Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Lebensqualität

03.4.2011

das meint biologische, psychisches und soziales Wohlbefinden ohne Krankheit und Schwäche. In der Medizin spricht man von gesundheitsbezogener Lebensqualität.

Die Deutsche ApothekerZeitung schrieb in ihrer Ausgabe 41 vom 09.10.2008:

Der Einfluss der Lebensqualität auf das Therapieergebnis ist durch zahlreiche Studien belegt. Es gibt Hinweise, dass in bestimmten Fällen die Lebensqualität einen größeren Einfluss auf die Überlebenszeit ausübt als eine therapeutische Intervention.

Zur Lebensqualität ein Beitrag vom 61. DGU-Kongress im September 2009 in Dresden:

Lebensqualität 24 Monate nach kurativer Therapie
Dr. Rohde, Bad Schwartau
Für welche Therapieform sich ein Patient entscheidet, hängt vorwiegend von der zu erwartenden posttherapeutischen Lebensqualität (LQ) ab. In 10 deutschen Studienzentren wurden Daten von 297 Patienten ausgewertet, davon 75 Patienten mit RT und 222 Patienten mit RP. Anfänglich berichteten RT Patienten von größere Beeinträchtigung bei Erektiler Dysfunktion und Sexualität. Nach 24 Monaten änderte sich das, denn dann war bei den RT Patienten der Harndrang die größte Beeinträchtigung und auch die Darmsymptomatik . RP Patienten berichteten von deutlich größeren Beeinträchtigungen bei ED, Sex und Stressinkontinenz.

Die Abnahme der Lebensqualität, so war herauszuhören, ist bei Operierten stärker ausgeprägt als bei bestrahlten Patienten.

...und nochmals aus Dresden vo0m 61. DGU Kongress:
Postoperative Lebensqualität im ersten Jahr nach radikaler Prostatektomie
K. Herkommer, München
Hier ging es um den Zusammenhang von Alter, Schulbildung und Lebensqualität.
Betrachtungszeitraum: Erstes Jahr nach radikaler Prostatektomie
114 Patienten wurden vor und bis zu 12 Monate nach RP zu den Themen Angst vor erneutem Tumorwachstum, Angst vor Komplikationen als Folge der OP, Einschätzung der körperlichen Belastbarkeit, Einschätzung der Konzentrationsfähigkeit und Sorge um länger andauernde Inkontinenz befragt worden.

Die Angst vor einem erneuten Tumorwachstum war bei allen Patienten direkt postoperativ am größten, nach einem Jahr war diese Angst zwar niedriger als der Höchstwert, jedoch immer noch höher als der präoperative Ausgangswert.
Berichtet wurde: Jüngere Patienten und Patienten mit höherem Schulabschluss wiesen postoperativ eine höhere Lebensqualität auf, waren jedoch psychisch weniger belastbar.

Meine Anmerkung:
In der Selbsthilfegruppe beobachte ich: Nicht selten berichten Betroffene mit nur geringer Belastungsinkontinenz (beim Husten, Nießen, geringer körperlicher Belastung) von schweren Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität. Andere, denen es nach meiner Einschätzung und deren äußerst zögerlichen Schilderungen ihrer persönlichen Situation eher schlechter geht, die mit einer wesentlich gravierenderen Inkontinenz zu kämpfen haben, scheinen nur geringfügig beeinträchtigt zu sein.

Bei der Beeinträchtigung bzgl. Potenz beobachte ich noch anderes Phänomen: Männer schildern, keine oder nur geringe Probleme zu haben. Im Gespräch mit deren Ehefrauen, die meist meine Frau führt, kommt sehr schnell zutage, da wird "dick aufgetragen". Die Ehefrauen schildern den Potenzverlust ihrer Männer weitaus realistischer und zusätzlich die dadurch ausgelösten Seelennöte ihrer Männer (...was die Männer im Gespräch gern verschweigen!).

Ich glaube, dass Befragungen, mögen sie noch so ausgeklügelt sein, ohne die Einbeziehung der Partnerin die Drucker- und Kulitinte nicht wert sind.

Beeindruckt und nachdenklich gemacht hat mich ein Satz des franz. Prostata-Radiotherapieexperten Bolla: " Gute Lebensqualität nutzt Einem nichts, wenn man tot ist." aktualisiert im Dezember 2010

Ergänzung
Von großer Bedeutung bei der Beratung (siehe S3-Leitlinie) von uns Patienten durch unsere Urologen ist das Wissen über die Auswirkungen der verschiedenen Therapien auf die Lebensqualität
Aus einer aktuellen prospektiven spanischen Multicenterstudie, in welcher kein Patient zusätzlich antihormonell behandelt war, die Lebensqualitätmit einem speziellen Fragebogen ermittelt und mit den Ausgangsdaten vor Beginn der Therapie verglichen wurde:
...dass die radikale Prostatektomie in erheblichem Maße Inkontinenz und sexuelle Dysfunktionen hervorrufen kann, wohingegen die externe Bestrahlung und die interstitielle Brachytherapie insbesondere irritative (Reizung) und obstruktive (Einengung, vemehrt Schleimbildung) Symptome und sexuelle Dysfunktion auslösen kann. Die externe Bestrahlung bewirke zudem noch eine mäßige Zunahme an Nebenwirkungen im Darm.
Quelle: Uro-Update 2011)

Meine Anmerkung: Das mit der Inkontinenz nach der radikalen Prostatektomie ist mir nicht ganz klar. Wir beaobachten zunehmend koninente Männer, die von der OP heimkommen. Wir beobachten immer häufiger, dass nach nervschonender Operation eben nicht die erektile Dysfunktion gehäuft auftritt. Siehe hierzu Stellungnahmen von Prof. Huland auf dem BPS Bundeskongress 2010 in 10/2010 in Magdeburg.
Die Spätfolgen der externen Bestrahlung sind meiner Ansicht nach sogar viel zu milde dargestellt. In meinem Umfeld leide nicht nur ich nach vorangegangener externer Bestrahlung (bei mir vor 10 Jahren) an mittlerweile jahrelangen Darmreizungen mit Verstopfung, Durchfall, Harn- und Stuhlinkontinenz. Und ich unke mal: Ich glaube, dass sekundäre Karzinome in Blase und Darm seit Jahren durchaus eine nicht zu vernachlässigende Größe (Anzahl) haben werden. Nur wer weiß etwas darüber und wer veröffentlicht es? Die spanische Studie hat die ersten drei Jahre nach der Therapie betrachtet. Für mich ist eine solche Betrachtung für einen 55 oder 60jährigen Mann, selbst für einen 65jährigen, fast schon unverschämt. Es gibt dafür auch kräftige Ausdrücke aus der Vulgärsprache wie z.V. Verar.... Ich beziehe mich erneut auf Prof. Huland: Unter 10 Jahren Nachbeobachtung kann man da nichts Seriöses feststellen!

aktualisiert im April 2011



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