Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

neuroendokrin

25.5.2004

die Bildung und Ausschüttung von Hormonen im Nervensystem betreffend

Neuroendokrine Tumoren (NE-Tumoren) oder NEN, das meint Neuroendokrine Neoplasien

 

Mehr als die Hälfte der neuroendokrinen Tumoren (NENeoplasien) verhalten sich funktionell inaktiv. Sie fallen meist erst spät durch unspezifische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Gewichtsverlust oder Gelbsucht auf oder werden zufällig bei einer bildgebenden oder endoskopischen Untersuchung entdeckt. Zellbiologische und klinische Daten sprechen für die Androgen- und Strahlenresistenz der NE-Tumorzellen im gewöhnlichen Prostatakarzinom. Den NE-Tumorzellen fehlt der Androgenrezeptor (AR), sie produzieren aber eine Reihe von hormonellen Wachstumsfaktoren, die die Proliferationsaktivität in benachbarten, exokrinen Tumorzellen über parakrine (androgenunabhängige) Regulationsmechanismen beeinflussen können

Hier ist der bedeutendste allgemeine Tumormarker Chromogranin A, ein Glykoprotein, das in neuroendokrinen Tumorzellen synthetisiert wird. Chromogranin A wird bei mehr als 80 % der NEN-Patienten im Plasma erhöht gemessen und dient insbesondere auch der Verlaufsbeurteilung (Tumornachsorge) der Tumorerkrankung. Die Hööhe des Chromogranin-A-Spiegels variiert individuell stark. Es besteht eine Korrelation zur Tumormasse (mehr Tumormasse, mehr CGA). Sollte trotz einer bekannten NEN Chromogranin A nicht erhöht sein, so kann alternativ auch die Neuronenspezifische Enolase (NSE) bestimmt werden. Die NSE dient vor allem als Marker für die schlecht differenzierten NEN.

Da bei den meisten neuroendokrinen Tumoren eine Überexpression von Somatostatin-Rezeptoren vorliegt, kann kann die Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie sowohl den Primärtumor als auch die Metastasen darstellen.
Der spezifische Nachweis von Somatostatin-Rezeptoren führte zu Untersuchungen zum Einsatz von Somatostatin-Analoga in der Diag­nostik und Therapie neuroendokriner Tumoren. Somatostatin selbst kann auf Grund seines schnellen Abbaus im Blut nicht therapeutisch einge­setzt werden. Daher wurden Analoga wie das Octreotid und Lanreotid hergestellt, die eine höhere Stabi­lität besitzen. Sie passen allerdings nicht wie das Somatostatin zu allen Rezeptor-Subtypen. Somatostatin-Analoga wirken wachstumshemmend. Sowohl Octreotid als auch Lanreotid haben eine entsprechende Wirkung (Ahlmann et al. 2004, Arnold und Frank 1996, Arnold et al. 2005, Öberg et al. 2004, Plöckinger und Wiedenmann 2004, Scherübl et al. 2003, Schindl et al. 1998).

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei fortgeschrittenen Tumoren ist eine Radioligandentherapie, bei der ein Radiopharmakon an ein Somatostatin-Analogon gekoppelt wird und so nach Injektion in die Vene an den Tumorzellen wirken kann, die für das Somatostatin-Analogon Rezeptoren aufweisen. Diese Therapie ist im Rahmen klinischer Studien verfü:gbar.
Ein Hormonentzug bei inoperablen bzw. metastasierten neuroendokrinen Tumoren ist nicht wirksam, sollte aber zusätzlich wegen des häufig synchronen Adenomanteils erfolgen. In der Literatur werden verschiedene Therapien beschrieben, die aber Tumorprogression und Überlebenszeit nicht entscheidend beeinflussen. Kurzfristige Vollremissionen werden unter Chemotherapie erreicht, in einer Phase-II-Studie erschien das Risiko-Nutzen-Verhältnis für Carboplatin/ Etoposid aber ungünstig. Patienten mit einer lokal begrenzten Tumorausdehnung profitieren von einer chirurgischen Resektion.
Das kleinzellige neuroendokrine Prostatakarzinom ist mit ca. 3 % eine seltene Form des Prostatakarzinoms. Häufig wird es erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Die Therapie des kleinzelligen Prostatakarzinoms ist derzeit unklar, die Prognose nicht günstig. Als First-line-Chemotherapie werden platinhaltige Substanzen und Etoposid empfohlen. Das Ansprechen auf diese Therapie ist jedoch meist sehr kurz.

