Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Resistenz

13.4.2008

übersetzt: Widerstandsfähigkeit

Resistenz in Bezug auf Chemotherapie:

Ein ungelöstes Problem bei der Behandlung von Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium ist das Auftreten von Behandlungsresistenz. Dabei sind Resistenzen gegen Therapeutika ein häufiges Phänomen, noch allerdings liegen ihre Ursachen oft im Dunkeln. Das Problem: In den meisten Fällen, in denen einmal Resistenz gegen die verwendeten Zytostatika auftritt, sprechen die Krebszellen auch nicht mehr auf andere Zytostatika an. In diesen Fällen kann das weitere Ausbreiten des Krebses, das schließlich zum Tod des Patienten führt, nicht mehr verhindert werden. Ein bisher unbekannter enzymatischer Rückkopplungsmechanismus führt zu Resistenz gegen Zellgifte und auch gegen Bestrahlungsbehandlung mit einem Bumerang-Effekt: Ein paar Wochen, gelegentlich auch Monate, tötet ein Chemotherapie-Wirkstoff bestimmte Krebszellen effektiv ab. Doch dann schlagen die Krebszellen zurück, wie Forscher am Institut für Immunologie, Abteilung Transplantationsimmunologie des Universitätsklinikums Heidelberg festgestellt haben. Im Laborversuch vermehrten sich die überlebenden Krebszellen schlagartig. Weder hochwirksame Zellgifte noch eine Bestrahlung konnten ihnen noch etwas anhaben. D.h. nach zunächst erfolgreicher Behandlung wird ein Wiederaufleben des Krebswachstums beobachtet, da die eingesetzten Medikamente im Verlaufe der Chemotherapie ihre Wirksamkeit verloren haben. Die Krebszellen werden gegen die verwendeten und auch gegen andere Chemotherapeutika resistent.

Für eine Verbesserung der Behandlung von Krebs, und aus meiner Sicht insbesondere beim Prostatakrebs, im fortgeschrittenen Stadium ist es daher von entscheidender Bedeutung, Behandlungskonzepte zur Überwindung dieser Resistenzen zu entwickeln. Ein Forschungsteam um den Jenaer Mediziner James Beck untersucht derzeit eine neue Klasse von Krebsmedikamenten, mit denen die Behandlungsresistenz möglicherweise überwunden werden kann. In Versuchen mit HDACi, das sind Histondeacetylase-Inhibitoren, konnten die Mitglieder der Arbeitsgruppe an Krebszellkulturen zeigen, dass sie die Wirksamkeit von herkömmlichen Chemotherapeutika deutlich verstärken und Resistenzen überwinden. HDACi zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Krebszellen den programmierten Zelltod – die Apoptose – herbeiführen, indem sie Apoptose-relevante Gene regulieren.

Heidelberger Forscher entdeckten, dass ein bisher unbekannter enzymatischer Rückkopplungsmechanismus die Krebszellen aggressiver macht, als das bislang von anderen Resistenzmechanismen gegen Krebswirkstoffe bekannt ist. Dieses Phänomen könnte die Ursache für Rückfälle nach zunächst erfolgreicher Krebstherapie sein. Der dabei untersuchte Chemotherapie-Wirkstoff Bortezomib wird bisher für die Behandlung der seltenen Blutkrebsart Multiples Myelom eingesetzt und nun in klinischen Studien für weitere Anwendungsgebiete untersucht.

Forscher der Philipps-Universität Marburg entdeckten: Ein für die Zellteilung wichtiger Signalweg, der so genannte Spindelcheckpoint- Signalweg, ist in Tumorzellen im Vergleich zu normalen Zellen häufig beeinträchtigt. Ist der Checkpoint beeinträchtigt, was in Tumorzellen häufig der Fall ist, sterben diese auch nicht ab. Schlimmer noch: Die Spindelgifte greifen dann vor allem gesunde Zellen mit funktionierendem Checkpoint an. Für klinische Untersuchungen ist es zwar noch zu früh, denn man ist im Marburger Institut über das Maus- und Laborstadium noch nicht hinaus.

April 2008



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