Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

hormonrefraktär

28.3.2010

***)

Zunächst muß die Frage geklärt werden:
Wie kann man feststellen, ob ein hormonrefraktäres pca vorliegt ?

Der Experte, Urologe f.s. im BPS Forum schreibt:

1. Wenn bei maximaler Androgenblockade (Testosteron unter 0.2 ng/ml oder besser, unter 0.1 ng/ml) PSA 2x in Folge ansteigt bestekt Verdacht auf AIPC = androgenunabhaengiges PK

2. Wenn unter ZUSAETZLICHER Gabe eines Oestogenes PSA in Folge ansteigt liegt ein HRPC = hormonresistentes PK vor

Jedoch ohne MAB (maximale Androgenblockade), die durch Testosteronwerte im korrekten Bereich dokumentiert sein muss, ist eine Diagnose bzgl, Vortliegens von AIPC oder HRPC nicht wirklich korrekt.

Ein anderer Experte:

Ein HRPCA liegt vor, wenn der Serum-Testosteronspiegel auf Kastrationsniveau (weit unter 1,5 ng/ml) abgesunken ist, Maßnahmen der sekundären und tertiären hormonellen Manipulation [Androgeninhibitoren (Ketokonazol, Kortikosteroide), Testosteron-Rezeptorblocker (A-Reduktasehemmer, Östrogene)] ausgeschöpft sind, und wenn der PSA-Wert bei drei aufeinander folgenden Bestimmungen im Abstand von mindestens einer Woche jeweils angestiegen ist (unter fortgesetzter LHRH-Blockade).
Ziel jeder Behandlung bei Prostatakrebs ist es, die Entwicklung zu verhindern, hormonunsensibel, hormonrefraktär zu werden.
Prostatakrebs wird erst dann richtig lebensbedrohend, wenn der PK hormonresistent, hormonunsensibel, hormonrefraktär wird und Metastasen entwickelt.

Von einem androgenunabhängigen (hormonunsensiblen, hormonrefraktärem, hormontauben) Tumor kann aber erst dann gesprochen werden, wenn durch gleichzeitiger Bestimmung des PSA und des Testosterones (das sollte unter 0,2 besser noch niedriger sein) ein weiterer PSA-Anstieg nachgewiesen wird.
Es kann auch sein, dass die Hormonblockade(ADT) nicht optimal ist. Manchmal hilft auch das Absetzen von Casodex, weil der Prostatakrebs lernt, von Casodex zu leben.

Wenn nach vorangegangener Hormonblockade (ADT) ein wieder steigender PSA-Wert anzeigt, dass der Tumor oder Teile davon hormonunsensibel geworden ist, muss auf eine andere Therapiemethode umgestiegen werden, bei der nicht die Hormonabhaengigkeit des Tumors angegriffen wird. Therapie-Möglichkeiten bestehen z.B. mit Estramustinphosphat (z.B. Multosin) oder den Taxanen.

Februar 2004
ergänzt Juli 2005
ergänzt Juni 2006 ergänzt September 2008

Zum ThemaSteigender PSA unter Hormontherapie schrieb der von mir geschätzte Bad Reichenhaller Urologe Dr. Frank Eichhorn:

Die Therapie mit einem Antiandrogen - also z.B. Casodex mit einem fünf Alpha-Reduktase Hemmer z.B. Avodart nennt man Sequenztherapie. In den letzten Jahren hat die Pharma-Industrie mit einigen universitären Meinungsführern viel Werbung gemacht für Casodex - insbesondere nach radikaler Prostatektomie bekommen viele Männer den Rat Casodex einzunehmen mit dem Argument dass damit die Lebensqualität ( der Testosteronspiegel ) erhalten bleibt und wie die Industrie gesponserten Studien zeigen damit auch das krankheits- spezifische Überleben verlängert wird.

Wir sind der Meinung das sowohl vor einer Operation als auch nach einer Operation die dreifach Hormontherapie ( ADT 3) besser ist als die zweifach Hormontherapie - die zweifach Hormontherapie besser ist als die einfach Hormontherapie. Mit der ADT3 haben in Studien von Dr. Strum und Dr. Scholz ca. 60% der Männer nach RP in 10 Jahren nur einen !!! Zyklus ADT 3 – Dauer ca. 1 ½ Jahre- gebraucht. Das wird mit einer Monotherapie kaum möglich sein.

Was bedeuten nun ansteigende PSA Werte unter einer Casodex Monotherapie? Denkbar ist eine Rezeptormutation die dazu führt das Casodex Prostatakarzinomzellen eher stimuliert und dadurch das PSA ansteigt. Denkbar ist auch ein PSA Anstieg aufgrund der Entwicklung eines androgenunabhängigen Prostata-Carcinoms.

Auch ich habe wiederholt die Erfahrung gemacht daß Patienten, in die unter einer Mono- oder Sequenztherapie im Progress sind, kaum von der Umstellung auf eine Dreifach Hormontherapie profitieren. Meine Befürchtung: PSA Progress unter Casodex bedeutet ein androgenunabhängiges Prostatakarzinom.

In einer solchen Situation sollte die Therapie umgehend umgestellt werden. Wenn der Betroffene noch keine Chemotherapie beginnen möchte, kommen für ihn Medikamente in Frage wie Estradiol , Ketoconazol mit Triamcinolon gegebenenfalls in Kombination mit Somatuline.
Zur Chemotherapie:
wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht mit einem modifizierten Beer Schema also 25 bis 30 mg/m2 Taxotere plus hochdosiert Rocaltrol ( 0,5 µg pro Kilogramm Körpergewicht am Tag vor Taxotere) wöchentlich.

***)Seit dem 2008.er AUO-Kongress sagt man nicht mehr hormonrefraktär, sondern hormonresistent. Die PC-Zellen lernen nämlich irgendwann ihr eigenes Testosteron zu bilden und werden deshalb gegenüber den gängigen Therapien unabhängig vom körpereigenen Testosteron.

siehe auch eine Studie bei der Uniklinik Mannheim mit dem von ASTRA Zeneca entwickelten Medikament ZD4054. Mehr dazu hier: Uniklinik Mannheim ZD4054

letzte Aktualisierung im März 2010



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