Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prognose oder Überleben mit Prostatakrebs

29.5.2011

Derzeit wird bei prognostischen Überlegungen von einem mittleren Diagnosealter von 72 Jahren ausgegangen. Bei einem langsamen Tumorwachstum sterben deshalb viele dieser PCa-Betroffene an anderen Ursachen.

Die Überlebenszeit ist zunächst grundsätzlich von der Ausdehnung des Tumors und vom Differenzierungsgrad abhängig, von der Aggressivität des Tumors. Die Comorbidität, also die Wahrscheinlichkeit an anderen Krankheiten zu versterben, muß ebenfalls berücksichtigt werden.

Zurzeit kann man in der einschlägigen Literatur unterschiedliche Stellungnahmen zu den Prognosen, die zum Zeitpunkt der Erst-Diagnose von überaus hohem Interesse insbesondere bei den Betroffenen sind, nachlesen. Die nachfolgenden Zahlen sind deshalb nur grobe Anhaltswerte:

Bei einem auf die Prostata begrenzten heilbaren Karzinom kann man in der Regel von einem medianen (mittleren) Überleben von mehr als 5 Jahren und mehr ausgehen.

Bei einem fortgeschrittenen nicht mehr heilbaren Tumor mit Lymphknotenmetastasen ist ein tumorbedingtes Versterben mit einem medianen Überleben im Bereich von 5 Jahren wahrscheinlich.

Haben sich bereits Fernmetastasen gebildet liegt das mediane Überleben in der Regel bei etwa ein bis drei Jahren.

Bei den drei zuvor beschriebenen Situationen gibt es aber dennoch wesentlich längere Krankheitsverläufe u.a. aufgrund sich ständig weiter entwickelnder Therapien und neuerer Pharmazeutika.

Ergänzung - Auszug aus einer neueren Studie aus den USA (2005)

Für die aktuelle Studie begleiteten die Wissenschaftler 379 Männer, bei denen nach einer radikalen Prostatektomie der PSA-Wert wieder anstieg.

Die durchschnittliche Follow-up-Zeit nach der Operation betrug 10,3 Jahre.

Ergebnis: • Patienten mit einer PSADT.(Anmerkung: gemeint ist die PSADT=PSA Verdopplungszeit) von weniger als drei Monaten hatte eine durchschnittliche Überlebensdauer von sechs Jahren.

• Patienten mit einer PSADT von weniger als drei Monaten, bei denen das PSA innerhalb von drei Jahren nach der Operation wieder anstieg und einem pathologischen Score von acht bis zehn, überlebten rund drei Jahre.

• Patienten mit einer PSADT von 15 Monaten oder länger, bei denen das PSA später als drei Jahre nach der Operation anstieg, überlebten zu 100 Prozent.

Juli 2005

Ergänzung:
Eine mir erst jetzt bekannt gewordene Studie von 1996 (Forsslund ....)belegt, dass man trotz einer Hormontherapie wahrscheinlich innerhalb von 5 Jahren verstirbt, wenn es sich um ein DNA-aneuploides Prostatakarzinom handelt. Handelt es sich um einen diploiden oder tetraploiden Tumor, lebt man(n) länger.

Was lernen wir daraus? Per Zweitgutachten die Ploidie bestimmen lassen!

Ergänzung:
Das Schicksal des Menschen entscheidet sich selten lokal, häufiger hingegen über Fernmetastasen!

Prof. Axel Heidenreich, Großklinikum Aachen, meint dazu:

Nach RP weisen ca. 20-40% der Patienten Risikofaktoren auf, die mit einem erhöhten lokalen oder systemischen Rezidivrisiko verbunden sind. Zu den ungünstigen Prognosefaktoren zählen ein PSA-Wert > 15ng/ml vor der OP, mehrfach positive Absetzungsränder, Samenblaseninvasion, Lymphknotenmetastasen und ein Gleason Score von 8-10.
Trotz des erhöhten Rezidivrisikos erscheint hier eine generelle adjuvante Hormon- oder Strahlentherapie nicht gerechtfertigt, da keine der beiden Therapieoptionen einen Überlebensbenefit gegenüber der verzögert einsetzenden Behandlung erbracht hat.

