Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Verhältnis Patient - Arzt

30.12.2006

In einem Beitrag schrieb Dr. Frank Eichhorn, Urologe aus Bad Reichenhall zum Thema Verhältnis Patienten-Arzt:

Auch Patienten sind nicht immer lieb

Wir unterstützen die Selbshilfegruppen weil wir von Dr. Strum’s Konzept des „empowerment“ ( heißt so viel wie Ermächtigung – gemeint ist Wissen vermitteln zur Verbesserung des Behandlungsergebnisses ) überzeugt sind. Für mich ist dieser Ansatz nichts anders als die konsequente Übertragung der Ideen von Ralph Nader – ein berühmter Verbraucherschützer – auf die Belange von Prostatakrebspatienten. Die Konsumentenbewegung hat viel erreicht ( Beispiel Stiftung Warentest ). Auch der BPS hat jetzt schon einiges bewegt und kann in Zukunft sicher noch mehr Einfluß - auch auf die Politik - gewinnen.

Im Internetzeitalter ist die Informationsbeschaffung kein Problem mehr – wohl aber die Informationsverarbeitung und – bewertung. Dazu brauchen Sie professionelle Hilfe – in den Selbsthilfegruppen und von Ihrem Arzt.

Das ist sicher nicht einfach und sehr zeitaufwendig – aber der gut informierte Patient lebt länger – das ist in wissenschaftlichen Studien belegt.

Mit der Zeit können Sie selbst zum Berater werden und sich dadurch einen sehr befriedigenden Tätigkeitsbereich eröffnen, neue Bekanntschaften und Freundschaften schließen.

Es gibt aber viele Patienten die von diesem Konzept nichts wissen wollen. Sie lehnen es rundweg ab sich einer Vorsorgeuntersuchung zu unterziehen ( 83% !! ) – oder gehen nach Diagnosestellung wieder zu ihrem Hausarzt, Heilpraktiker, Nachbarn und lassen sich dort beraten.

Da könnte man jetzt Dr. Bob Leibowitz zitieren „ Jeder Mann hat das Recht auf seine eigene– falsche – Meinung“.

Es ist lebensgefährlich sich der Meinung von Freunden, Bekannten aber auch Ärzten anzuschließen die keine Erfahrung mit Prostatakrebs haben. Fragen Sie doch bitte nach:
„ Wie viele Patienten mit meiner Erkrankung behandeln Sie im Jahr ?
Zeigen Sie mir doch bitte Studienergebnisse zu Ihrer Behandlungsmethode – z.B. Hyperthermie, Galvanotherapie, Ukrain, Misteltherapie bei Prostatakrebspatienten ( nicht Brustkrebs, Darmkrebs etc. )“.
Lernen Sie zu unterscheiden was eine gute und was eine schlechte Studie ist ( Wer hat die Studie gemacht ? Fallzahl ? Fragestellung ? )

Für den Urologen ist es sehr schwer bis unmöglich einen Patienten weiter zu betreuen der grundsätzlich das Gegenteil von dem macht was man ihm rät und nur noch zu PSA – Kontrollen kommt oder um Hilfe bittet wenn es zu spät ist.

Dann gibt es noch die „ Schnäppchenjäger“ – ganz dem Trend der Zeit entsprechend suchen sie ständig nach „Billigangeboten“;
nach Ärzten die per Telefon oder email umsonst beraten –
nach gutmütigen Forumslesern die ihre zum Teil mühsam erworbenen Kenntnisse selbstlos weitergeben –
nach Billigmedikamenten im Internet.

Die Politik jubelt zum Jahresende über die Erfolge der Gesundheitsreform – über Einsparungen die zur Reduzierung von Kassenbeiträgen und Lohnnebenkosten führen sollen. Nur Horst Seehofer hat erkannt dass dieser Sieg ein Pyrrhussieg ist wenn die Versorgungsqualität sinkt.

Genau das ist nach meiner Einschätzung 2004 passiert. Wir sollten uns für das neue Jahr überlegen ob wir nicht wieder etwas mehr Bereitschaft zeigen für mehr Qualität auch mehr zu bezahlen.

Billigflieger werden auf Dauer keine ausreichenden Sicherheitsstandarts bieten können – Billigärzte auch nicht !!

Ergänzung:
Die Auswahl des Arztes ist nach wie vor eine Sache des Vertrauens und der Chemie zwischen Arzt und Patient.

letzte Aktualisierung im Dezember 2006



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