Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Biopsie

10.7.2011

Um festzustellen, ob ein Tumor gut- oder bösartig (Krebs) ist, braucht es immer noch die Untersuchung am Mikroskop.

Die Biopsie ist eine Probeentnahme von Gewebe, z.B. aus der Prostata. Durch die Untersuchung des entnommenen Gewebes kann zwischen gutartigen und bösartigen Geschwülsten unterschieden werden.

Die Stanzbiopsie der Prostata wird im allgemeinen dann durchgeführt, wenn entweder ein pathologischer Tastbefund bei der DRU oder ein erhöhter PSA-Wert (> 4,0 ng/ml) im Blut beim Patienten entdeckt werden. Es werden etwa 6 bis 12 Gewebszylinder aus der Prostata für die pathologische Beurteilung entnommen. Und genau wie bei jedem anderen Krebs ist die histologische Bestätigung der Diagnose auch beim Prostatakarzinom eine entscheidende Voraussetzung für die Planung der nachfolgenden Behandlung.

Bei der pathologischen Untersuchung ist das Tumorvolumen im Prostatastanzzylinder aussagekräftiger, wenn nicht nur die Anzahl der positiven Stanzzylinder gezählt werden sondern der prozentuale Anteil von Tumorgewebe im gesamten Untersuchungsgewebe. Mit Hilfe des PSA-Wertes und des Gleason-Scores ist es unter Zuhilfenahme der eben beschriebenen prozentualen Anteile von Karzinomgewebe für den erfahrenen Urologen möglich, einzuschätzen, ob ein niedriges, mittleres oder hohes Risiko für ein PSA-Rezidiv nach REP beim Patienten zu erwarten ist.

Bei der Betrachtung ja oder nein hinsichtlich Durchführung einer Biopsie wird häufig emotional diskutiert. Meiner Meinung sind dabei zunächst drei Fragen zu beantworten:

1. Schließt eine negative Biopsie ein Prostatakarzinom aus?

2. Kann durch die Biopsie der lokalisierte Krebs der Prostata „streuen“?

3. Gibt es Alternativen zur Stanzbiopsie für die Diagnosesicherung?

Die erste Frage muß mit "nein" beantwortet werden.

Zur zweiten Frage muß zunächst festgestellt werden: Es liegen keine verläßlichen Untersuchungen vor. Es wird nur immer wieder auf eine mögliche Gefahr der metastatischen Aussiedlung durch Nadel-Biopsie der Prostata hingewiesen, vermutlich aus Vorsicht. Man kann sich jedoch auch leicht vorstellen, daß Krebszellen durch die stattfindende Gewebsverletzung und damit verbundene Blutung die Prostata verlassen und entweder in das Lymphensystem System oder in die Blutbahn gelangen. Nur dann, wenn das Immunsystem des Patienten nicht in der Lage ist, solche durch Biopsie freigesetzten Karzinomzellen zu identifizieren und abzutöten, können sich daraus Metastasen entwickeln. Zur Zeit ist darüber keine gültige Aussage möglich, ob und wenn wie groß der Einfluß der Biopsie auf die Metastasierung von Prostatakarzinomen ist. Allein aufgrund dieser Unsicherheit lehnen Patienten die Biopsie ab. Das Dilemma ist dann jedoch, wie und womit wird die Diagnose PK gestützt, wenn die Biopsie nicht gemacht wurde?

siehe hierzu auch Biopsie und Komplikationen

Bei der dritten Frage kann man zur Zeit ebenfalls nur spekulieren. Eine verbesserte Aussagekraft neuer immunologischer und molekularer Tests gibt es hierzulande (noch) nicht.. Auf der anderen Seite ist es bei pathologisch erhöhten PSA-Werten ohne Nachweis von Prostatakrebszellen im Blut und ohne Biopsie oder unklarer Biopsie schwierig zwischen Prostatakarzinom und Hyperplasie zu entscheiden.

