Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Abirateron vs Enzalutamid beim mCRPC

04.8.2018

Abirateron plus Prednisolon vs Enzalutamid beim mCRPC

ARAT-Therapien (Androgenrezeptor-Achse gezielt therapiere) haben das Behandlungsparadigma verschoben. Die ARAT-Therapien, die ursprünglich im Rahmen eines Chemotherapieversagens eingeführt wurden, sind nun ins vordere Blickfeld gerückt und haben sich offensichtlich wohl als vorteilhaft erwiesen, wenn sie zusammen mit ADT (Androgendeprivationstherapie) bei kastrationsresistentem metastasierendem Prostatakrebs verabreicht werden.

In den meisten Fällen sind Enzalutamid und Abirateron (+ Prednison) die Erstlinientherapien für den metastasierenden kastrationsresistenten Prostatakrebs (mCRPC) geworden, wenn Therapien mit ADT versagt haben. Abirateron und Enzalutamid sind etablierte orale antiandrogene Therapien zur Therapie des metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC).

Phase-II-Studie Zweitlinientherapie Abi versus Enza:
Die Cross-Over-Phase-II-Multicenter-Studie von Daniel Khalef und anderen, British Columbia Cancer Agency, Vancouver Centre, Vancouver, Kanada, auf präsenteiret auf dem ASCO 2018 in Chicago, befaßte sich mit der Kreuzresistenz von Abiraterone und Enzalutamid. Patienten wurden entweder mit Abirateron gefolgt von Enzalutamid (Arm A; n=65) oder mit Enzalutamid gefolgt von Abirateron + Prednisolon (Arm B; n=71) therapiert. Die spannende Frage war die Zeit bis zur zweiten PSA-Progression seit Beginn der Erstlinientherapie bei Patienten, die bei der primären Therapie zunächst mal einen PSA-Abfall von über 50%  erreichten. Im Mittel betrug die Beobachtungszeit 22,3 Monate. Etwas unterschiedlich bei den beiden Armen war bei den Patienten der EGOG-Index (wir Laien nennen ihn zumeist KarnofskyIndex) mit EGOG-PS 0-1 (Arm A 89%, Arm B 76% und das LDH mit einem Obergrenze-Normalwert (Arm A: 25%, Arm B: 8%). Meine Anmerkung: Ob das signifikant war, kann ich als medizinischer Laie leider nicht beurteilen.

Weitere Merkmale, zusätzliche Informationen aus einer anderen Quelle:
Die Patienten, die zuerst mit Enza behandelt wurden, waren älter (Median 78 Jahre gegenüber 73 Jahre in der Abi-Gruppe)
Medianer PSA in beiden Gruppen war 35-37
Laborwerte und das Vorhandensein von viszeralen / ossären Metastasen waren zwischen den beiden Gruppen zu Beginn gleich.

Die Identifizierung der Wirksamkeit erfolgte mittels zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA). (Anmerkung: Bei Circulating tumor DNA, kurz ctDNA, handelt es sich um DNA-Fragmente von malignenTumoren, die sich im peripheren Blut nachweisen lassen. Bei verschiedenen Krebsformen korreliert die Konzentration von ctDNA im Blut direkt mit dem Tumorstadium, d.h. je fortgeschrittener der Tumor, desto mehr ctDNA lässt sich nachweisen. Patienten mit niedrigen ctDNA-Spiegeln haben ein günstigere Prognose als solche mit hohen Spiegeln.

Ergebnis:
In Arm A hatten signifikant mehr Patienten einen PSA-Abfall von 50% (Arm A 34% vs. Arm B 4%). Es zeigte sich zwischen den beiden Armen nach der Zweitlinientherapie sowohl im medianen progressionsfreiem Überleben (Arm A 13,6 vs. Arm B 11.9 Monate) als auch im Gesamtüberleben (Arm A nicht erreicht vs. Arm B 24,3 Monate) kein signifikanter (Anmerkung: deutlich und wichtig) Unterschied. Die Studienautoren sahen ein von der Tendenz her besseres Abschneiden von Arm A (ABI – ENZ). In Bezug auf das Nebenwirkungsprofil war der Anteil der Grad 3-4 der unerwünschten Nebenwirkungen in beiden Gruppen ähnlich (23/65 in Arm A und 24/71 in Arm B).
Onkologische Reaktion: Die Auswertung zeigte eine bessere Antwort auf Arm A (Abi gefolgt von Enza).

Anmerkung:
Anmerken muß man wohl, dass sich nur eine geringe Anzahl von Patienten in der Studie befanden: Arm A (Abi gefolgt von Enza) 65 und Arm B ( Enza gefolgt von Abi) mit 71 Patienten. Ob dieses Ergebnis für eine Therapieempfehlung zu der einen oder anderen Behandlungssequenz ausreicht ist meiner Ansicht nach offen, aber immerhin ein Hinweis.

Quelle: Abstracts vom ASCO 2018 laienverständlich übersetzt für die PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld e.V., 04.08.2018 WDF



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