Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prostatainformationstag UKM 2018

28.2.2018

Bericht (Notizen) vom Informationstag Prostatakrebs des UKM am 23.02.2018 im Schloß in Münster 
Mit 250 Teilnehmern fast vollbesetztes Haus. 
Früherkennung der Prostata Pof. Semjonow warb in bewährter und oft in den vorangegangenen Veranstaltungen geübter Manier für eine angepasste Früherkennung. Prostatakrebs sei in 70% der Fälle heilbar, wenn er denn frühzeitig entdeckt würde. Tatsächlich werden durch kombinierte PSA-Testung und Tastuntersuchung mehr kleine Prostatakrebse diagnostiziert und tatsächlich bedürfen nicht alle einer Therapie durch Operation oder Bestrahlung. Deshalb die Empfehlung zur „Aktiven Beobachtung“. Eine PSA-Untersuchung kann wertvolle zusätzliche Hinweise auf das Vorliegen eines Prostatakrebses geben. Durch die Kombination von Tastuntersuchung und PSA-Bestimmung werden mehr Prostatakrebse in einem Frühstadium entdeckt, als durch die Tastuntersuchung allein. 
Wird bei einem PSA-Test ein sehr niedriger Wert festgestellt, dann sind jährliche Vorsorgeuntersuchungen nicht notwendig; es ist dann ausreichend, erst nach zwei oder drei Jahren eine Kontrolluntersuchung machen zu lassen. Männer, deren Väter oder Brüder an einem Prostatakrebs erkrankt sind, haben ein vier- bis fünffach erhöhtes Risiko, selbst an Prostatakrebs zu erkranken. Bei unauffälliger Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs sollte diese in regelmässigen Abständen wiederholt werden. Wurde nur eine Tastuntersuchung durchgeführt, sollte diese jährlich wiederholt werden. Wurde auch ein PSA-Test gemacht und war dieser sehr niedrig, dann reicht eine Wiederholungsuntersuchung nach zwei oder drei Jahren. 
Ein dauerhaft erhöhter PSA-Wert kann ein Hinweis auf eine bösartige Erkrankung der Prostata sein. Sollte dies der Fall sein, werden bei den betroffenen Männern im zweiten Schritt zumeist ultraschallgesteuerte Gewebeentnahmen (= Biopsien) durchgeführt. In einigen Fällen geben diese herkömmlichen Biopsien keinen Hinweis auf eine Krebserkrankung der Prostata auf, Aus diesem Grund veranlassen erfahrene Urologen häufig eine sogenannte Fusionsbiopsie der Prostata. Hierbei wird das herkömmliche Livebild des 3D-TRUS Ultraschalls mit dem neuartigen MRT-Bild vereinigt, sodass umfassendere Areale der Prostata sichtbar werden und verändertes Gewebe besser zu erkennen ist. Die Biopsienadel kann entsprechend zielgerichteter angesetzt werden und verhilft einer Gewebeentnahme somit zu mehr Aussagekraft! 
Auf Nachfrage: Die heutigen Bildgebenden Verfahren können lt. Prof. Semjonow 84% der Prostatakrebs detektieren. 
Strahlenbehandlung mit gleichzeitiger Hormonbehandlung. 
Der Vortragende Dr. Khaled Elsayad, Oberarzt in der Klinik für Strahlentherapie am UKM, war sprachlich schwer verständlich. Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom sowie mittlerem Rezidivrisiko würden von einer Kombination aus Strahlentherapie und einer vier- bis sechsmonatigen Antiandrogenen Hormontherapie profitieren.. Eine höhere Strahlendosis könne möglicherweise die ADT ersetzen.  Bei Hochrisikopatienten ist die Strahlentherapie in Kombination mit einer Langzeithormonbehandlung als Therapiestandard anzusehen, weil hierdurch das onkologische Outcome deutlich verbessert würde. Bei einer der größten randomisierten kontrollierten Studie sank die karzinomspezifische Sterblichkeit von 19 auf 9 %. Höhere Strahlendosen von 66–74 Gy und längere ADT können die lokale Kontrolle verbessern, erhöhen aber Toxizität. Standard sei die fraktionierte Behandlung mit Einzeldosen von 1,8–2,0 Gy und Gesamtdosen von 74,0– 84,0 Gy. Die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) ist eine verbesserte 3D-CRT, bei der durch kontinuierliche Veränderungen des Photonenstrahls mittels beweglicher Bleilamellen die Volumina des Bestrahlungsgebietes unterschiedlich hohe Dosen erhalten. Dadurch wird das umliegende gesunde Gewebe geschont und gleichzeitig das Zielgebiete optimal erfasst. 