Wichtig:

Die NE-Tumorzellen befinden sich in der G0-Phase des Zellzyklus und sind weitgehend resistent gegenüber dem programmierten Zelltod und somit so gut wie unsterblich. Ein gewöhnliches Adenokarzinom der Prostata besteht überwiegend aus exokrinen (PSA-produzierenden) Tumorzellen. Daneben finden sich neuroendokrine (NE) Tumorzellen, die nahezu in allen Prostatakarzinomen (PCa) vorkommen. Das Vorhanden sein von NE-Tumorzellen wird meist erst immunhistochemisch (Chromogranin A) erkannt. In der klinischen und histopathologischen Routinediagnostik z.B. bei der Tumornachsorge sollte ganz gezielt untersucht werden, ob eine NE-Differenzierung vorliegt, insbesondere dann, wenn für den Patienten die Überlegung für eine Androgenentzugs- bzw. Strahlentherapieansteht.

Das Netzwerk Neuroendokrine Tumoren (NeT) e. V. hilft den Betroffenen und ihren Angehörigen ganz unmittelbar in Gesprächen, mit Informationen auch schriftlicher Art (Fachzeitschrift und Fachbroschüren), durch den Austausch unter Betroffenen, individuell und in seinen Regionalgruppen, durch Vermittlung von Kontakten sowohl zu Betroffenen als auch zu NEN-Experten und Kliniken u. v. m.

Empfehlung: Googeln Sie mal in Richtung Netzwerk Neuroendokrine Tumoren (NeT) e. V.

Im Oktober 2013 WDF; diverse Quellen aus dem Internet.

Ergänzung:
"Bei Neuroendokriner Differenzierung eines PK-Tumors sollte nicht nur eine PSMA-PET sondern auch eine Octreotid-PET durchgeführt werden! Dafür ist Bad Berka prädestiniert, sagt Urologe fs im BPS-Forum.

Anmerkung aus Wikipädia: Octreotid ist ein synthetisches Analogon des Peptithormons Somatostatin, das als Arzneistoff eingesetzt wird. Über DOTA an 111 Indium oder 68Gallium gekoppelt (Edoretoid, DOTATOC) wird es in der Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie, beziehungsweise in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET), zum Nachweis (Diagnostik) neuroendokriner Tumoren verwendet. Für therapeutische Zwecke (Radionuklidtherapie) können Betastrahler, wie beispielsweise 90Yttrium oder 177Lutetium, verwendet werden. 

Grundsätzlich: Grundlage der nuklearmedizinischen Verfahren zur Diagnostik neuroendokriner Tumoren ist die Überexpression des Somatostatinrezeptors. Das körpereigene Wachstumshormon Somatostatin bindet an fünf verschiedene Rezeptor-Subtypen (Subtyp 1–5). Besonders der Subtyp 2 wird auf Tumoren häufig überexprimiert und ist somit ein interessantes Target. In den achtziger Jahren wurden Peptidanaloga entwickelt, welche selektiv an die Somatostatinrezeptoren binden und mit Radionukliden markiert werden können. Durchgesetzt hat sich die Szintigraphie

mit Indium-111-Octreotid.
Jedoch enthält der Artikel im
Schweiz Med Forum 2011;11(1–2):11–13 den deutlichen Hinweis:
Ga-68-DOTATOC-PET/CT übertrifft die In-111-Octreotid-Szintigraphie deutlich!

 

 

 

Quelle: Ole Christopher Maas, Flavio Forrer, Basel

 

"Weder Firmagon, noch Enzalutamid könnten dem NE-PCA etwas anhaben!
Es wäre ggf. nach Befund eine Carboplatin/Taxotere-Chemotherapie neben einer  evtl. Peptid-Radiorezeptor-Ligandentherapie gegen PSMA und Neuroendokrin zu erwägen", sagt/schreibt der Urologe fs aus dem BPS-Forum.

29.09.2014 WDF 

 

 

 

 

 

 



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