Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Galvano-Therapie

29.8.2010

Die Galvanotherapie ist eine "Nicht operative minimal invasive" Tumortherapie und vom Grundsatz her keine neue Therapie. Bereits seit 100 Jahren wird Strom in der Medizin als Heilverfahren verwendet. Elektrotherapie als Obergebriff für eine ganze Reihe von therapeutischen Maßnahmen findet man in der alternativen wie auch in der Schul-Medizin.

Bei der Galvonotherapie werden unter örtlicher Betäubung zwei Elektroden mittels einer Punktionsnadel durch den Gesäßmuskel in die Randzone der Prostata gebracht.

Mehrmals wird dann für bis zu drei Stunden elektrische Spannung in Form von Gleichstrom an die Elektroden angelegt.

Durch die ausgelösten Wanderungen positiv und negativ geladener Ionen im Prostata-Gewebe, soll das Milieu in und um die Tumorzellen so gestört werden, dass diese absterben bzw. die Tumorzellen in ihrem Wachstum gehemmt werden.

Die Durchflutung des erkrankten Gewebes mit Gleichstrom löst folgende Mechanismen im Krebsgewebe aus, die für eine effektive Tumorauflösung verantwortlich sind:
• pH-Wert Verschiebung durch Elektrolyse
• durch Depolarisierung der Tumorzellmembrane kommt es zur Störung der Stoffwechselfunktionen
• Störungen intrazellulärer Strukturen durch elektromagnetische Induktion
• Durchlöcherung der Zellmembran durch erhöhte Ionenbeschleunigung

Ausschlaggebend für eine schonende Krebstherapie ist, dass die zellzerstörenden Effekte ausschließlich im Tumorgewebe wirken und gesundes Gewebe unbeeinflußt lässt.

Der Behandlungserfolg wird mittels CT und MRT in den folgenden Monaten kontrolliert.

Im Institut für Diagnostische und interventionelle Radiologie der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main, Prof. Dr. Thomas J. Vogl, wird diese Therapie auch als "lokalisierte Elektrochemo-Therapie" bezeichnet.

Die Therapie soll geeignet sein bei Mammakarzinomen, Hautkarzinomen, Tumore im HNO-Bereich und auch bei Prostatakrebs.
Einschränkungen soll es bei entzündlichen oder bereits radiologisch behandelten Tumoren geben.

Die Ergebnisse einer prospektiven Phase-IIIStudie zu diesem neuen Therapieansatz in der Tumorbehandlung des Prostatakarzinoms wurde von Prof. Dr. med. Thomas J. Vogl, Direktor des Instituts für Diagnos - tische und Interventionelle Radiologie (IDIR) am Frankfurter Universitätsklinikum,in der Dezember-Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift Radiology veröffentlicht. "In unserer Studie konnten wir belegen, dass dieser neue Therapieansatz eine sichere Methode zur gezielten Bekämpfung des Prostatakarzinoms darstellt. Wir können mit diesem Verfahren das betroffene Organ in seiner Funktion erhalten und gesundes Gewebe im Vergleich zu herkömmlichen Methoden gezielter vor einer Schädigung bewahren ", erklärte Prof. Vogl. Diese Therapie sei eine vielversprechende Option in der Behandlung von Prostatakrebs.

Weiter aus dem Zeitungsbericht zu dieser Studie:
An der Studie war neben den Teams aus Frankfurt und Regensburg auch die Abteilung für Radiologie der Medical University of South Carolina (USA) beteiligt. Prof. Vogl und sein Ärzteteam haben für diese Evaluation insgesamt 44 Patienten mit einem histologisch nachgewiesenem Prostatakarzinom mit der Galvano-Therapie im Zeitraum von Februar 2005 bis August 2006 behandelt. Alle Patienten vertrugen die MR-gesteuerte Galvanotherapie ohne schwerere Nebenwirkungen oder Komplikationen.

Es kam bei sechs Patienten zu Problemen beim Harnlassen, jedoch waren diese ohne weitere ärztliche Intervention reversibel. Fünf Patienten berichteten über ein vorübergehendes Taubheitsgefühl eines Beins.

