Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Anastomosenstriktur nach radikaler Prostatektomie

16.3.2018

Anastomosenstriktur nach radikaler Prostatektomie

Häufig sind erektile Dysfunktion und Belastungsinkontinenz Beeinträchtigungen nach der RP. Daneben ist die Striktur (hochgradige Einengung der Harnröhre) der Anastomose (Verbindung zwischen Blase und Harnröhre nach Entfernen der Prostata) eine weitere jedoch weniger häufige Komplikation des operativen Eingriffs. Früher häufiger sind es jetzt noch ca. 5 - 8 %, wobei die Ursache nicht so recht klar ist. Bisher kennt man keine verursachenden klinischen Faktoren, abgesehen einer Arbeit von Borboroglu et al. aus dem Jahr 2000, wo mikrovaskuläre Erkrankungen (das sind die kleinsten Blutgefäße), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) oder ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ebenso diskutiert wurden wie das Raucherproblem. Herausgefunden hat man scheinbar, dass bei laparoskopischen Operationtechniken die Häufigkeit einer Anastomosenstriktur gegenüber der retropubischen RP( vom Bauch her) geringer mit 2,5% gegenüber 7,5% deutlich geringer war. Stephenson(2004) und Chade(2012) fanden heraus, dass eine adjuvante (ergänzende) Strahlentherapie aber auch eine Strahlentherapie nach RP einherging mit einem erhöhten Strikturrisiko. Kolwalsczyk (2014) veröffentlichte im UrolOncol 32:303-308 Inzidenzen (Häufigkeiten) bis auf 25%.

Die Anastomosenstriktur führt zu einer Harnstrahlabschwächung, Pressmiktion, einem Nachträufeln sowie Restharn, seltener zu einem akuten Harnverhalt. Eine Belastungsinkontinenz ist die Folge. Und das muß ganz deutlich gesagt werden: Eine postoperative Striktur kann zu rezidivierenden Harnwegsinfektionen führen. (Meine Anmerkung: Jahrelang habe ich diese wiederkehrenden Harnwegsinfektionen mit allen möglichen Mitteln bis hin zum massiven Einsatz von Antibiotika therapieren müssen). Diagnostische Maßnahmen sind Uroflowmetrie, Sonograpgie, Urethrozystoskopie und eine Nierenuntersuchung. Der Urologe achtet auf Restharnbildung und auf Veränderungen der Blasenwand, z.B. eine Blasenwandverdickung.

Bei den nicht standartisierten Therapieoptionen sind die transurethrale (durch die Harnröhre) Resektion (Entfernung) der Anastomose ggf. auch mit einem Laser (die Experten-Empfehlung lautet: spätestens nach der 2ten Schlitzung umschauen nach einer Alternative), Urethrotomie, Bougierung (92% der Patienten blieben nach einem Jahr rezidivfrei; Anmerkung: Bei mir waren es sogar fast zwei Jahre) erste Wahl und offene chirurgische Rekonstruktion des Blasenhalses eventuell auch Dauerableitung mit einem suprapubischen (durch die Bauchdecke oberhalb des Schambeins) Katheter. Wegen der Rezidivhäufigkeit wird kombiniert therapiert: Resektion plus medikamentöse Behandlung. Aber auch hier lag die Rezidivrate (in einer kleineren Studie) bei 17%.

Aus der Literatur entnehme ich, es gibt bis heute kein evidenzbasiertes Therapiechema für die betroffenen Patienten.

Experten empfehlen: Inkontinente Patienten mit rezidivierenden Strikturen sollten frühzeitig eine Sphinkterimplantation (künstlicher Schließmuskel) in Erwägung ziehen.

Quelle: V.Beck Urologische Klinik Großhadern.
16.03.2018 Verkürzt und laiensprachlich aufbereitet für die PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld e.V.



Zurück