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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

FamiliƤres Prostatacarcinom

08.12.2011

Familiäres Prostatacarcinom
Prof. Dr. med. H.-U. Eickenberg

Zum ersten Mal gibt es in Deutschland eine Untersuchung zur familiären Häufung des Prostatakrebses. Diese Studie wurde vor über sechs Jahren (Anmerkung der Redaktion: 1994) begonnen. Federführend war die urologische Klinik der Universität Ulm. Die Urologische Klinik und das Prostatazentrum des Franziskus Hospitals in Bielefeld war aktiv beteiligt.

Hintergrund war folgender:
Mit einem Anteil von 17 Prozent aller bösartigen Neubildungen bei Männern ist in Deutschland das Prostatacarcinom (PCA) die häufigste Krebserkrankung des Mannes. In den meisten Fällen tritt das PCA sporadisch auf, das heißt, in der Familie ist lediglich ein Angehöriger an PCA erkrankt. In den letzten Jahren wurde darauf aufmerksam gemacht, dass PCA in manchen Familien gehäuft vorkommt. Die Untersuchungen ergaben, dass eine positive Familienanamnese für das PCA einen wichtigen Risikofaktor darstellt.

Das Risiko an einem PCA zu erkranken ist um so häufiger, je mehr Fälle in der eigenen Familie zu finden sind. Ebenso ist das Risiko vom Verwandtschaftsgrad abhängig. Sind der Vater oder Bruder (Verwandte 1. Grades) erkrankt, ist das eigene PCA-Risiko höher als wenn nur Onkel, Cousin oder Großvater (Verwandte 2. Grades)) betroffen sind. Das höchste PCA-Risiko besteht, wenn Angehörige 1. und 2. Grades erkrankt sind. All diese Beobachtungen sind klare Indizien für einen genetischen Hintergrund der Erkrankung. Seit 1994 wurden auch in Deutschland Daten von PCA-Familien gesammelt, um Gene zu lokalisieren und zu charakterisieren, die für eine Bereitschaft zur Prostatakrebserkrankung verantwortlich sind. Hierzu hat die Forschungsgruppe Familien rekrutiert, in denen mindestens zwei Männer an Prostatacarcinomen erkrankt sind. Bis Februar 2001 wurden 5750 mit PCA kontaktiert. Bei 81 Prozent dieser Patienten lag die Erkrankung sporadisch vor. Bei 19 Prozent der Patienten, die angaben, dass mindestens ein weiterer Angehöriger an PCA erkrankt sei, wurde eine detaillierte Familienanamnese mit Hilfe eines Familienfragebogens erhoben.

Die Auswertung von 8491 Patientendaten aus 6848 Familien ergab, 80 Prozent der Patienten sind sporadisch betroffen und 20 Prozent familiär. Das mittlere Erkrankungsalter unterscheidet sich nicht zwischen familiären(64,1 Jahre) und sporadischen (64,4 Jahre). Auch das durchschnittliche Erkrankungsalter der Angehörigen innerhalb einer Familie lag unabhängig von der Anzahl der Betroffenen bei 64 Jahren. In den Familien waren 2 bis 7 Angehörige erkrankt. Durchschnittlich waren 2,8 Betroffene in einer Familie vorhanden

Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten erschwert die Familiensituation in Deutschland die Identifikation von PCA-Familien. Männer im Risikoalter, ab 50 Jahre, verfügen oft nicht über ausreichende Informationen über ihre Eltern und deren Geschwister, da sie meist verstorben sind. Zudem wurde das PCA in dieser Generation seltener festgestellt, da einerseits die diagnostischen Möglichkeiten vor der PSA-Aera deutlich schlechter waren, andererseits ein beträchtlicher Teil der Jahrgänge 1900 bis 1925 in den beiden Weltkriegen gefallen ist

Bei der Einzelbetrachtung der Stammbäume konnte bei 42 Prozent der Familien eine x-chromosomale Vererbung ausgeschlossen werden, so dass hier ein autosomaler Vererbungsmodus angenommen werden darf. Dies sind wichtige Erkenntnisse, die insbesondere für Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen und aussereuropäischen Ländern ein anderes Verteilungsmuster und Vererbungsrisiko aufweisen.

Diese Daten geben wertvolle Informationen für ein risikoorientiertes Vorsorgeprogramm bei bis jetzt gesunden Angehörigen aus PCA-Familien.

Den PSA-Wert bei männlichen Angehörigen über 40 zu bestimmen. Bei PSA über 4 ng/ml oder schnellem Anstieg in kurzer Zeit oder einem anderen Verdacht auf Prostatakrebs sollte eine Sechs-Punkte-Prostatabiopsie durchgeführt werden.

Bei normalen Befunden besteht die Möglichkeit, auf dem Chromosom X eine Veranlagung zum Prostatakrebs zu lokalisieren und damit das Risiko einer familiärbedingten Erkrankung vorab zu erkennen.

2003

Ergänzung:
Eine familiäre Häufung des Prostatakarzinoms ist bekannt. Brüder eines am Prostatakarzinom erkrankten Patienten haben ein vierfach bis fünffach erhöhtes Risiko, ebenfalls an einem Prostatakarzinom zu erkranken.
2009

Ergänzung:
Ob der Prostatakrebs in der Familie liegt, ist für den Therapieerfolg unerheblich. Vater und Großvater waren am Prostatakarzinom erkrankt, jetzt trifft es auch den Sohn. Die Vermutung liegt nahe, sie scheint sich aktuellen Daten zufolge jedoch nicht zu bestätigen. Matthias Heck und Kollegen vom Klinikum rechts der Isar, TU München, untersuchten die Verläufe von 8041 Patienten, die zwischen 1994 und 2008 eine radikale Prostatektomie erhalten hatten. Die Familienanamnese hatte dabei weder Einfluss auf klinisch-pathologische Charakteristika noch auf das rezidivfreie Überleben nach dem Eingriff.
Quelle: Springermedizin Dr. Elke Oberhofer 25.11.2011

Ergänzung

In einem Kommentar zur "Fritz-Schröder-Studie" Erasmus-Universität Rotterdam (Er wertete weitere Daten der European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) mit 162.388 Männern zwischen 50 und 74 Jahren aus.  )  raten Ian M. Thompson von der Universität von Texas und Catherine M. Tangen vom Fred Hutchinson Cancer Research Center, PSA-Tests mit weiteren Risikofaktoren zu kombinieren. Bislang wissen Humangenetiker, dass es bei jedem zehnten Betroffenen eine Häufung von Prostata-Ca in der Familie gibt. Patienten sind besonders gefährdet, sollten Verwandte ersten Grades bereits vor dem 60. Lebensjahr erkranken. (Quelle: DocCheckNews 11/2014)
Dezember 2009/aktualisiert im Dezember 2011 und im November 2014 von WDF

 

 

 

 

 

 



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