Die Tumorgröße konnte im Schnitt von 1.90 cm³ auf 1.12 cm³ reduziert werden, was einer Größenreduktion um durchschnittlich 41 Prozent entspricht.

Die Kontrolluntersuchung zwölf Monate nach der Behandlung zeigte folgende Resultate:
Ein Patient wies einen vollständigen Tumorrückgang auf, ein partieller Tumorrück gang war bei 18 Patienten festzustellen. Bei 23 Patienten war der Krankheitszustand stabil. Zwei Patienten wiesen ein progressives Größenwachstum auf. Metastasen waren bei keinem Patienten nachweisbar.

Das neue Verfahren eignet sich laut Studie besonders für Tumore mit einem Durchmesser von maximal 8 cm, da bis zu dieser Größe die Datenlage bei soliden Tumoren vielversprechend ist. Ferner sei für den Mediziner Vorsicht geboten, wenn sich das Tumorgewebe in der Nähe von Hauptschlagadern und Nerven befindet.

Eine Patienteninformation soll es geben beim:
Fachbereich Humanmedizin /
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Zentrum der Radiologie
Institut für Diagnostische Und Interventionelle Radiologie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. Thomas J. Vogl
http://www.galvano-therapie.de/downloads/Patienteninformation.pdf

Eine eventuelle Kostenerstattung durch Kassen muß nachgefragt werden.

Januar 2005/ergänzt im August 2010

Ergänzung: Auszüge aus einer Stellungnahme von Prof. Hochleitner Wien zum Thema ECT als Sachverständiger in einem Gerichtsverfahren im Mai 2005:
Die Electro Cancer Therapie funktioniert auf Grundlager elektrotechnischer Gesetzmäßigkeiten, wobei die Operation mit Skalpell durch eine Entfernung des Tumors mit elektrischem Gleich-Strom ersetzt wird. Es handelt sich um ein Verfahren, dessen Wirksamkeit durch wissenschaftliche Versuche belegt wurde. Begleitenden Maßnahmen wie fallweise Chemo-Therapie und Vaccine können als Standardmedizin bezeichnet werden. In den vergangenen 12 Jahren (bis 2002) wurden 10.710 Fälle maligner und benigner Tumoren mit EchT (Meine Anmerkung: Im Schriftsatz steht EchT, was so allgemein als Abkürzung für Eletro-Chemo-Therapie benutzt wird. Grundsätzlich scheint wohl ECT gemeint zu sein.) therapiert. Die Kurzzeit-Effektivitätsrate war bei 91% und die 5-Jahres-Überlensrate bei 65%.
Wie Erfahrungsberichte gezeigt haben, ist die Heilungschance bei ECT größer als bei den üblichen Operationsverfahren.
Prof. DI. Friedrich Hochleitner Wien / Ulmerfeld im Mai 2005

Meine Anmerkung:
1. Unklar d.h. nicht erkennbar ist für mich in dem weiteren Schriftsatz, ob Heilungserfolge mehr aus gutartigen Tumorerkrankungen oder eher mehr aus malignen Tumorerkrankungen resultierten. Es gibt eine sogenannte Pekingstudie, die mehr Informationen enthält.

2. M.E. ist diese Methode nur bei lokal begrenzten Tumoren einsetzbar, denn im Körper verstreute Metastasen werden, soweit ich das aus der mir zugänglichen Literatur erkennen kann, nicht mitbehandelt.

3. Nur bei zwei Patienten wird von einem vollständigen Tumorrückgang berichtet. Bei der Hälfte der Studienteilnehmer, so lese ich den Bericht, scheint das Tumorgeschehen unbeeindruckt von der Galvanotherapie weiterhin zu existieren, allenfalls vielleicht gestoppt zu sein. Da ist doch die Frage erlaubt: Für wie lange?

4. In der hiesigen Selbsthilfegruppe haben sich zwei Mitglieder der Galvanotherapie (mit Elektroden!) nach eigenem Bekunden ohne Erfolg unterzogen. Unzufrieden beklagten beide (einer ist mittlerweile verstorben)die aus ihrer Sicht sehr hohen privat zu tragenden Therapiekosten.(WDF)

letzte Aktualisierung im August 2010



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