Weitere Infos zur Beurteilung der Biopsie siehe unter dem Begriff "Gleason"

Ergänzung:

 

 

Biopsietechnik Anzahl Stanzen Detektionsrate
Sextanten 6 20 bis 30%
Sextanten+TransitionalZone 8 + 10 bis 15%(TZ)
Erweiterte Sextantenbiopsie 10 35%
5-Regionen-Biopsie 11 35%
Erweiterte Biopsie 12-14 30 bis 40%
maximale Biopsie 14-25 34%

 

 

 

siehe auch Feinnadelaspirationsbiopsie oder
FNAB oder
DNA-Zytometrie

Ergänzung:
Nachweis der Mikrometastasierung vor Prostatektomie
Hintergrund sind die Vermutungen bzgl. Streuung/Aussaat von Tumorzellen in die Blutbahn bei Biopsien.
Prof. Weckermann, Augsburg äußerste sich dazu wie folgt: Es zeigte sich, dass der Tumorzellnachweis im Knochenmark vor radikaler Prostatektomie ein unabhängiger Prognosefaktor für den postoperativen Verlauf ist. Allerdings korreliert das sogenannte biochemische Rezidiv, d. h. der PSA-Anstieg nach Prostataentfernung nicht mit einem gehäuften Auftreten von Mikrometastasen im Knochenmark. Dies könnte damit zusammenhängen, dass diese Tumorzellen mit den z. Zt. verwandten Antikörpern nicht erfasst werden. Die Tumorzellen sind sowohl bei Patienten mit biochemischem Progress als auch bei Männern ohne PSA- Rezidiv nachweisbar. Von einigen dieser Zellen haben wir bzw. das Institut für Immunologie, genomische Analysen durchgeführt und dabei multiple chromosomale Veränderungen nachgewiesen, die beweisen, dass es sich um Tumorzellen handelt. Die Tumorzellen werden mit Cytokeratin-Antikörpern nachgewiesen. Da im Knochenmark keine epithelialen Zellen vorkommen, wird der Nachweis epithelialer Zellen als Mikrometastasierung gewertet. (Prof. Weckermann, Klinikum Augsburg)

Feinnadel Aspirationsbiopsie kann Brustzellen ins periphere Blut absondern. Hu XC, Chow LW. Department of Surgery, Medical Mary Hospital PMID: 11053989 [PubMed - indexed for MEDLINE] Sep. 2000

letzte Aktualisierung im April 2007

Dr. Strum, USA: Eine systematische Biopsie der Prostata mit Ultraschall-Führung bleibt ... die letzte und entscheidende Prozedur, wenn klinische oder Laborergebnisse die Möglichkeit von Prostatakrebs anzeigen.

Was passiert bei einer Prostatabiopsie?

Der Arzt tastet die Prostata vom Rektum (Enddarm) aus ab. Dann wird eine speziell geformte, mit Gleitmittel versehene Ultraschallsonde, die etwas größer als der Finger eines Mannes ist, in das Rektum eingeführt. Die Sonde erzeugt mittels Ultraschallwellen ein Bild der Prostata. Der Arzt verwendet den Ultraschall zur Steuerung einer Hohl-Nadel, die durch die Wand des Rektums in die Prostata gestoßen wird, um eine Gewebeprobe zu entnehmen. Es werden heutzutage durchschnittlich zehn Proben entnommen (vor einigen wenigen Jahren nur 6) und vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht, um nach Prostatakrebs zu suchen. Der Eingriff wird ambulant unter Lokalanasthäsie von einem Urologen durchgeführt und dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Er wird von den meisten Männern als unangenehm, von einigen auch als schmerzhaft beschrieben. Um das Infektionsrisiko zu verringern, bekommt der Patient vor und nach der Prostatabiopsie kurzzeitig Antibiotika, und wird aufgefordert, in den nachfolgenden 24 Stunden viel Wasser zu trinken. Zeitlich nach der Biopsie kann es sein, dass sich Blut im Urin befindet; in der Regel ist diese Nachwirkung der Biopsie nach zwei bis drei Tagen abgeklungen, in seltenen Fällen kann das aber auch über zehn bis vierzehn Tage andauern. Kleinere Blutmengen können auch ein bis zwei Tage nach dem Eingriff auf dem Stuhl sichtbar sein. Außerdem ist das Auftreten von Blutbeimengungen im Samenerguss für kurze Zeit - bis zu wenigen Wochen nach der Biopsie - möglich. Insgesamt sind diese kleineren Blutbeimengungen im Urin, Samenerguss oder auf dem Stuhl nach einer Biopsie völlig normal und kein Anlass zur Sorge.

