Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Immuntherapie

28.2.2018

Drei Immunstrategien für die Behandlung von Krebs

 

Krebszellen können dem Immunsystem entgehen

Die T-Zelle erkennt die Krebszelle anhand von Antigenen (Molekülstrukturen auf der Zelloberfläche) als krankhaft veränderte Zelle und leitet die Immunantwort ein.
 

Krebszellen können z. B. die Funktion der T-Zelle hemmen: Dazu nutzt die Krebszelle sogenannte Immun-Checkpoints und sendet Stoppsignale an die T-Zelle.
 

Immunonkologische Therapien bewirken durch medikamentös verabreichte Antikörper die Reaktivierung

der T-Zellen. Die reaktivierte T-Zelle kann die Krebszelle erkennen und vernichten

1. Checkpoint-Inhibitoren

Viele Tumorzellen entziehen sich ihrer Bekämpfung, indem sie mit Hilfe von Immun- Checkpoints die Aktivierung von T-Zellen unterdrücken und so dafür sorgen, dass der Tumor nicht angegriffen wird. Bei Immun-Checkpoint-Inhibitoren handelt es sich um künstliche Antikörper, die molekulare Bremsen des Immunsystems lösen.

Eine ungezügelte Immunreaktion kann so stark ausfallen, dass sie auch gesundes Gewebe zerstört. Der Körper stellt daher immunmodulierende Proteine her, so genannte Immun-Checkpoints, die dem entgegen-wirken. Immun-Checkpoints können unter anderem die Aktivität von T-Lymphozyten drosseln. Krebszellen nutzen das, indem sie über diese Proteine das Immunsystem lahmlegen. Neue Arzneistoffe, so genannte Checkpoint- Inhibitoren, legen die Immun-Checkpoints still und entfesseln damit die Körperabwehr.

2. Impfung mit dendritischen Zellen

Dendritische Zellen patrouillieren normalerweise im Körper, um körperfremde Stoffe, so genannte Antigene, aufzuspüren. Wissenschaftler vergleichen entartete mit gesunden Zellen und finden dadurch Antigene, die sich nur auf den ersten befinden. Sie geben diese Antigene dann zu den dendritischen Zellen, welche die Antigene in sich aufnehmen. Die reifen dendritischen Zellen bekommt der Patient zurückinjiziert. Die T-Zellen greifen daraufhin sämtliche Zellen an, die das entsprechende Antigen tragen. Und diese reifen dendritische Zellen präsentieren die tumorspezifischen Antigene den Zellen der Körperabwehr. Bestimmte T-Zellen setzen daraufhin immun-stimulierende Substanzen frei, so genannte Zytokine. Jetzt beginnen die T-Zellen die antigen-tragende Tumorzellen zu erkennen und können sie attackieren.

Wählt man Antigene, die auf Krebszellen lokalisiert sind, aber nicht auf gesunden Zellen, stattet man damit dendritische Zellen eines Patienten außerhalb seines Körpers aus und injiziert ihm die so veränderten Zellen zurück, dann impft man ihn damit gegen die Krankheit. Sein Immunsystem wird die Krebszellen nun auf Jahre hinaus aufspüren und vernichten.

3. CAR-T-Zellen

Mediziner entnehmen dem Patienten T-Zellen und infizieren sie mit einem gutartigen Virus. Das Virus enthält Erbinformationen in Form von RNA, die es den T-Zellen ermöglicht, einen Oberflächenrezeptor herzustellen, der ein spezifisches Antigen auf der Tumorzelle erkennt.
Die biotechnisch produzierten CAR-T-Zellen können nun Tumorzellen, die das Ziel-Antigen präsentieren, aufspüren und zerstören.

 

Wie verändern CAR-T-Zellen die Behandlung hämatologischer Tumoren? Hämatologische Tumoren sind Krebserkrankungen des Blut- und Lymphsystems, insbesondere Leukämien und Lymphome. CAR-T-Zellen können sich weitgehend ungehindert im Blut bewegen, wo auch die entsprechenden malignen Zellen oft zirkulieren. In klinischen Studien eliminieren sie bei 90 Prozent der Patienten, die an aggressiver Leukämie leiden, jede Spur der Erkrankung.

 

 

 

Zusätzliche Anmerkung:

Bakteriologische Kriegführung gegen den Krebs

Die Fähigkeit des Immunsystems, maligne Erkrankungen zu bekämpfen, scheint vom Mikrobiom abzuhängen.

Warum sprechen manche Krebspatienten deutlich besser auf die neuen Immuntherapien an als andere? Eine Rolle spielen sicherlich die Genome der Patienten und ihrer Tumoren. Es gibt aber noch einen weiteren, bisher kaum beachteten Aspekt – nämlich die Zusammensetzung des Mikrobioms, das ist die Gesamtheit zahlloser Mikroben (Bakterien), die auf und in unserem Körper siedeln, also ständig vorhanden ist.
 

Einige Bakterienarten veranlassen die Körperabwehr zu entzündlichen Überreaktionen, die gesunde Körperzellen entarten lassen oder Immunzellen dazu bringen, gesundes Gewebe zu attackieren, etwa bei rheumatoider Arthritis.

 

Manchmal unterstützen körperbesiedelnde Mikroben offenbar auch den Erfolg einer Krebstherapie.

 

Wissenschaftler meinen: Offensichtlich müssen wir den Bakterien des Mikrobioms und ihrer potenziellen Antitumorwirkung mehr Beachtung schenken. Während die einen Mikroben (wie z.B. Bifidobacterium) gesundheitlich günstig zu wirken scheinen, könnten andere Bakterienstämme das Tumorwachstum ankurbeln. Das ist bei Krebsimmuntherapien, die eine sorgfältig austarierte Stimulation der Körperabwehr erfordern, von großer Bedeutung.

Bakteriologische Kriegführung gegen den Krebs

Die Fähigkeit des Immunsystems, maligne Erkrankungen zu bekämpfen, scheint vom Mikrobiom abzuhängen.

Warum sprechen manche Krebspatienten deutlich besser auf die neuen Immuntherapien an als andere? Eine Rolle spielen sicherlich die Genome der Patienten und ihrer Tumoren. Es gibt aber noch einen weiteren, bisher kaum beachteten Aspekt – nämlich die Zusammensetzung des Mikrobioms, das ist die Gesamtheit zahlloser Mikroben (Bakterien), die auf und in unserem Körper siedeln, also ständig vorhanden ist.
 

Einige Bakterienarten veranlassen die Körperabwehr zu entzündlichen Überreaktionen, die gesunde Körperzellen entarten lassen oder Immunzellen dazu bringen, gesundes Gewebe zu attackieren, etwa bei rheumatoider Arthritis.

 

Manchmal unterstützen körperbesiedelnde Mikroben offenbar auch den Erfolg einer Krebstherapie.

 

Wissenschaftler meinen: Offensichtlich müssen wir den Bakterien des Mikrobioms und ihrer potenziellen Antitumorwirkung mehr Beachtung schenken. Während die einen Mikroben (wie z.B. Bifidobacterium) gesundheitlich günstig zu wirken scheinen, könnten andere Bakterienstämme das Tumorwachstum ankurbeln. Das ist bei Krebsimmuntherapien, die eine sorgfältig austarierte Stimulation der Körperabwehr erfordern, von großer Bedeutung.

 

Quelle: Maria-Luisa Alegre ist Professorin im medizinischen Institut der University of Chicago.



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