Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Checkpoint-Inhibitoren

20.9.2017

Krebszellen habe die Eigenschaft, sich gegenüber dem körpereigenen Immunsystem zu tarnen. Die Krebszellen täuschen das Immunsystem, sie seien gesunde Zellen. Diese "Tarnung" nennt man auch ESCAPE-Mechanismus.  Wenn diese Tarnung sich fortsetzt, kann ein Tumor ungehindert wachsen. Mit zielgerichteten Therapie kann man das Krebswachstum stoppen. Tyrosinkinasehemmer und bestimmte Antikörper können Wachstumssignale des Tumors blockieren, Angiogenesehemmer kappen die Blutversorgung des Tumors und Methylierungshemmer aktivieren per DNA gegen den Tumor gerichtete Programme. Nur ganz so einfach geht das nicht, denn gesunde Zellen werden ebenfalls angegriffen. Checkpoints, das sind Rezeptoren auf den Oberflächen unserer Immunzellen, sorgen mit ihren Signalen dafür, sozusagen als Kontrollpunkte, dass das Immunsystem effektiv gegen kranke Zellen vorgeht ohne gesunde Zellen zu schädigen. Man muß sich das so vorstellen: Zellen, eine davon ist eine Immunzelle, unterhalten sich, kommunizieren nach dem Sender-Empfänger-Prinzip miteinander. Es werden Signale ausgetauscht. Senden zwei Zellen Signale aus, die miteinander können (also die gleiche Frequenz haben), erkennt die Immunzelle die andere Zelle als körpereigen und gesund an; sie wird "verschont". Tumorzellen, die sich "tarnen", werden aber gleichfalls als körpereigen und gesund von der Immunzelle erkannt und dann verschont. Mit anderen Worten: Das Immunsystem greift diese an sich kranke Zelle nicht an!. Der Tumor kann weiter wachsen.
Hier helfen Immun-CheckPoint-Hemmer. Bei Immun-Checkpoint-Inhibitoren handelt es sich um künstliche Antikörper, die molekulare Bremsen des Immunsystems (körpereigenes Abwehrsystem) lösen.

Kurz gefasst: Die Immunsuppression, das sind vom Tumor ausgehende immundämpfende Signale. Sie drosseln, blockieren bzw. unterdrücken die Aktivität von T-Lymphozyten. Man könnte auch sagen durch "lahmlegen".

Biomarker wie PD-L1 können solche vom Tumor ausgelösten Immunsuppressionen (Suppression=Unterdrückung) erkennen, anzeigen.

Checkpoint-Inhibitoren sind neue hochwirksame Medikamente. Die pharmazeutische Zeitung schrieb dazu: Wir gehen derzeit davon aus, dass sich die Immun-Check-Point-Kontrolle bei vielen Tumoren, auch bei soliden Entitäten, als eine neue Säule der Krebstherapie etablieren wird. In einer Studie mit Pembrolizumab lebten nach 18 Monaten noch 62 Prozent der Patienten. Prinzipiell habe die Therapie gut angeschlagen, selbst bei großen Tumormassen. Bisher fehlen jedoch noch Langzeitergebnisse.

20.09.2017 WDF

Ergänzung:

Vorläufige Ergebnisse aus der KEYNOTE-028-Studie NCT02054806

Die derzeitigen Therapien bei kastrationsrefraktärem Prostatakrebs (CRPC) bieten keinen ausreichenden klinischen Nutzen. Pembrolizumab, ein Anti-PD-1-Antikörper, blockiert die Wechselwirkung zwischen PD-1 und PD-L1. Informationen vom ASCO 2016: In der nichtrandomisierten Phase 1b-Studie KEYNOTE-028 (NCT02054806) sollen die Sicherheit und Wirksamkeit von Pembrolizumab bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs und Versagen der Standardtherapien bewertet werden.

Methoden

Patienten wurde Pembrolizumab 10 mg pro kg Körpergewicht alle 2 Wochen für 24 Monate (Mo) oder bis zur Progression (PD) und nicht tolerierbarer Toxizität, bis zum Tod oder Entzug der Patientenzustimmung verabreicht. Stabile Patienten konnten bis zur Progression in der Studie verbleiben. Response wurde alle 8 Wochen für die ersten 6 Mo und alle 12 Wochen danach überwacht und bewertet. Der primäre Endpunkt war ORR (Overall Response Rate = Gesamtansprechen, Teilansprechen).

Ergebnisse

Von den 23 Patienten, die in diese Studie eingeschrieben wurden, war das mittlere Alter 65 Jahre. 18 Patienten (74%) hatten ein ECOG(Karnofsky-Index) von 1 und zuvor 2 und mehrere Therapien für mCRPC erhalten. Median 33 Wochen (Bereich 6-79 Wochen) hatten 14 Patienten (61%) behandlungsbedingte Nebenwirkungen (TRAEs = treatment related adverse events)), am häufigsten Übelkeit. Drei Patienten (13%) hatten Grad 3-4 periphere Neuropathien als Nebenwirkung, je 1 Patient hatte Grad 3 Asthenie (Schwäche und Kraftlosigkeit, Unfähigkeit zu psyischen und körperlichen Anstrengungen) und Grad 4 erhöhte Lipase (Als Lipase werden alle Enzyme bezeichnet, die dem Körper zugeführte Fette aufbereiten/spalten. Ein hoher Lipasewerte deutet auf eine akute oder chronische Pankreasentzündung hin.) Kein Patient starb oder setzte Pembrolizumab wegen Nebenwirkungen (TRAE) ab. Das mittlere OS (overall survival = Gesamtüberleben) betrug 8 Mo, die 6-Monate PFS Rate (progressionsfreies Überleben) lag bei bei 39%. Zwei Patienten setzten die Behandlung nach Studienabschluß fort.

Schlussfolgerungen

Pembrolizumab produzierte dauerhafte Wirkung bei mehrfach vorbehandelten mCRPC Patienten mit einem fortgeschrittenem PD-L1-positiven Prostatakrebs. Die Behandlung war mit einem günstigen Nebenwirkungsprofil verbunden.

Quellen und Beteiligte incl. Offenlegung von Interessenkonflikten:

Merck & Co., Inc.

C. Massard: Advisory Board Member: Astra Zeneca, Bayer, Celgene, Genentech, Ipsen, Jansen, Lilly, Novartis, Pfizer, Roche, Sanofi, Orion, MedImmune, New Oncology, DebioPharm.

M. Gould, P. Qiu, S. Saraf, S. Keefe: Employee, stock ownership Merck & Co., Inc.

S.A. Piha-Paul: Corporate-sponsored research: GlaxoSmithKline, Novartis, Puma Biotechnology, Inc., Merck, Sharp and Dohme, BioMarin Pharmaceutical, Inc., Principia Biopharma, Inc., Abbvie, XuanZhu Biopharma, Helix BioPharma Corp., Incyte, Inc., Curis.

Übersetzt und laiensprachlich/-verständlich aufbereitet für die PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld e.V. durch W.D. Frost 20.09.2017

 



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