Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

USPIO Diagnoseverfahren

22.11.2005

– heißt Ultrasmall SuperParamagnetic Iron oxyde.

Die normale Reihenfolge der Ausbreitung von Prostatakrebs ist bekanntlich:
Prostata – Samenblasen – Lymphknoten – Knochen.
Und vom Nachweis oder Ausschluß von Lymphknoten-Metastasen hängt wesentlich ab, welche Therapie dem Patienten empfohlen werden kann.

USPIO scheint den bekannten bildgebenden Verfahren (CT, MRT-S, Cholin-PET) in der Auflösung und der Aussagekraft überlegen zu sei. Es können z. B. befallene Lymphknoten bis hinunter zu einer Größe von 2-3 mm erkannt werden (etwa Streichholzkopfgröße).
Grundsätzlich kann man die Qualität der bildgebenden Verfahren wie folgt einordnen:
Bei einem CT Abdomen ist die Auflösung am Schlechtesten
besser ist Cholin - PET
- am Besten ist USPIO.
(Anmerkung: Ein negatives Knochenscintigramm heißt leider nicht dass keine Knochenmetastasen da sind. Wer mit dem Flugzeug über Berlin fliegt und keine Fußgänger sieht, bedeutet das doch nicht, dass da keine Fußgänger da sind.)
Dr. Eichhorn: Bei einem hohen Risiko für Knochenmetastasen halte ich zur Zeit eine USPIO - Untersuchung nicht für sinnvoll.

Als weiteres Novum (was ist auch noch neu an diesem Verfahren?):
Bei dem in Nijmegen, Niederlande, verwendeten MRT-Gerät ist die magnetische Flussdichte gegenüber dem derzeit üblichen Wert verdoppelt, man arbeitet in Nijmegen mit 3 T (Tesla). (üblich und Standard ist z.Zt. 1,5 T). Die T-Verdopplung bewirkt eine enorm verbesserte Bildauflösung.

Den Patienten werden am Tag vor der Untersuchung sehr kleine Eisenoxidpartikel (Nanotechnik) mit einer Kochsalzlösung injiziert, die sich an die roten Blutkörperchen anlagern. Nach 24 Stunden wird ein MRT mit rektaler Spule vorgenommen und untersucht, wo sich die Teilchen angelagert haben (Muttertumor, Samenblasen, Lymphknoten).

Organe, die keine der (Nano)Eisenoxidpartikel aufweisen (diese bleiben im USPIO-Bild weiß) sind krebsbefallen.

So lässt sich feststellen, ob der Krebs lokal bereits weiter fortgeschritten ist.

Achtung:
Wegen des außerordentlich starken magnetischen Feldes in der MRT-Röhre ist das Verfahren für Männer mit Herzschrittmachern, künstlichen Hüftgelenken oder anderen im Körper befindlichen Metallteilen nicht geeignet. Und weiter: Das verwendete Kontrastmittel (Sinerem von Guerbet, Sulzbach) ist in Deutschland zur Zeit nicht zugelassen!

Das USPIO-Verfahren wird weltweit erst an zwei Instituten angeboten. Eines davon befindet sich in Boston, USA, eines in Europa, an der Katholieke Universiteit Nijmegen

Anschrift:
Prof. Dr. Jelle O. Barentsz,
Katholieke Universiteit Nijmegen,
Postbus 9101 0,
NL 6500 HB NIJMEGEN,
Tel.: 0031 24 3614545,
E Mail: J.barentsz@rad.umcn.nl
(Prof. Barentsz spricht fließend deutsch).

Die Untersuchung kostet derzeit (Ende 2004/Anfang 2005) etwa 1.500-2.000 Euro plus eine Hotelübernachtung in Nijmegen und wird – natürlich – von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.

Wer die Untersuchung in Nijmegen durchführen lassen möchte, sollte sich von seinem behandelnden Arzt/Urologen für Prof. Barentsz spezifizieren lassen, was genau mit USPIO abgeklärt werden soll.

Januar 2005

Ergaenzung:
Die Zulassung des Nano-Partikel-Kontrastmittels in Deutschland wird derzeit betrieben.
Die bisherigen Ergebnisse bei der Untersuchung von Lymphknoten bzw. Lymphknotenmetastasen ist weitaus besser als jedes andere derzeitige Verfahren (mehr als 95 Prozent Trefferquote.

 

siehe zu USPIO auch "Kontrastmittel" Juli 2005 ergänzt im September 2005

Ergänzung:
Dr. Eichhorn schreibt im November 2005: Die USPIO macht Sinn z.B. vor einer ADT wenn das Risiko für eine Lymphknotenmetastasierung hoch ist (Orientlierungshilfe die Bluestein Tabellen ) - m.e. aber auch wenn während einer ADT ( oder in der Pause ) das PSA ansteigt. Das androgen - unabhängige Prostatakarziom entwickelt sich oft zuerst in den Lymphknoten. Strategische Ziel bei positivem Befund z.B. : Vollremission durch Chemotherapie - dann konsolidierende Bestrahlung. Keinen Sinn macht die USPIO z.B. 6 Monate nach Start einer ADT bei PSA < 0,05 und Testosteron 0,2 ng/ml.

Ergänzung 2014
Es gibt sie wieder, die USPIO-Diagnose


Die Lymphknotenuntersuchung mittels ultrakleinem superparamagnetischem Eisenoxid, die einige Jahre lang im Universitätsklinikum Nijmegen in den Niederlanden erhältlich war, musste im April 2010 eingestellt werden, weil das Präparat (Handelsname in Europa Sinerem®, in USA Combidex®) nicht mehr hergestellt wird.

 Prof. Barentsz teilt mit, dass tatsächlich Hoffnung besteht, dass das Kontrastmittel Combidex/Sinerem wieder verfügbar werden könnte. Seine radiologische Abteilung des Uniklinikums Nijmegen habe das Kontrastmittel (wohl das Patent oder eine Lizenz dazu) vom ursprünglichen Hersteller AMAG gekauft und werde es nun selbst herstellen, sodass ab Mitte Januar 2014 wieder Patienten damit untersucht werden könnten.  (Info aus dem BPS-Forum)

aktualisiert im November 2014 WDF

Ergänzung 01_2015 - Daten aus einer Präsentation des UKE Hamburg von 2010, Christian R. Habermann, Diagnostikzentrum, Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

• USPIO-Lymphknotenstaging

(Ultrasmall SuperParamagnetic Iron Oxide) 

- 59/69 Lymphknoten (1029) 

- 26/27 Patienten (level) 

- T2w-GRE 

- Sensitivität: 86%, Spezifität 100% 

Mack et al. Radiology 2002; 222:239-244

01_2015 WDF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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