinen dagegen unbedenklicher zu sein. Und eine weitere Frage drängt sich mir auf: Was ist mit der Suchtgefahr? Wird die bei dem derzeitige Hype auf die Pflanze unterschätzt? Und dann las ich noch in einer Berliner Zeitung: Ein dortiger Palliativmediziner sieht in medizinischem Cannabis nicht mehr als ein Nischenprodukt, das nur für eine kleine Gruppe von Patienten wirklich geeignet ist. Das macht mich doch sehr nachdenklich.

10.06.2017 Wolfhard D. Frost



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