Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Bestrahlung von Knochenmetastasen

21.2.2012

Die größte Bedeutung der Strahlentherapie in der palliativen Situation liegt in der Behandlung von Tumorschmerzen durch Knochenmetastasen. Die Charite schreibt in einer ihrer Veröffentlichungen:(Zitatbeginn):
30% der Patienten mit soliden Tumoren (Anmerkung: wie z.B. Prostatakarzinom) entwickeln Knochenmetastasen. Etwa die Hälfte davon treten in der Wirbelsäule auf. Lokale Beschwerden äußern sich als Schmerzen und Stabilitätsbeeinträchtigungen bis hin zum Bruch des Knochens (Fraktur) und gleichzeitigen oder zusätzlichen Bewegungsbeeinträchtigungen, manchmal mit schwerwiegenden Lähmungen.

Die Schmerzlinderung resultiert aus einer lokalen Tumorverkleinerung nach der Bestrahlung, daher aus einer Druckentlastung am Periost (Anmerkung: Als Periost bezeichnet man eine dünne Gewebeschicht, welche die Außenfläche aller Knochen überzieht), Dekompression der Nervenwurzeln, Reduktion der Mediatorausschüttung (Anmerkung: Ausschüttung von Stoffen aus den Zellen, die eine Entzündungsreaktion hervorrufen), usw. Eine Bestrahlung ist in 70-80% erfolgreich (Schmerzlinderung).

Durch eine möglichst kurze, effektive und damit wenig belastende Gesamtbehandlungszeit bei der Bestrahlung wird eine maximale Schonung der Risikoorgane angestrebt. Das bedeutet individuell unterschiedlich eine, fünf oder mehr Bestrahlungen. Nochmals aus dem Text der Charite: (Zitatbeginn)
Die Festlegung des Therapieablaufs ist sehr individuell und bezieht die Tumorsituation, Begleitbehandlungen, Wünsche und Nöte des Patienten mit ein. Pro Tag erfolgt die Bestrahlung von einem oder mehreren Feldern, so daß eine tägliche Behandlungszeit von etwa 5-10 Minuten resultiert. Die Therapie ist meist von zu Hause aus möglich (ambulant).
(Zitatende)

Dr. Frank Eichhorn, Urologe aus Bad Reichenhall schreibt in einem Beitrag zum Thema Bestrahlung von Knochenmetastasen:

Die Heilung von Knochenmetastasen durch Bestrahlung ist leider eine Illusion. Eine großflächige Bestrahlung zerstört das Knochenmark und damit das blutbildende System. Dadurch können Komplikationen einer Chemotherapie schwerer und häufiger werden. Mit einem länger anhaltenden PSA - Abfall ist nicht zu rechnen.

Übrigens – das Knochenscintigramm zeigt Stoffwechselvorgänge im Knochen – keine Metastasen.

Ich habe den Eindruck dass oft sogenannte hot spots als Metastasen fehlgedeutet werden - insbesondere unter einer Zometa – Therapie - aber eher stoffwechselaktive Reparaturvorgänge darstellen.

Januar 2005

Ergänzung:
Die Bestrahlung der Knochenmetastasen bekämpft nicht allein den Tumor, sondern wirkt auch stabilisierend auf den Knochen und reduziert die Schmerzen. Zusätzlich ist ein Bisphosphonat (z.B. Zometa)möglicherweise hilfreich.

Intervention bei PSA- Anstieg nach lokaler Strahlentherapie bei Knochenmetastasen

PSA bei Knochenmetastasen ist prognostisch und nach der Bestrahlung z.B. der LWS-Metastasen hinsichtlich der noch vorhandenen Tumorlast nicht mehr als zuverlässig. Natürlich haben wir Betroffenen nach einer Metastasenbestrahlung die Hoffnung, über den PSA-Wert zu erfahren, ob und vor allem wann eine weitere Intervention per Hormontherapie oder Chemotherapie nutzbringend eingeleitet werden soll. Wenngleich ein Überlebensgewinn auch nicht erwartet werden kann, geht es doch darum, sich selbst keinen Vorwurf machen zu müssen, möglichst alle medizinischen Möglichkeiten auszuschöpfen, die Tumorlast zu senken. Unsere Betroffenendenkweise ist, es sei besser, eine Interventionsentscheidung im niedrigen PSA-Bereich zu treffen und nicht erst warten, bis PSA hoch ist.

Unsere Fachleute, sprich Urologen und Radiologen bezweifeln die Sinnhaftigkeit einer solchen Fragestellung und eines solchen Denken und Handelns, denn es bestünde in der geschilderten Situation ohnehin keine kurative Chance mehr. Wenn der Betroffene möglichst früh intervenieren möchte, müsse er letztlich alle 3 Monate ein MRT anfertigen lassen, um seinen Krankheitsstatus zu erfahren.
Der Strahlenexperte im BPS-Forum:

Tatsächlich macht es nichts aus, ob man 3 Monate früher oder später interveniert. Ob man die nächste Hormontherapie oder Chemotherapie bei einem PSA-Wert von 0,8 oder 1,5 einleitet, wird keine Rolle spielen. Sie werden genauso lange leben, egal ob Sie bei 0,8 oder 1,5 zu einer Therapie greifen.
(Meine Anmerkung: Das ist lt. S3-Leitlinie überholt W.D.F.!)
siehe auch Zometa und Bestrahlung

letzte Aktualisierung im Juli 2010/März 2011/Feb. 2012



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