Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Immuntherapie

27.12.2009

Die Mechanismen des menschlichen Körpers sollen so stimmuliert werden, dass sie in der Lage sind, nicht nur Krebszellen zu erkennen sondern auch diese anzugreifen.

Allein mit Nahrungsumstellung und mal gerade ein paar Monate Vitamin E und/oder Vitamin C und Selen oder einer Thymus- oder Mistelextrakt usw. ist das nach meinem Dafürhalten nicht machbar.

Mit den sogenannten Antikrebseffekten verschiedener Nahrungsergänzungsmittel und/oder Spurenelementen und Vitaminen wird ein Mordsgeschäft gemacht.

Und wirken sollen diese Dinge auch erst so recht, wenn man noch zusätzlich daran glaubt. Ich halte das für geschickte Verkaufsargumente. Und jeden Tag werden im Internet in den einschlägigen Foren neue Wundermittelchen angepriesen.

Zweifelsohne kann ein starkes Immunsystem helfen, gegen Krebs vorzubeugen. Aber mit Mittelchen das Fortschreiten des Krebswachstums zu verzögern ist zumindest zweifelhaft.

Der von mir geschätzte Urologe Dr. Frank Eichhorn aus Bad Reichenhall schrieb nach seinem Besuch der Konferenz des Prostate Cancer Research Institutes (12.+13. September 2009 in Los Angeles) dazu folgende Bemerkung:

Wir alle glauben dass die Entstehung wie auch das Fortschreiten von Krebserkrankungen mit Störungen des Immunsystems zu tun haben muss. Daraus entwickeln viele Patienten den Wunsch etwas für das Immunsystem zu tun – mit einer Misteltherapie, Thymuspräparaten etc. Leider ist völlig unklar welcher Teil des Immunsystems damit stimuliert wird. Es ist jedenfalls denkbar dass Medikamente, Pflanzen oder Organextrakte die regulatorische Komponente anregen und damit die Krebserkennung durch die stimulatorische Komponente eher verhindern. Die Behandlungserfolge bei anderen Defekten des Immunsystems wie Neurodermitis oder Multipler Sklerose sind eher bescheiden. Ich fürchte es wird noch eine ganze Zeit dauern bis wir eine sichere und wirksame Immuntherapie gegen Prostatakrebs zur Verfügung haben.

siehe hierzu folgende Datenbankeintragungen in dieser Infothek:
Immunsystem stimulierende Prozesse
Immunstimulatione
Kann ein Immunsystem Krebszellen abtöten?
Tumorimpfung
Unterstützende Therapien
Misteltherapie

letzte Aktualisierung im Dezember 2009

Ergänzung 2016

Zahlreiche Therapien gegen Krebs stehen vor dem Umbruch. Ärzte setzen zur Bekämpfung von Tumoren auf das körpereigene Immunsystem. Mit neuen Medikamente sollen die T-Zellen die bösartige Zellen bekämpfen. Prof. Dr. Dirk Jäger, Direktor des klinischen Bereichs des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg, auf die Frage, ob die Immuntherapie bereits als Durchbruch bei der Bekämpfung von Krebs betrachtet werden könne: "Ob mit den neuen Medikamenten tatsächlich ein Durchbruch erzielt worden ist – damit wäre ich zum jetzigen Zeitpunkt noch vorsichtig."

Anmerkung: In den USA wurden erste Medikamente für Checkpoint-Therapien zugelassen. Forscher arbeiten mit Hochdruck an neuen Substanzen.

Krebszellen schaffen es häufig sich zu tarnen und entkommen so dem körpereigenen Immunsystem. Dies gelingt ihnen, indem sie T-Zellen so manipulieren, dass diese die Krebszellen nicht mehr erkennen. Ein Beispiel ist das von Krebszellen produzierte Protein Programmed death Ligand 1, kurz PD-L1. PD-L1 aktiviert Immun-Checkpoints und wehrt so Angriffe des Immunsystems, genauer gesagt der T-Zellen ab. Die Folge ist, dass sich die Krebszellen ungehindert vermehren können.

Da setzen die neuen Therapien an: Eine Substanz, die verhindert, dass PD-L1 mit den T-Zellen interagiert, könnte die Krebszellen wieder enttarnen. Eine Substanz also, die an den Immun-Checkpoints greift. Und auf genau solche Substanzen zielt ein Teil der neuen Therapie-Ansätze ab. Ärzte, Forscher und Patienten setzen große Hoffnungen in den neuen Behandlungsansatz. „Wir sind alle sehr gespannt darauf, wie die Checkpoint-Strategie die Krebstherapie weiter beeinflussen wird“, sagt Dr. Fred Aswad, verantwortlich für die Gruppe Immunoprofiling, Biologics Research bei Bayer HealthCare in San Francisco. Fortgeschrittener Lungenkrebs beispielsweise war bisher ein Todesurteil. Doch die Checkpoint-Blockade wirkt bei diesen Patienten. Aswad: „Die Menschen leben deutlich länger.“ Auch für schwarzen Hautkrebs und Tumore in Niere oder Blase geben vielversprechende Studiendaten einen positiven Ausblick.

im Gegensatz zu Chemo- oder Strahlentherapie, die nach der Behandlung abgeschlossen sind, kann eine Immuntherapie längerfristig wirken: Das Abwehrsystem lernt während der Therapie, wie es die entarteten Zellen aus eigener Kraft nachhaltig bekämpfen kann. „Der Patient ist nach einer erfolgreichen Therapie geschützt – zumindest gegen wiederkehrende bösartige Veränderungen: Selbst wenn Krebszellen, die sich im Körper verborgen gehalten haben, wieder auftauchen, kann das trainierte Immunsystem sie vernichten“, erklärt Aswad.

Und ein weiterer Vorteil könnte sein: Tumore können voraussichtlich keine Resistenzen gegen die Behandlung bilden – dies ist bei Chemotherapeutika anders.
„Dennoch ist die Checkpoint-Blockade kein Wundermittel“, fasst Aswad zusammen. Wie fast jede medizinische Behandlung birgt sie auch Risiken: „Das angeregte Immunsystem kann sich manchmal auch gegen gesundes Körpergewebe richten. Solche Autoimmunreaktionen können starke Entzündungen in Darm, Leber oder Haut auslösen. Die Patienten müssen daher exakt und engmaschig überwacht werden“, so Aswad.

 

Meine Ergänzung dazu:
In einer Studie konnten bei Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs durch eine Immuntherapie mit dem CTL-A4-Blocker Ipilimumab keine Überlebensvorteile erzielt werden.

Quelle: Bayer Forschungsmagazin
03.12.2016 WDF

 

 

 



Zurück