Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Salvage-Operation

27.8.2009

salvage (engl.) bedeutet in der Medizin Rettung, sonst auch Bergung.

Die Salvage-OP betrifft Patienten, bei denen es nach z.B. einer Radio- oder Chemotherapie nicht zur gewünschten oder beabsichtigten Remission (Rückbildung) gekommen ist oder Patienten, die nach einer vorangegangenen Radio- oder Chemotherapie relativ rasch (in zeitlich kurzem Abstand zur vorangegangenen Behandlung) ein Lokalrezidiv entwicklen.

Bei Prostatakrebs wäre das eine radikale Prostatektomie nach Bestrahlung.

November 2004

Salvage OP nach Radiatio

Eine Operation weist prinzipiell aufgrund des vorbestrahlten OP-Gebietes mit Strahlenfibrose, Strahlenvaskulitis und fehlender Darstellbarkeit der anatomischen Gewebeschichten eine hohen Komplikationsrate auf. Therapeutische Möglichkeiten bestehen jedoch mitttels sogenannter Salvage-Therapieverfahren (salvage= Bergung, Rettung) nach Versagen der Strahlentherapie mit Ausbildung eines Lokalrezidivs und bei radiologischem Ausschluß von Fernmetastasen, z.B. eine radikale Salvage-Prostatektomie, Zerstören der vorbestrahlten Prostata mit Kälte (Kryoablation), Hitze (hochintensiver fokussierter Ultraschall: HIFU) oder Strahlen (interstitielle Brachytherapie). Im Gegensatz zur palliativen antiandrogenen Therapie (Hormontherapie), haben diese Verfahren einen prinzipiell kurativen Ansatz.

Jedoch sollten die Vor- und Nachteile abgewogen werden. Auf der einen Seite steht die mögliche günstige Beeinflussung des weiteren Verlaufs durch eine frühe Behandlung, auf der anderen Seite ist die Lebensqualität besser bei verzögerter Behandlung. Kommen zum ansteigenden PSA-Wert jedoch noch weitere Symptome hinzu, richtet sich die Behandlung nach ihnen aus.

Ergänzung:
in einem Expertenforum war zu lesen, "...Bei der Frage einer Zweittherapie sollte meines Erachtens nach im Vordergrund stehen, das Prostatakarzinom zu heilen, um nicht irgendwann an Metastasen zu versterben. Dieses Ziel kann man mit einer Salvage-OP unter Umständen erreichen. Hoch ist das Inkontinenzririko bei einer Salvage-OP. Selbstverständlich würde ich empfehlen, eine solche OP nur in einer Klinik durchführen zu lassen, in der man mit dieser schwierigen Operation eine Erfahrung hat.

Ergänzung Ein Experte zu diesem Thema:

Bezüglich einer Post-Radiotherapie muss man bei Durchführung der Salvage-Prostatektomie von einem erhöhten Komplikationsrisiko ausgehen, da die Operabilität durch die Vorbestrahlung aufgrund radiogener Fibrosen deutlich erschwert wird. Die Komplikationsraten werden in der Literatur beispielsweise mit einer Inkontinenzrate von 25%, Rektumverletzungen von etwa 19% und Anastomosenstrikturen in etwa 25% der Fälle angegeben, obwohl die Komplikationsrate nach neueren Berichten deutlich gesenkt werden konnte.
Die Salvage-Prostatektomie kann deshalb nicht als Standardtherapie bei einem PSA-Anstieg nach kurativer Radiotherapie gelten und sollte deswegen nur in Einzelfällen bei strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.

Letzte Ergänzung im August 2009



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