Fazit: In allen randomisierten Studien, bei denen eine Kombinationsbehandlung mit einer alleinigen Strahlentherapie und einer adjuvanten HAT verglichen wurde, optimierten sich die Ergebnisse insbesondere bei Patienten mit mittlerem oder hohem Risikoprofil. Für die Kombination der interstitiellen Brachytherapie mit einer ADT liegen derzeit noch keine Daten mit ausreichend hohem Evidenzlevel für eine Therapieempfehlung vor.  
Auf Nachfrage: Bisherige aktuell verfügbare Daten zur Hypofraktionierung, das heißt der Bestrahlung mit höheren Einzeldosen pro Tag bei geringerer Gesamtanzahl von Bestrahlungsfraktionen und in Kombination mit einer ADT, liegen in Deutschland nicht vor. 
REHA, Nachstationäre Hilfen und Versorgung 
Der Vortragende Ulrich Kurlemann kam vom Sozialdienst des UKM und erläuterte in launigen Worten, welchen Vorteil Patienten hätten, so sie denn den Sozialdienst in Anspruch nehmen würden.  
Neue Methoden der Behandlung bei Prostatakrebs- Was ist in Zukunft möglich? 
Prof. Schrader, Chefarzt der Urologie im UKM fasste zum besseren Verständnis ganz kurz die Entwicklung des Prostatakarzinoms von der Detektion bis hin zum fortgeschrittenen Stadiums zusammen. Die medikamentösen Optionen beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom haben deutlich zugenommen. Es zeichnet sich ab, dass die Behandlung bald individueller, zielgerichteter ausrichtet werden kann. Das metastasierte kastrationsresistente Prostatakarzinom (mCRPC) ist in den meisten Fällen eine sich langsam unter kontrollierten Bedingungen entwickelnde Erkrankung. Meist ist die Diagnose Prostatakarzinom mit zunächstiger Lokaltherapie und danach sich langsam entwickelnder Metastasierung und antihormoneller Therapie eine über Jahre hinweg vom behandelnden Urologen betreute Erkrankung. In den letzten 10 Jahren gab es eine Welle an Neuzulassungen von neuen Medikamenten im Bereich der Hormon- und Chemotherapie, aber auch auf dem Gebiet der Radionuklide.  In Zukunft würde die Immuntherapie eine immer größer werdende Rolle in der Onkologie spielen. Die PD-1 Checkpoint-Hemmer können die körpereigene Immunantwort gegen den Prostatakrebs aktivieren und dadurch Krebszellen töten. Beispiel sei das in Studien befindliche Pembrolizumab. 
Männern mit ATM- und BRCA-Gen Mutationen haben einem vierfach erhöhten Prostatakarzinomrisiko. Am Beispiel Angelina Joly erklärte Prof. Schrader den Einfluß dieser Gene. BRCA1 und BRCA2 sind zwei Gene, die mit erblichem Brust- und Eierstockkrebs in Verbindung gebracht werden. Normale, nicht mutierte BRCA1- und BRCA2-Gene unterdrücken offenbar das Wachstum von Tumoren, daher werden sie auch “Tumorsuppressorgene” genannt. 
Die Wahrscheinlichkeit, ein defektes BRCA1 oder BRCA2 zu vererben, liegt sowohl bei Männern wie bei Frauen bei exakt 50%.  Wenn die Mutter eine Mutation von BRCA1 oder BRCA2 hatte ist diese zu 50% vererbbar auf die Kinder. Eine BRCA-Gen-Mutation erhöht nicht nur das Brustkrebsrisiko, sondern auch das Risiko für Prostatakrebs. Fünf von 1000 Männern mit Prostatakrebs haben eine BRCA1-GenMutation und etwa einer von 100 Männern einer BRCA2-Gen-Mutation. Mit Olaparib, einem neuen Medikament mit antitumoraler und zytotoxischer Wirkstoff gelang es Strangbrücke zu implementieren, die eine unaufhaltsame Weiterentwicklung des Karzinoms verhindert. 
Auf Nachfrage verneinte Prof. Schrader die Gefahr einer neuroendokrinen Differenzierung bei langanhaltender Antiandrogener Therapie. Es ging um die entsprechende Verlautbarung der amerikanische Krebsgesellschaft. 
Bielefeld 24.02.2018 WDF und ASF 



Zurück