Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Frühzeitige Chemotherapie

03.8.2010

Hierzu ein Beitrag von Dr. Frank Eichhorn, Urologe aus Bad Reichenhall:

Die Chemotherapie ist leider für viele Patienten ( und Ärzte ) ein Horrorszenario – zu unrecht.
Ich habe in den letzten 5 Jahren in meiner Praxis sehr viele Chemotherapie – Behandlungen durchgeführt. Oft haben wir Dr. Strum (USA) in die Behandlung mit einbezogen und so die Meinung eines erfahrenen Experten einholen können. Hier meine Erfahrungen:

Meistens wird viel zu spät mit einer Chemotherapie begonnen. Viele Patienten sind uneinsichtig weil sie keinerlei Beschwerden haben. Als betreuender Arzt sehe ich diese Situation vergleichbar mit einer Schlauchbootfahrt auf einem sanft dahinplätschernden Fluss der aber zu einem lebensgefährlichen Wasserfall führt.

Wann sollte spätestens mit einer Chemotherapie begonnen werden ?

Wenn ein androgen – unabhängiges Prostatakarzinom vorliegt !!!

Ganz moderne Konzepte verfolgen eine Behandlungsstrategie bei der noch früher mit einer Chemotherapie begonnen wird ; z.B. neoadjuvant vor einer Operation, adjuvant nach einer Operation oder als kombinierte Chemo-Hormontherapie bei einer primär systemischen Erkrankung wenn klar ist dass es sich um Hochrisikopatienten handelt . Dieses Konzept wird übrigens bei Brustkrebspatientinnen schon lange erfolgreich angewandt.

Wie wird das androgen-unabhängige Prostatakarzinom diagnostiziert ?

Drei ansteigende PSA – Werte im Abstand von 4 Wochen bei Testosteron < 0,2 ng/ml !!!

Man sollte immer mit einem Behandlungsschema beginnen das sich bewährt hat – für mich meistens Taxotere in Kombination mit hochdosiertem Rocaltrol ( Ausnahme: Karzinome mit einen kleinzelligen Anteil ).

Wenn die PSA – Werte niedrig sind kann man auch als erstes einen Behandlungsversuch mit Ketokonazol und Hydrocortison machen. Dr. Strum und Dr. Scholz (beide USA) haben die Erfahrung gemacht dass Ketokonazol bei hohen PSA – Werten ( z.B. 50 oder 100 ng/ml ) meistens nicht greift.

Es ist schwer eine Hitliste von den „ Besten“ Medikamenten zu definieren. Die Patienten sprechen sehr unterschiedlich auf die zur Verfügung stehenden Präparate an. Das liegt an den individuellen genetischen Eigenschaften des Karzinoms. Ein Vergleich mit Bakterien macht das vielleicht klar: Bei einer Blasenentzündung lässt sich in aller Regel der verursachende Keim identifizieren und ein Antibiogrammm anfertigen. Daraus ist dann abzulesen welches Antibiotikum zur Therapie geeignet ist und welches nicht ( es gibt immer Bakterien die gegen einige Antibiotika resistent sind ). Es wäre wünschenswert ein ähnliches Verfahren in der Onkologie zur Verfügung zu haben um sozusagen im Labor austesten zu können welche Chemotherapie bei welchem Patienten wirkt. Dazu gibt es wissenschaftliche Ansätze die aber für die Praxis noch nicht geeignet sind ( zumindest beim Prostatakarzinom ).

Also bleibt nur das „ ausprobieren“. Wir sind immer wieder erstaunt wie oft sich durch ein Wechsel des Behandlungsschemas doch noch eine lang anhaltende Remission einleiten lässt. Neben Taxotere verwenden wir immer wieder auch Östrogene, Epirubicin, Novantron, Ketokonazol oder auch 5 FU, Endoxan und Velbe.

Zur Kombination mit Taxotere eignen sich Carboplatin, Gleevec, Thalidomid und Rocaltrol - aber auch Somatuline ( Schema nach Koutsilieris ).

Die große Überraschung 2004 war für uns die hochdosierte Testosterontherapie – wir haben einige Patienten damit in die Vollremission bringen können.

Januar 2005

Ergänzung:
in einem Expertenforum war zu lesen:"....allerdings muss man wissen, dass eine effektive Taxoterebehandlung eigentlich selten ohne Blutbildveränderungen einhergeht."

weitere Ergänzung lieferte der Urologe fs im BPS Forum:
Für die frühzeitige Chemo spricht

- Verzögerung der Hormonresistenz
- Verbesserung einer Strahlentherapie/Samarium (beides über Bcl-2)
- je niedriger das PSA, desto geringer die Metastasierungstendenz (hier möchte ich Strum aufgreifen: PSA ist ein Enzym, welches zum einen Ejakulat verflüssigt, wohl aber in höherer Konzentration auch in der Lage sein soll, PK-Zellen aus dem Tumorverband zu lösen und damit die Metastasierung voranzutreiben)
- je geringer die Tumorlast, desto besser die Wirkung

Mai 2007

Hier ein neuerer Expertenartikel zur Frühzeitigen Chemotherapie

letzte Überarbeitung im Juli 2010



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