Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Hormontherapie grundsätzlich (2)

31.5.2010

Beim fortgeschrittenen (metastasierten) Prostatakrazinom werden drei Therapieansätze (Protokolle) unterschieden:

 

Als ganz grobe Faustregel kann man sagen, Patienten bei denen z.B.

könnten im Anschluß an eine Tumorentfernung oder -bestrahlung von einer begleitenden Hormontherapie profitieren.

Ergänzung:
Die Beurteilung einer Hormontherapie ohne gleichzeitige Bestimmung des Testosteronspiegels ist nicht möglich.

Ergänzung:
Gewichtszunahme

Die Gewichtszunahme ist leider eine der bekannten Nebenwirkungen der Hormontherapie/des Hormonentzuges. Dabei ist es unerheblich, welche der Präparate eingesetzt werden.
1. Dies kommt zum einen durch Einlagerung von Wasser und
2. zum anderen durch eine Änderung des männlichen auf ein weibliches Fettverteilungsmuster.
Ein Patentrezept, wie dies zu verhindern ist, gibt es leider nicht. Selbst äusserste Konsequenz bei der Nahrungsaufnahme hilft nur bedingt. Das Umsetzen auf andere Medikamente z.B. von Casodex auf Androcur oder umgekehrt wird auch keine Abhilfe schaffen, da auch hier dem Körper das Testosteron nicht zur Verfügung steht.

Es hilft vein wenig, äusserst konsequent die Nahrung und Flüssigkeitsaufnahme zu kontrollieren und moderate Auch sportliche Betätigung (aber nur, wenn sie nachhaltig also konsequent betrieben wird)

November 2003
ergänzt Juli 2005
ergänzt Juli 2006

Ergänzung
Erläuterung der Begrifflichkeiten Hormontherapie = ADT

Dr. Eichhorn erläuterte die unterschiedlichen Begriffe zur Hormontherapie, den Androgenentzug.

HB=ADT=AndrogenDeprivationsTherpie=Hormonmonblockade

ADT1 ,in Deutschland Kassenstandard, meint die Hormontherapie mit nur einem Medikament zumeist ein LHRH-Analoga (Zoladex oder Trenantone).
ADT1 = Monotherapie mit der Orchiektomie oder mit einem Antiandrogen (z.B. Casodex) oder mit einem LHRH-Analoga (z.B. Trenantone) oder mit einem Östrogen (DES) oder mit Ketokonazol

ADT2 - zur Orchiektomie oder zur medikamentösen Kastration kommt ein weiteres Medikament hinzu (maximale oder komplette Androgenblockade)

DHB = Da der hypersensitive Androgenrezeptor minimale Androgenspuren zum Existieren nutzt, empfehlen amerikanische Onkologen die Dreifache Hormonblockade. In Deutschland besteht kein Kassenanspruch auf die DHB

AIPC sei lt. Dr. Eichhorn eine Herausforderung für Urologen wie Onkologen. Korrekt sei die Bezeichnung „androgenunabhängig“. Refraktär hingegen bezeichnet einen Zustand, in welchem keine Hormonmanipulation mehr möglich sei wie z.B. mit einem Östrogen.

Das androgenunabhängige Prostatakarzinom definiere sich wie folgt:

dreimaliger PSA-Anstieg unter Androgenentzung mit 3 Medikamenten ( ADT3 ) - der Testosteronspiegel befindet sich im Kastrationsbereich.

Bei der ADT4 (Dr. Strum) blockiert ein viertes Medikament (Dostinex) das Prolaktin.

Ergänzung 2014

ADT doch weniger empfehlenswert??

Dass Antiandrogene oder Kastrationen bei niedrigmalignen Varianten keinen Sinn machen, meint Grace Lu-Yao vom Rutgers Cancer Institute in Brunswick herausgedfunden zu haben. Sie weretete Daten von mehr als 66.000 Männern über 65 mit lokal begrenzten Prostatatumoren aus. 22 bis 39 Prozent der Patienten seinen per Hormonentzug mit Antiandrogenen behandelt worden – auch die und vor allem die mit höheren PSA-Werten, einem höheren Gleason-Score sowie mit Komorbiditäten, also Männer mit ungünstiger Diagnose. Frau Lu-Yao verglich die Daten mit Männern, bei denen Mediziner häufig beziehungsweise selten die Androgendeprivation eingesetzt hätte.

Ihr Resultat: Einfach ausgedückt wie es ein medizinisches Portal (DocCheckNews) tat: "Mit Kanonen auf Spatzen" sei es, wenn Androgene eingesetzt würden. Litten nämlich Patienten unter moderat differenzierten Tumoren, also Patienten mit KEINER ungünstigen Prognose, läge deren Gesamtüberlebensrate nach 15 Jahren bei 20 Prozent. Gegenüber 21 Prozent bei Männern mit ungünstigen Prognosen. Das sei kein signifikanter Unterschied. Die Überlebensrate wurde in dieser Datenauswertung mit 8,6 versus 9,2 Prozent angegeben. Frau Grace Lu-Yao rät deshalb, antiandrogene Behandlungsoptionen Patienten mit weit fortgeschrittenem Prostata-Ca vorzubehalten.(Quelle: DocCheckNews 11/2014)

Meine Meinung: Zunächst einmal sind damit die Argumente für die Therapie Dreifache Hormonblockade nach Dr. Leibowitz total infrage gestellt. Die unangenehmen Nebenwirkungen der antiandrogenen Therapie könnten durch den zumindest temporären Verzicht auf die ADT nicht belasten, es findet ja nichts statt. Aber genau das sehe ich als Problem. Viele könnten sich bei einer ausgewiesen günstigen Prognose trotz hohem PSA und trotz problematischem Gleason-Faktor in Sicherheit wiegen, vernachlässigen die Kontrollen (ich habe ja nichts! Mir geht es ja gut!) und werden erst "wach" mit einem weit fortgeschrittenen Karzinom, welches möglicherweise dann auch noch gestreut hat.
Sicher, wir haben viele neue Medikamente, die werden dann aber schnell zum letzten oder zumindes vorletzen Versuch und eine Chemotherapie scheint dann unumgänglich, womöglich bei dann weniger hoffnungsvollen körperlichen Voraussetzungen. Ob das ein erstrebenswertes Ziel ist, das frage ich mich ernsthaft. 

letzte Aktualisierung im August 2007/Dezember 2009/aktualisiert im Dezember 2011 und im November 2014 durch WDF

 

 

 

 

 



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