Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Lymphadenektomie

08.2.2012

operative Entfernung der Lymphknoten

Grundsätzliches zur Lymphknotenentfernung

Das Ziel der radikalen Prostatektomie ist es, die ganze Prostata mit der Kapsel, den anliegenden Samenbläschen und den lokalen Lymphknoten zu entfernen

In einem ersten Schritt werden die der Prostata und Harnblase benachbarten Lymphknoten aufgesucht und entfernt (pelvine Lymphadenektomie). Wie die Biopsie ist die Lymphknotenentfernung mit anschließender feingeweblicher Untersuchung die Methode mit der höchsten Aussagekraft bezüglich einer Absiedelung des Krebses ausserhalb der Prostata. Mit einer sogenannten Schnellschnittuntersuchung (mikroskopische Untersuchung) läßt das während der Operation mit großer Wahrscheinlichkeit feststellen. Für den Fall, daß man innerhalb der Lymphknoten Tumorzellen findet, wird das geplante operative Vorgehen möglicherweise geändert (beendet). Eine Entfernung der Prostata ist unter Umständen nicht sinnvoll, da die Erkrankung für eine lokale Heilung zu weit fortgeschritten ist Wenn nämlich der Tumor bei nachgewiesenem Lymphknotenbefall die Prostata bereits verlassen hat, ist es vielfach günstiger, eine Hormonentzugsbehandlung durchzuführen.

Gelegentlich sind die befallenen Lymphknoten jedoch die einzigen Absiedelungen/Tochtergeschwülste, so daß dennoch eine Lymphknotenentfernung in Verbindung mit der radikalen Prostatektomie eine Heilungschance darstellt. Sofern die Lymphknoten in der Schnellschnittuntersuchung tumorfrei sind, ist von einem auf die Prostata begrenzten Tumorwachstum auszugehen. In diesem Fall schließt sich planmäßig die Entfernung der Prostata mitsamt ihrer Kapsel und den hinter der Harnblase liegenden Samenblasen an (radikale Prostatovesikulektomie). Die Samenleiter werden beidseits unterbunden.

Ob heutzutage eine Lymphknotenentfernung im Rahmen der radikalen Prostatektomie bei allen Patienten erforderlich ist, wird in der Ärzteschaft kontrovers diskutiert. Waren noch in den Jahren zwischen 1990 und 1995 nur 30% der Prostatakrebstumore organbegrenzt sind es heutzutage durch die frühe Entdeckung über 80%. Und mit den Nomogrammen stehen mittlerweile einfach einzusetzende und verläßliche statistische Modelle zur Verfügung, welche sehr genau erkennen lassen, ob ein Patient Lymphknoten-Metastasen hat oder nicht. Aber: Bei der DGU wurde erst 2005 wieder darauf hingewiesen, dass rund 30% befallener Lymphknoten NICHT im Standard-OP-Gebiet liegen - Mit PET/CT oder USPIO kann man diese LK jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit erkennen.

Bei sogenannten Niedrig-Risiko-Patienten, welche im wesentlichen einen PSA-Wert unter 10 ng/ml und einen Gleason-Score von maximal 6 haben, erscheint die Lymphknotenentfernung nicht erforderlich. Eine amerikanische Arbeitsgruppe hat gezeigt, daß bei Patienten mit niedrigem Metastasen-Risiko eine Lymphknotenentfernung auch nach einem Nachsorgeintervall von 7 Jahren keinen Einfluß auf die Prognose hat. Bei Patienten mit einem mittleren oder sogar hohen Risiko wird nach heutigem Erkenntnisstand eine ausgedehnte Lymphknotenentfernung durchgeführt. Ob das wirklich einen therapeutischen Effekt hat ist ebenfalls weiterhin umstritten.

Bei der DGU wurde erst wieder darauf hingewiesen, dass 30% befallene LK NICHT im Standard-OP-Gebiet liegen - Mit PET/CT oder USPIO kann man diese LK jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit erkennen.

PD Dr.med. Dorothea Weckermann Urologische Klinik, Klinikum Augsburg:

Während Männer mit "Seedskriterien" (Anmerkung: Low-Risk-Prostatakarzinom) mit PSA ≤ 10 ng/ml, bioptischer Gleason-Score ≤ 6, Karzinomnachweis in einem Prostatalappen nach den aktualisierten Partin- Tabellen eine Metastasierungswahrscheinlichkeit von nur 0 – 2% haben, fanden wir mit Hilfe der "radioguided surgery" (das ist ein Lymphabflußszintigramm) unter den gleichen Vorgaben positive Lymphknoten in 16 von 235 Fällen (6,8%). Bei beidseitigem Karzinomnachweis, identischem PSA und Gleason-Score erhöhte sich dieser Prozentsatz auf 10,7 %.

Ergänzung:
Erste Erfahrungen mit der PET-CT gesteuerten sekundären Lymphknotenchirurgie bei Patienten mit solitärem Lymphknotenrezidiv nach radikaler Prostatektomie, Winter A., Henke R.-P, Wawroschek F., Klinikum Oldenburg, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Oldenburg, Germany - Urologenkongress Stuttgart 09/2008

11Cholin-PET/CT liefert zuverlässige Ergebnisse. Die LK-Rezidive lagen alle außerhalb des Standard-LA-Gebietes und konnten durch eine ausgedehnte LA entfernt werden. Trotz der erzielten Remissionen bleibt die Frage, ob durch die LA eine Heilung erzielt werden konnte.

Neuere Informationen siehe unter
Lymphadenektomie und Überlebenschance

Ergänzung>
vom 61. DGU Kongress in Dresden (September 2009):

Stellenwert der Lymphadenektomie beim Prostatakarzinom
Laut Prof. Thüroff, Mainz, stellt die Lymphadenektomie (LNE) zur Zeit das zuverlässigste Staginginstrument zum Nachweis einer lymphogenen Metastasierung beim Prostatakarzinom dar. Die Zuverlässigkeit steigt mit der Ausdehnung der LNE. Insgesamt zeigen Patienten mit positiven Lymphknoten nach radikaler Prostatektomie und LNE gute Langzeitüberlebensraten, unabhängig von der Ausdehnung der LNE und unabhängig, ob eine adjuvante Therapie eingeleitet wurde oder nicht.

Prof. Thüroff zitiert in diesem Zusammenhang Daten der Mayoklinik, USA: Wenn mehr als ein Lymphknoten positiv sei, dann sei die Langzeitüberlebensrate ungünstig. Ein T3 PCa mit positiven Lymphknoten habe ein siebenfach höheres Rezidivrisiko gegenüber einem T1. Bei positiven Lymphknoten sei eine sofortige Hormontherapie besser gegenüber einer verzögerten (37% zu 9% längeres Überleben)

Prof. Schostack im BPS-Forum
Das Erreichen aller geplant zu entfernenden Lymphknoten hängt nicht von der verwendeten Methode, sondern von der Erfahrung des Operateurs ab.

Das Risiko einer Lymphadenektomie steigt in jedem Fall mit der Ausdehnung der OP. Daran ändert auch der da vinci Roboter nichts. Es fehlt die taktile Kontrolle, was gerade bei verhärteten Lymphknoten eine wichtige intraoperative Zusatzinfo ist (gilt für offen und konventionell laparoskopisch).

mehr siehe Lymphadenektomie Was sagen die Experten?

letzte Aktualisierung im November 2009/Februar 2012



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