Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Methadon und Prostatakrebs

27.7.2017

 

Aus der Pharmazeutischen Online-Zeitung:
Per Zufall haben Wissenschaftler des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Ulm kürzlich nachweisen können, dass Methadon in der Lage ist, Leukämiezellen abzutöten. Wie das Team um Dr. Claudia Friesen im Fachmagazin »Cancer Research« (Band 68, Seiten 6059 bis 6064) berichtet, ist diese Wirkung des Suchtersatzstoffes sogar bei Chemotherapie- und bestrahlungsresistenten Zellen zu beobachten. Behandelten die Forscher die Krebszellen mit Methadon, geschah etwas Überraschendes: Die Zellen starben ab. Methadon war ebenso effektiv wirksam wie eine Standard-Chemotherapie oder eine Bestrahlung. Ob für kurze Zeit eine hohe Opioid-Dosis oder langfristig eine niedrige Dosis gewählt wurde, machte dabei keinen entscheidenden Unterschied. Und: Gesunde Zellen überlebten beide Methadon-Dosierschemata problemlos.


Und jetzt ist bei uns in Deutschland ein Glaubenskrieg über die Wirkung von Methadon in der Krebstherapie ausgebrochen.

Methadon wird seit vielen Jahren im Heroinentzug eingesetzt und ist daher den meisten als Drogensubstitut bekannt. Methadon findet aber auch im palliativen Bereich seit Jahren als Schmerzmittel Verwendung. Ein Einsatz des Opiods mit schmerzstillender Wirkung in der Krebstherapie ist allerdings neu und wird derzeit in Deutschland heftig diskutiert. Ein Arzt machte nämlich die Entdeckung, dass Krebspatienten, denen zusätzlich zur Chemotherapie Methadon verschrieben wird, deutlich länger leben. Methadon praktisch eine potenzierende Wirkung auf die Chemotherapie hat.
aus dem Internet 07/2017

Was ist Methadon?
Methadon ist ein synthetisch hergestelltes Opioid und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf der Liste der unverzichtbaren Medikamente geführt. Der Wirkstoff wurde 1937 entwickelt. Die schmerzstillende Wirkung wurde erst fünf Jahre später, 1942, festgestellt.

Wie wirkt Methadon?
Methadon hat die selbe schmerzstillende Wirkung wie andere Opioide (Opium, Morphin). Sie wirken in erster Linie schmerzlindernd aber auch sedierend, hustenreizlindernd und beruhigend.

Kann Methadon Krebs heilen?
Bei schwerstkranken Krebspatienten kann Methadon offenbar zur Unterstützung und Verstärkung zur konventionellen Chemotherapie eingebracht werden. Die Forscherin Dr. Claudia Friesen:Selbst große Tumore im Hirn, die auf keine Therapie mehr ansprachen, verschwanden. Bei einem anderen Patienten waren Metastasen in der Leber nicht mehr vorhanden. Forschungen zeigten, dass Methadon bei den unterschiedlichsten Krebsarten die Wirkung der Chemotherapie drastisch erhöhen kann. 

Gibt es Kritik?
Ja, es gibt Kritik von Fachgesellschaften und Kliniken. Die Wirksamkeit bei der Anwendung von Methadon beruht allerdings nicht auf wissenschaftlichen Publikationen und ist deshalb nicht überprüfbar. Das Argument sind die fehlenden evidenzbasierten Studien

Wie komme ich dennoch an eine Therapie mit Methadon?
Nur "off label use" und ich brauche einen Arzt, der mich dann dennoch therapiert.
Bisher habe ich eine Fundstelle bzgl. eines in Ostwestfalen praktizierenden  Arztes gefunden, der lt. seines Webseiteneintrages jedoch nur Selbstzahler-Patienten behandelt. 

Gibt es Erfahrungen?
siehe http://neue-krebstherapie.com/methadon-und-krebs/

siehe http://www.tagesschau.de/inland/krebstherapie-methadon-101.html

Meine Meinung:

Seriöse Hinweise auf Methadon-Wirkung bei fortgeschrittenem Prostatakrebs habe ich bisher noch nicht gefunden, wohl hinsichtlich asnderer Krebserkrankungen.

Man muß trotz erster Erfolge seriös bleiben und verhindern, dass plötzlich von dem Wundermittel Methadon gesprochen wird. Die Forscherin Dr. Claudia Friesen aus Ulm hat lediglich Indizien und erste Beweise geliefert, dass Methadon in der Krebstherapie Wirkung zeigt. Diese Ergebnisse machen eine weitere Untersuchung der Wirkung von Methadon auf Tumore auf jeden Fall notwendig. Denn der Wirkstoff Methadon in der Krebstherapie ist bisher nur an Zellkulturen, Tieren und an einigen wenigen Patienten getestet worden. Wenngleich die Ergebnisse und Beobachtungen (mehr war es ja bisher nicht) auch durchaus positiv waren, so sind nach meiner Auffassund weitere Untersuchungen mit breiteren Studien dringend notwendig und müßte auf universitärer Ebene auch ohne Unterstützung durch die Pharmaindustrie möglich sein. Erst dann kann, so meine ich, eine fundierte Diskussion über die Wirkung des Medikaments auch in unseren Selbsthilfegruppen geführt werden. Die Aussagen der Forscherin Frau Dr. Friesen bezüglich mangelnder Unterstützung vor allem finanzieller Art sind zwar nachvollziehbar, klingen aber wie der Beginn eines Glaubenskrieges. Wir tun uns nichts Gutes, wenn wir ein kaum erforschtes Medikament mit Betroffenen in unseren SHG’n diskutieren. Schnell wird daraus ein Wundermittel mit dem der Eine oder Andere möglicherweise wenig seriös „Geld machen kann“.

Nochmal meine Meinung: Ob das Medikament Methadon, mit interessanter Wirkung bei Krebs, bisher vor allem aber erst nur in der Petrischale, das kann, was da mittlerweile schon hineindiskutiert wird, muß erst noch bewiesen werden. Aus diesen Gründen werde ich mich erstmal bei diesem Thema zurückhalten.

27. Juli 2017 WDF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




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