Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Operation Vergleich mit Konkurrenzverfahren

22.2.2012

Operation des lokal begrenzten Prostatakarzinoms im Vergleich zu den Konkurrenzverfahren (von Prof. H.-U. Eickenberg, Werther)

Die bisher noch am häufigsten durchgeführte radikale Prostatektomie sieht sich heute einer zunehmenden Zahl von Konkurrenzverfahren gegenüber. Externe Strahlentherapie in 3-D-konformaler Technik und beginnend in IMRT-Technik, Brachytherapie, Thermo-Seeds, Afterloading, Kryotherapie oder HIFU. Alle Techniken haben als "idealen" Patienten den mit lokal begrenztem Prostatakarzinom, der immer häufiger wird: Im Zuge der auch hierzulande zunehmenden PSA-Früherkennung ist ein deutlicher Stadienshift des Prostatakarzinoms hin zu früheren Stadien zu konstatieren. Heute sind fast 80 Prozent der Prostatakarzinome organbegrenzt (pT2), bei über 70 Prozent wird die Operation mit Erhalt der Potenznerven durchgeführtEffektivität und Nebenwirkungen

Direkte vergleichende Untersuchungen zur Effektivität und Morbidität der verschiedenen Verfahren liegen nicht vor. Für die neueren Strahlentherapieverfahren gehen die Nachbeobachtungszeiten in den meisten Serien noch nicht über 8 Jahre hinaus, einzelne 10-Jahres-Ergebnisse (z.B. mit Brachytherapie) zeigen Progressions- und Überlebensraten, die mit denen der radikalen Prostatektomie vergleichbar sind. Für die Operation liegen jedoch auch 15-Jahres-Ergebnisse vor, sodass vor allem für jüngere Patienten mit langer Lebenserwartung (>15 Jahre) das Argument für die operative Therapie in den besser dokumentierten Langzeitergebnissen liegt. Diese Argumentation sollte auch von den Radio-Onkologen mitgetragen werden.

Ebenso ist eine genauere Diagnostik der Impotenz vor und nach der Behandlung zu erfragen.

Wesentlich für die Entscheidung des Patienten, welches Therapieverfahren er wählt, sind die möglichen Komplikationen bzw. die mit der Behandlung verbundene Morbidität. Auch in dieser Hinsicht wurden bei der operativen Therapie in den letzten Jahren Fortschritte erzielt. In neuesten Serien liegt die Rate der Patienten mit ausgeprägter Inkontinenz bei 3 bis 5 Prozent, weitere 10 bis 15 Prozent der Patienten haben eine gelegentliche, geringe Inkontinenz. Analog gilt für die Strahlentherapie eine Grad-III-Morbidität von ca. 5 Prozent. Es werden ca. 15 Prozent der Patienten mit Grad-II-Nebenwirkungen (Cystis, Proktitis) rechnen müssen. Die viel verbreitete Suggestion, dass es sich z.B. bei der Brachytherapie um ein besonders sanftes Therapieverfahren für das Prostatakarzinom handelt, erweist sich angesichts solcher Zahlen eher als Suggestion. Eine Impotenz nach Brachytherapie erleiden nach Jünnemann über 90 Prozent der Patienten

Operative Techniken

Der retropubische Zugang hat weiterhin die weiteste Verbreitung. Im Vergleich zum perinealen Zugang bestand lange Zeit der Nachteil, dass der Blutverlust deutlich höher war. Mit heutigen Anästhesie-, Lagerungs- und Operationstechniken hat sich dieser Unterschied nivelliert. Die Transfusionsrate hat sich in den letzten Jahren immer weiter reduziert

Als neue Zugangstechnik hat sich an einigen Zentren die Laparoskopie auch für die radikale Prostatektomie etabliert. Zunächst transperitoneal, dann auch extraperitoneal durchgeführt, reduziert diese Technik das Zugangstrauma und damit die unmittelbar postoperative Belastung für den Patienten. Weitere Vorteile für das minimal invasive Verfahren wie geringer Blutverlust, bessere Sicht durch endoskopische Vergrößerung sind zum Teil nicht durch Daten abgesichert und relativieren sich angesichts offenkundiger Fortschritte mit der offenen Technik. Die Daten zur Kontinenz scheinen vergleichbar, die des Potenzerhaltes sind derzeit noch nicht abschließend zu beurteilen. Speziell hier finden sich, im Vergleich zum offenen Vorgehen, methodische Nachteile der laparoskopischen Technik: Das zum Ablösen des neuro-vaskulären Bündels meist verwendete Ultracision-Gerät produziert Temperaturen bis 100 Grad, ausreichend, um die parasympathischen Nervenfasern definitiv zu schädigen. Weitere Daten müssen abgewartet werden, bevor man die nerverhaltende laparoskopische Prostatektomie definitiv beurteilen kann. Die retropubische Technik bleibt derzeit der Standard, an deren Ergebnissen sich andere Techniken messen lassen müssen. Damit lassen sich beim beidseitigen Nerverhalt Potenzraten von 50 bis 70 Prozent (in Abhängigkeit vom Alter des Patienten) erzielen. Im Vergleich zeigen strahlungstherapeutische Verfahren ähnliche Impotenzrisiken, allerdings tritt hier das Risiko in der Regel erst nach 2 bis 3 Jahren ein. Die kombiniert endoskopisch-offene radikale Prostatektomie ist eine von uns initiierte Weiterentwicklung.