Aktualisierung im August 2008

Die Bilddarstellung herkömmlicher Transrektalsonden ist nicht optimal. Das hat Schwierigkeiten bzgl. der Genauigkeit bei der Gewebeentnahme aus der peripheren Zone, wie auch aus den zentralen Bereichen der Prostata zur Folge. Die Punktionsnadel kann nicht besonders gut beim Vordringen beobachtet werden. Das wiederum bedeutet: Es gelingt nicht, Gewebe ausschließlich aus der peripheren Zone zu gewinnen.
aktualisiert im März 2009

Forscher von Philips haben nun für die Verbesserung der Untersuchungsmethode (Biopsie) die Magnetresonanztomographie und den Ultraschall kombiniert. Philips Research überlagert mit einer eine innovativen Technik die im Vorwege angefertigten MRT-Bilder des Patienten mit den Echtzeit Ultraschallbildern. Der Arzt sieht nun die Biopsie-Nadel und die dreidimensionale Darstellung der gesamten Prostata und dessen Tumor in ihr.

Klinische Versuche laufen bereits in Zusammenarbeit mit dem National Institute of Health Clinical Center (NIHCC) in den USA. Dieses Kombinations-Verfahren bietet eine präzise dreisimensionale Darstellung der Patienten-Anatomie und zeigt die Nadelführung in Echtzeit.

hier lesen Sie noch mehr zum Thema Biopsie:
Was ist vorher zu beachten?
Was passiert bei einer B.?
Kontraindikation
Komplikationen
Krebszellen unendeckt bei Biopsie
Biopsiefreie Diagnose?
Blaubeerphänomen
Ende der schmutzigen Biopsie
Feinnadelbiopsie
MRT-gestützte Biopsie
Sättigungsbiopsie
sonografisch gesteuerte B.
ANNA
diagnostische TURP

Ergänzung:
Prostatastanzbiopsie - Prof. Dr. med. Michael C. Truß, Dortmund, auf dem 5. Patiententag 2011 in Dortmund:
Biopsie wird kontrovers diskutiert trotz standartisierter Entnahme, Problem: Ultraschall bildet die tumorösen Areale in der Prostata nicht sicher genug ab, worauf auch die S3-Leitlinie von 2009 hinweist. Heutiger Standard sind 10 bis 12 Stanzen, im Zweifel bis 24. Das Stanzchema ist nicht verbindlich, wohl aber die Anzahl der entnommenen Proben. Allein schon mit Blick auf künftig mögliche fokale Therapien ist die räumliche Zuordnung der Stanzen von hoher Bedeutung. Eine Antibiose ist nach Auffassung von Prof. Truß unerläßlich, der sogar eine Doppelantibiose mit einem zweiten Antibiotikum favorisiert.
Zur Bildgebung: "...da sind wir noch nicht soweit..." Die diagnostische Genauigkeit sei limitiert, auch bei Histoscanning. Ein Update der S3-Leitlinie sollte neue Ansätze z.B. mit MR-Spektroskopie ermöglichen.

letzte Aktualisierung im Dez. 2009/ Juli 2011

Ergänzung Juli 2015

Der uroonkologische Experte f.s. im BPS-Forum zum Thema Aussaat von Tumorzellen bei einer Biopsie:

Seitdem wir z.B. mit MAINTRAC zirkulierende Tumorzellen sehr empfindlich nachweisen können, wissen wir, dass
schon VOR DER BIOPSIE sehr oft PSA-positive und PSMA-positive Tumorzellen im Kreislauf nachweisbar sind - sogar bei Gleason 3+3 !

D.h. es braucht keine Biopsie um Tumorzellen auszustreuen - im schlimmsten Fall würde sich die Anzahl nur etwas erhöhen.
02.07.2015 WDF

 

 

 

 

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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