Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

PSA-Wert nach Strahlentherapie

19.4.2007

Während nach einer Prostatektomie der PSA-Wert nach etwa 3 Wochen in den nicht mehr messbaren Bereich abfallen sollte, kommt es nach der Strahlentherapie zu einem deutlich langsameren Abfall des PSA-Wertes.

Weshalb ist das so?

…… entnommen dem Vortrag PSA-Anstieg nach kurativer Therapie von Prof. Wolff J.M., Rostock, AKO Symposium Prostata- und Blasenkarzinom, Graz, 27.-29.Juni 2003:
Nach REP sollte das PSA aufgrund der Halbwertzeit von 2,2 bis 3,2 Tagen innerhalb 3 Monaten möglichst auf einen nicht nachweisbaren Wert absinken Nach Strahlentherapie dauert es entsprechend länger, weil die Halbwertzeit 1,9 bis 3 Monate beträgt. Der PSA-Nadir sollte unter 0,5 ng/ml fallen…….

In einer Abhandlung des Interdisziplinären Tumorzentrums Tübingen ist nachzulesen: Ältere Daten sprechen von einem günstigen Verlauf bei Erreichen eines PSA-Nadirs kleiner 1 ng/ml, während in jüngeren Studien ein Nadir unter 0,5 ng/ml als günstig erachtet wird.

Das Intervall zwischen Behandlung und dem Erreichen des effektiven PSA-Nadirs könne in manchen Fällen bis zu drei Jahre nach der Bestrahlung betragen.

Ein weiterer Hinweis der vorgenannten Quelle befasst sich mit dem Therapieversagen.: Bei einem Nadir kleiner 0,5 ng/ml sei es innerhalb von 40 Monaten in nur 4 Prozent der Fälle zu einem Therapieversagen nach vorangegangener Radiotherapie gekommen, während sich bei einem PSA-Nadir von 0,6 bis 1,0 ng/ml rd. 26 Prozent der Patienten als Therapieversager erwiesen. Ein nach Radiatio wieder ansteigender PSA-Wert bei drei aufeinander folgenden Bestimmungen sei ein Therapieversagen

Ergänzung:
Im BPS-Forum empfiehlt der Urologe f.s. folgende Vorgehensweise:

...man sollte nach Ende der Strahlentherapie ruhig dreimonatlich messen, aber die Werte kritisch würdigen (Prostatitis durch Strahlentherapie, PSA-Bump).

Weiter ist seine Meinung, die Verläufe seien doch sehr unterschiedlich. Bei dem einen fällt PSA noch während der Strahlentherapie rapide ab, bei einigen anderen steigt PSA zunächst sogar noch fast ein Jahr an, um dann gegen Null zu fallen. Bei der Bewertung der Verläufe sei deswegen keine Regel anzuwenden sondern mehr die Erfahrung, um die Werte richtig zu interpretieren.

siehe auch:
Bestrahlung Zusammenang von Prognose und Nadir

PSA-Bounce Februar 2006

Ergänzung:
PSA-Wert nach Brachytherapie
Die Wirkung der Brachytherapie besteht in einer Senkung des PSA-Wertes in niedrigere Bereiche. Wie niedrig der PSA-Wert nach Brachytherapie im Einzelfall sinkt, hängt ab
vom Tumorvolumen,
vom prätherapeutischen PSA-Wert
vom Organvolumen der Prostata,
von der wirksam applizierten Strahlendosis
und von der erreichten Wirksamkeit der Bestrahlung.

Das Erreichen des Tiefstpunktes des PSA-Wertes nach Brachytherapie (der sogenannte Nadir) erfordert einen Zeitraum von 1-2 Jahren.

Ergänzung:
PSA-Anstieg nach Strahlentherapie

Prof. Böcking: "Die Beschleunigung des Anstieges des PSA nach Bestrahlung ist nicht auf eine Tumorprogression zurückzuführen, sondern auf Zellnekrosen. In den bestrahlten Tumoren sterben die Zellen erst nach Monaten bis Jahren ab und dabei geben sie PSA frei."

Es sei lt. Prof. Böcking ein Irrtum anzunehmen, dass eine Erhöhung der PSA-Werte ein Versagen des Effektes einer Strahlentherapie ist. Aus der Erhöhung der PSA-Werte könne man nicht ohne weiteres auf eine "Beschleunigung des Krebswachstums" schliessen."

Meine persönliche Anmerkung: M.E. kann man das nicht generalisierend sagen und unkritisch hinnehmen. Da spielen beim PSA-Anstieg auch andere Faktoren möglicherweise eine sogar entscheidende Rolle, z.B. eine Metastasierungsprozess ausserhalb des Bestrahlungsareals.

weitere Ergänzung:
Wenn nach einer Bestrahlung der PSA entgegen den Erwartungen und Hoffnungen leider nicht entsprechend abfällt, dann kann das bedeuten, dass der Rezidivtumor durchdie Bestrahlung nicht richtig zerstört wurde oder aber dass Tumorzellen bereits woanders im Körper waren, sich gebildet haben und auch noch da sind. Diese Vermutung ist immer dann berechtigt angebracht, wenn sich nach einer Bestrahlung der PSA-Wert sich NICHT dem Wert von 0,0x (z.B. 0,05) nähern sollte. Bleibt der PSA-Wert "hoch", müsste die Diagnostik komplettiert / ergänzt werden: Ein PET-CT oder USPIO könnten Aufschluss über einen möglichen Lymphknotenbefall geben und die Prostataloge beurteilen. Knochenmetastasen kann man bei geringen PSA-Werten, d.h. im 0,x Bereich zumeist ausschließen. Die sich dann anschließende weitere Therapie hängt entscheident davon ab, wo der mögliche Tumorherd (der Verursacher für den erhöhten PSA-Wert) sich befindet.

letzte Aktualisierung im April 2007

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.



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