Die adjuvante Bestrahlung der Prostataloge ist für Patienten mit mehrfach positiven Absetzungsrändern, fehlender Samenblasen- und Lymphknoteninvasion sowie einem präoperativen PSA-Spiegel > 15ng/ml sinnvol, da sich gegenüber der verzögerten Radiatio in der Vergangenheit deutlich verbesserte Behandlungsergebnisse ergeben haben.

In allen anderen Fällen ist eine abwartende Haltung mit verzögertem Bestrahlungsbeginn gerechtfertigt, wenn die Radiatio bei PSA-Werten unterhalb 1,5 ng/ml eingeleitet wird.

Die adjuvante Hormontherapie erscheint bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem PCA (pT3b, pTxN+) mit einem Gleason Score 8-10 und hohen präoperativen PSA-Serumspiegeln gerechtfertigt.

Zukünftig wird es notwendig sein, eine kleine Gruppe von Patienten mit hohem Rezidivrisiko innerhalb der ersten 1-3 Jahre nach RP zu identifizieren, um innovative und aggressive Therapieoptionen zu entwickeln. Dieses Hochrisiko-Kollektiv weist von Anfang an bereits hormonrefraktäre PCA-Klone im Primärtumor auf, so dass die alleinige Androgendeprivation nicht die ideale Therapievariante darstellt. Besser wäre da eine kombinierte Chemohormontherapie mit Bisphosphonaten (Multidrug.

 

 

 

Aus einer Arbeit von 2003:

Die Besonderheit des Prostatakarzinoms besteht darin, dass ein Großteil der Patienten mit Prostatakarzinom nicht am Tumor, sondern an tumorunabhängigen Erkrankungen sterben. Die Kenntnis des natürlichen Krankheitsverlaufs des lokalisierten Prostatakarzinoms und seiner einzelnen Subgruppen ist notwendig, um diejenigen Patienten zu identifizieren und dann auch zu behandeln, die durch ihr Prostatakarzinom in der Tat bedroht sind. Übereinstimmend weisen alle hierzu vorliegenden Studien drei Ergebnisse auf:
- T1/T2-Prostatakarzinome sind langsam wachsende Tumoren mit einer relativ geringen tumorbedingten Mortalität nach fünf bis zehn Jahren.
- Die tumorbedingte Mortalitätsrate korreliert erheblich mit dem Tumorgrad bei der Erstdiagnose.
- Der Anteil der Männer, die am Prostatakarzinom sterben, ist um so höher, je jünger der Patient bei der Erstdiagnose ist.

Die nachfolgende Aussage gebe ich gern weiter. Sie stammt von einem SHG-Leiter, der schon viele Jahre mit einem fortgeschrittenen Prostatakrebs (FPCa)leben muß:
Wir sind in der Abschätzung der Verlaufsformen fortgeschrittener Prostatakrebserkrankungen nicht gut beraten, wenn wir uns auf Statistiken aus der Vergangenheit stützen, die nur Aussagen darüber zulassen, wie die erfassten Verläufe früher waren. Da aber laufend die Krankheitsverläufe neu aufgesetzt und auch laufend immer etwas anders behandelt werden, vergrössern sich die Möglichkeiten einer langfristig auch bei systemischer Erkrankung gegebener Stabilisierung. (Rudolf Strathmann, Hamburg)

letzte Ergänzung im Januar 2011/Mai 2011

 

  

Ergänzung:

Das 10 und 15 Jahre krebsspezifische Überleben bei Patienten mit nicht-metastasiertem Hochrisiko Prostatakrebs randomisiert in lebenslange Hormontherapie alleine oder kombiniert mit Strahlentherapie (S.D. Fossa et al.)

Das Ergebnis der Studie spricht eindeutig für die zusätzliche Strahlentherapie: Die ergänzend zur Hormontherapie durchgeführte Strahlentherapie hat die krebsspezifische Mortalität mehr als halbiert.

 

 

 

 

 

 

 

Die Studie wirft die Frage auf, ob auch bei einer metastasierten Erkrankung zusätzlich zur systemischen eine lokale Therapie durchgeführt werden sollte. Ich denke schon. Die Chirurgen werden sagen „ Ja – die radikale Prostatektomie". Die Radioonkologen werden sagen „ Ja – die Strahlentherapie mit IMRT, Cyberknife, Rapid-Arc oder Protonen".

Quelle: Dr. Frank Eichhorn, Bad Reichenhall, 2015

 

03.04.2015 WDF

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Vorträgen von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Zurück