Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Intensitätsmodulierte Strahlentherapie IMRT

01.9.2011

Einsatzgebiete der IMRT sind Erkrankungen, bei denen hohe Bestrahlungsdosen in der Nähe von besonders strahlenempfindlichem gesunden Gewebe (das ist u.a. auch das Nervengewebe) angewendet wedrden müssen. Das Bestrahlungsvolumen kann mittels IMRT an die Konturen des Tumors angepasst werden.

Rektum und Harnblase liegen unmittelbar an der Prostata. Sie sind strahlensensibler als der Tumor. Deshalb muss die zu verabreichende Strahlendosis bei nicht angepasster Bestrahlungstechnik begrenzt (niedriger) bleiben. Auch Gefäss-Nervenbündel (seitlich und hinter der Drüse gelegen) und die Peniswurzel müssen zur Vermeidung von Impotenz in diese Überlegungen einbezogen werden.

Das Prinzip der IMRT besteht darin, dass sich die Konturen des Bestrahlungsfeldes während der Behandlung in genau berechneter Weise verändern. Dies geschieht, indem sich schmale Bleilamellen im Strahlerkopf des Linearbeschleunigers während des Bestrahlungsvorganges vor und zurück bewegen und so verschiedene Formungen des Bestrahlungsfeldes in Fläche und Tiefe hervorrufen. Damit wird das Bestrahlungsvolumen individuell an die Form des Tumorgebietes angepasst und das gesunde Gewebe (hier insbesondere Blase und Darm) besser geschont.

Ergebnisse des New Yorker Memorial Sloan Kettering Hospitals belegen am Parameter der biochemischen Tumorkontrolle (d.h. anhaltender sehr niedriger PSA-Werte), dass eine Dosiserhöhung zu teilweise erheblichen Verbesserungen führte:
Von 1.100 Patienten hatten 80% der Patienten mit einem PSA-Wert 0-10 ng/ml, die mit einer Dosis von 68 Gy bestrahlt wurden, nach 3 Jahren keinen Wiederanstieg des PSA-Wertes. Hingegen war bei Patienten, die eine IMRT-Bestrahlung erhielten, diese Quote mit 92% deutlich höher.

Trotz der höheren Gesamtdosen bei IMRT waren die beobachteten Nebenwirkungen eher niedriger als bei 3D-konformaler Bestrahlung. Am wichtigsten war die Erkenntnis, das alle Prognosegruppen von der IMRT profitierten, insbesondere Patienten mit einer zuvor schlechten Prognose.

Damit könnten sich die Heilungschancen für Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs weiter verbessern lassen. Allerdings ist der Zeitaufwand für die Planung und Durchführung dieser bestrahlungsart deutlich erhöht.

Fundstelle: Krebsmagazin Januar 2004

Ergänzung:
Strahlentherapie mit dem TrueBeam(TM)-System von Varian Medical Systems, einer Weiterentwicklung von IMRT

Das UniversitätsSpital Zürich hat als vermutlich weltweit erstem Krankenhaus damit begonnen, Krebspatienten mit dem TrueBeam(TM)-System zu behandeln. Dabei handelt es sich um eine Technik für die bildgesteuerte Strahlentherapie und Strahlenchirurgie, die eine präzise Behandlung auch bei Bewegungen ermöglicht.

Seit März 2010 haben die Ärzte dort Patienten mit Prostatakrebs, Lungenkrebs, Schwannomen (gutartigen Tumoren der Nervenscheiden) sowie mit Hirn- und spinalen Metastasen behandelt. Das System ermöglicht uns Dosisverteilungen, die etwas über denen einer IMRT mit einem herkömmlichen System liegen, wobei das umgebende, gesunde Gewebe gleichzeitig einer geringeren Dosis ausgesetzt wird, sagte Professor Dr. med. Urs M. Lütolf, Klinikdirektor und Leiter der Abteilung für Radio-Onkologie am UniversitätsSpital Zürich. Ich war erstaunt und begeistert zu sehen, mit welcher mir bisher unbekannten Präzision sich das Bild-Isozentrum mit dem Strahl-Isozentrum deckt.

Bei der höchsten im System verfügbaren Dosisrate dauerten die Behandlungen nur 1,6 Minuten, die bei herkömmlichen Dosisraten eine Bestrahlung von 6 bis 8 Minuten benötigen. "Das ist nur ein Viertel der Zeit, die wir für diese Art der Behandlung bisher benötigten", sagte Dr. Lütolf. Darüber hinaus wurde bei diesen Behandlungen auch die Möglichkeit des Systems genutzt, die RapidArc-Bestrahlung aus einer flexibel zu handhabenden Reihe von Winkeln einzusetzen, sodass die Dosis auf den Zieltumor maximiert und gleichzeitig angrenzendes, sensibles Gewebe geschont werden konnte. Dr. Lütolf sagte, der Schwerpunkt der ersten TrueBeam-Behandlungen läge u.a. auf Prostata, es gäbe aber Pläne, die Behandlung auszuweiten auf Lungenkrebs und Krebs des oberen Gastrointestinaltraktes wie z. B. Bauchspeicheldrüse und Gallenblase sowie auf palliative Behandlungen, bei denen die Präzision des TrueBeam-Systems zur Verringerung von Nebenwirkungen unerlässlich sei,. "Die bisherige Erfahrung zeigt eine grössere Präzision bei wesentlich kürzeren Bestrahlungszeiten.Es ist sehr befriedigend, die Behandlung während ihrer Durchführung zu überwachen und sehen zu können, dass sich die Prostata-Marker nicht einmal um einen Millimeter verschieben."

 

Höhere Strahlendosen resultieren eine bessere lokale Tumorkontrolle, allerdings führen sie auch zu höheren Toxizitäten.

Der Strahlentherapeut im BPS-Forum war Mitte 2014, da ging es um Photonen bzw. Protonentherapie, der Meinung, die hier durchaus beachtet werden kann: "Ob ein Unterschied jenseits der 80Gy bezüglich (Anmerkung: besserer?) lokaler Tumorkontrolle besteht, weiß kein Mensch.. Wir wissen nicht wirklich, ob 78Gy besser als 74Gy sind. Lediglich im Bereich 70 vs. 78Gy kennen wir kleine Unterschiede.......keine Untgerschiede im Gesamtüberleben, sondern in der PSA-Rezidivfreiheit nach vielen Jahren."

letzte Aktualisierung im Juli 2010/aktualisiert im April 2015 WDF



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