Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Pembrolizumab für Patienten mit mCRPC

04.6.2018

Pembrolizumab für Patienten mit mCRPC
Fortgeschrittenes Prostata-Adenokarzinom

 

Vorläufige Ergebnisse aus der KEYNOTE-028-Studie, veröffentlicht am 09. Oktober 2016

Bei Therapien, die derzeit für kastrationsrefraktäre Prostatakrebs (CRPC) zur Verfügung stehen, sehe ich derzeit einen nur bescheidenen klinischen Nutzen. Pembrolizumab, ein Anti-PD-1-Antikörper, blockiert die Wechselwirkung zwischen PD-1 und PD-L1. KEYNOTE-028 (NCT02054806) ist eine nicht randomisierte Phase 1b-Studie zur Bewertung der Sicherheit und Wirksamkeit von Pembrolizumab in 20 fortgeschrittenen soliden Tumorkohorten

In der Studie wurde Pembrolizumab 10 mg / kg alle 2 Wochen (wk) für bis zu 24 Monate (Mo) oder bis zur Progression (PD), untragbare Toxizität, Tod oder Entzug der Zustimmung, verabreicht.

Von den 23 Patienten dieser Studienkohorte war das mittlere Alter 65 Jahre, 74% hatten ein Karnowski-Index  (ECOG) von 1 und diese 74% hatten bereits ≥2 vorherige Therapien für metastatische Erkrankungen absolviert. Nach 33 Wochen hatten Vierzehn Patienten (61%) behandlungsbedingte Nebenwirkungen, am häufigsten Übelkeit. Drei Patienten (13%) hatten Grade 3-4 Nebenwirkungen; davon einer eine Grad 3 Müdigkeit, ein weiterer hatte Grad 3 periphere Neuropathie, und ein Patient hatte eine Grad 3 Asthenie und Grad 4 Lipase. Kein Patient starb oder setzte Pembrolizumab wegen auftretender Nebenwirkungen ab. Das mediane OS (Gesamtüberleben) betrug 8 Monate. Das 6-Monate progressionsfreie Überleben (PFS) war 39%. Zwei Patienten führten die Behandlung auch nach Studienabschluß weiter.

Die Studienautoren teilten mit: Pembrolizumab produzierte dauerhafte Reaktionen bei den stark vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem PD-L1-positiven Prostatakrebs. Die Behandlung war mit einem günstigen Nebenwirkungsprofil verbunden.

Ergänzung URO-News 2017

Zum Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren beim Prostatakarzinom gibt es erst wenige Daten. In einer Studie soll nun die Wirksamkeit des Checkpoint-Inhibitors Pembrolizumab nach Vortherapien untersucht werden. Patienten werden in dieser offenen Phase-Ib/II-Studie in drei Kohorten eingeteilt. In Kohorte A sind Patienten eingeschlossen, die zuvor mit Docetaxel oder einer anderen Chemotherapie sowie mit bis zu zwei endokrinen Therapien der zweiten Generation, z. B. Abirateron, Enzalutamid, behandelt wurden. Die Patienten der Kohorte A erhalten 200 mg Pembrolizumab i. v. alle drei Wochen und 400 mg Olaparib zweimal täglich. Patienten der Kohorte B  haben eine Vortherapie mit Abirateron oder Enzalutamid. Patienten der Gruppe B erhalten 200 mg Pembrolizumab i. v. alle drei Wochen und 75 mg/ m² Docetaxel i. v. alle drei Wochen (max. 10 Zyklen). In der Kohorte C haben die Patienten eine Vortherapie mit Abirateron und keine Chemotherapie; jedoch ist eine Vorbehandlung mit Docetaxel im hormonsensitiven Setting (Kombination Chemo + Abiraterone) zulässig, so sie mind. vier Wochen zurückliegt. Diese Patienten erhalten 200 mg Pembrolizumab i. v. alle drei Wochen und 160 mg Enzalutamid täglich verabreicht. Alle Patienten erhalten maximal 35 Zyklen (2 Jahre) Pembrolizumab, sofern kein Abbruch erforderlich oder das Therapieziel in Gefahr gerät.

Mehr über diese Studie erfährt man:
Braunschweig        Prof. Dr. Peter Hammerer, Tel.: 0531/595-2492,
p.hammerer@klinikum-braunschweig.de
Homburg      Prof. Dr. Carsten-Henning Ohlmann, Tel.: 06841/16-24700, carsten.ohlmann@uniklinikum-saarland.de
Köln   Prof. Dr. Jan Herden, Tel.: 0221/478-82108, jan.herden@uk-koeln.de
München      Prof. Dr. Margitta Retz, Tel.: 089/41 40-2522, margitta.retz@lrz.tum.de
Münster        PD Dr. Martin Bögemann, Tel.: 0251/834-7447, martin.boegemann@ukmuenster.de  
Nürnberg     Dr. Marinela Augustin, Tel.: 0911/398-7746,
marinela.augustin@klinikum-nuernberg.de
Ulm    Dr. Friedemann Zengerling, Tel.: 0731/500-58153, friedemann.zengerling@uniklinikulm.de

Quelle: URO-NEWS 2017; 21 (7-8)
04.06.2018 Text verkürzt und laiensprachlich aufbereitet für die PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld e.V. von WDF

 

Ergänzung am 04.Juni 2018

Und jetzt die einschränkende Nachricht. Es geht nicht um das Prostatakarzinom sondern aber um das Urothelkarzinom, wo die Studien mit Pembrolizumab früher begonnen haben. Die Nachricht mahnt mich zur Vorsicht vielleicht sogar zu einem längeren Abwarten:

Einschränkungen für Krebsmittel

Die Prüfverfahren zu den beiden Krebsmedikamenten Keytruda® (Pembrolizumab, Merck/MSD) und Tecentriq® (Atezolizumab, Roche) sind abgeschlossen. Der CHMP empfiehlt den Einsatz von Pembrolizumab und Atezolizumab als Erstlinientherapeutika bei Urothelkarzinomen zu beschränken. Medscape WebMD teilt am 04. Juni 2018 mit: Neue Daten deuten darauf hin, dass diese Medikamente bei einigen Patienten mit niedrigen PD-L1-Werten nicht so gut wirken wie eine Chemotherapie.

In 2 noch laufenden klinischen Studien war das Überleben reduziert, wenn Patienten mit niedrigen PD-L1-Werten in der Erstlinie mit einer der beiden Substanzen behandelt worden waren. Pembrolizumab und Atezolizumab sollen der Empfehlung zufolge nur bei Patienten mit hohen PD-L1-Werten in der Erstlinientherapie eingesetzt werden.

Quelle: Medscape - EMA: 9 neue Medikamente, darunter Antikörper zur Migräneprophylaxe und synthetische DNA gegen Polyneuropathie - Medscape - 1. Jun 2018.

04.06.2018 Text verkürzt und laiensprachlich aufbereitet für die PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld e.V. von WDF



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