Die erektile Frührehabilitation mit Schwellkörper-Injektions-Therapie (SKIT) und intermittierender nächtlicher Gabe von PDE-5-Hemmern sollte heute obligater Bestandteil der Nachsorge nach nerverhaltender Operation sein. Diese Maßnahme führt bei mehr Patienten und früher zum Wiedererlangen einer normalen erektilen Funktion

Bedarf nach Beratung

Für den Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom ist die Entscheidung für ein bestimmtes Therapieverfahren angesichts zahlreicher Möglichkeiten nicht einfacher geworden. Zwar stehen ihm heute ungleich mehr Informationsmöglichkeiten zur Verfügung als noch vor zehn Jahren. Die Information zu sortieren und zu bewerten ist für Laien jedoch schwierig. Als Folge steigt der Bedarf nach fundierter Beratung an. Leider ist Beratung in der Medizin heute kein lohnendes Unterfangen und historisch oftmals von Eigeninteresse geprägt: Der Urologe verkauft seine Operation, der Radio-Onkologe seine Bestrahlung und die Seedspraxis ihre Brachytherapie. Interdisziplinäre Strechstunden sind ein erster Ausweg aus diesem Dilemma, mittelfristig ist es Aufgabe von Prostatazentren oder Comprehensive Cancer Centers, das ganze Therapiespektrum in gleicher Qualität anzubieten und bei der Beratung den Faktor des Eigeninteresses damit zu minimieren. Nur solche Zentren werden in der Zukunft den Bedarf des Patienten nach objektiver, fundierter Beratung und qualitativ hochwertiger Therapie erfüllen können

Ergänzung:
Aus Urologenmund (-feder/Kugelschreiber) war zu erfahren:
Den besten Handwerker findet man(n) in der Regel durch Informationen (Bekannte, Selbsthilfegruppen, evtl. Rehakliniken- die wissen genau, wer gute Kontinenzraten hat). Es ist leider so, daß manche mehr mit dem Mund als den Händen operieren.

Wolfhard D. Frost
September 2005

Ergänzend hierzu ein Bericht eines Betroffenen, der sich in der Martiniklinik in Hamburg hat operieren lassen

Weitere Ergänzung - Ein weiterer Erfahrungsbericht - aus dem BPS-Forum 02/2012
Krebs besiegt, Mut für andere
Nachdem anlässlich einer Biopsie zwei Proben Krebszellen aufwiesen, habe ich mir hier im Forum (Anmerkung: damit ist das BPS-Forum gemeint) viele Meinungen geholt, viele Berichte gelesen und das Glück gehabt einen hervorragenden Urologen zu finden, der selbst die RPE (Prostataentfernung) operiert, mich jedoch nach der wohl besten Adresse in Deutschland vermittelte, die ich zuvor schon im Internet gefunden hatte, durch seine Meinung jedoch nochmals bestärkt wurde.
Nun ist es ziemlich genau 1 Jahr her, als ich in der Martini-Klinik in Hamburg operiert wurde. Ich wurde dort herkömmlich operiert, also kein Da Vinci, war 5 Tage stationär aufgenommen. Die Nachsorge erledigte mein Urologe vor Ort.
Ich wollte einfach anderen Betroffenen Mut machen, dass sich nicht unbedingt was verändern muss, wenn die Diagnose Prostatakrebs ist. Ich war ein viertel Jahr krank geschrieben, habe meine Physiotherapie mit Beckenbodentraining einigermaßen gemacht, ohne großen Stress zu haben.
Heute nach 13 Monaten, sehe ich die Narbe fast nicht mehr, die den unteren Teil meines Bauches ziert, habe sexuell fast keinerlei Einbußen, will heißen, die Erektion ist unverändert, wie vorher, lediglich es kommt zu keinem Samenerguss mehr, aber die orgasmusfähigkeit ist genauso geblieben, wie vor der OP.
Aus meiner Sicht und nur aus meiner Sicht (Gleason Score 3/3) am 11.10.2010, sind die Wahl des Urologen vor Ort, das richtige Krankenhaus für die OP (Hamburg ist nach meiner Ansicht 1. Wahl), regelmäßige Nachbehandlung durch den örtlichen Urologen und eine absolut positive Einstellung, der Weg zu einem normalen Leben danach.
Nach meinen absolut positiven Erfahrungen in Hamburg im dortigen Martini Krankenhaus, der weltweit die meinsten Prostata-OP durchführt und eben nur diese eine OP dort gemacht wird, sind alle dort vorhandenen Ärzte wahre Spezialisten. Ich habe im Kollegenkreis zwei Personen, die wie ich 51 Jahre alt, gleiche Werte hatte, jedoch einen anderes Krankenhaus gewählt hatten und bislang sehr unzufrieden mit ihrem Gesundheitszustand sind.
Ich wünsche Euch allen, die betroffen sind, Mut die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich kann nur für mich sprechen und meine Erfahrungen weitergeben. Ich bin jetzt seid der OP PSA-frei (nicht messbar), hoffe das das so bleibt und wünsche euch allen eine schöne Zeit und viel viel Glück, Waldjogger.
Wer möchte kann mir natürlich sehr gerne zwecks Erfahrungsaustausch unter jahnthomas13@aol.com schreiben.

Aktualisierung im November 2010/im Februar 2012

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Vorträgen von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.



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