Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Bestrahlung - Protonen statt Photonen 1

21.2.2012

Bei Strahlentherapie mit bisheriger Technik nimmt die Strahlungsleistung im Körper mit der Eindringtiefe ab. Der normalerweise in der Körpertiefe liegende Tumor erhält somit weniger Strahlendosis als Gewebe vor ihm (upstream-Strahlengang), hinter dem Tumor liegende Organe (z. B. Rückenmark) erhalten unvermeidbar auch noch einen Teil der Strahlendosis, die sogenannte Dosisschleppe, genannt „downstream".

Im Klartext: Das Gewebe vor einem Tumor in zum Beispiel 20 cm Körpertiefe erhält deutlich mehr Strahlung als der Tumor selbst, das Gewebe hinter dem Tumor erhält immer noch eine beachtliche Strahlendosis.

Strahlentherapie bei Tumoren benötigt mit 40 - 85 Gy häufig eine höhere Dosis als das umgebende Normalgewebe, z.B. der Darm, toleriert. Um Dauerschäden im gesunden Gewebe niedrig zu halten, ist deshalb die Strahlendosis pro Sitzung auf etwa 2 Gy begrenzt.

Die Protonenstrahltherapie wird zurzeit in Europas erster Therapieeinrichtung für Protonenbehandlung, dem Rinecker Protonentherapie-Zentrum (RPTZ) in München, für den klinischen Einsatz vorbereitet. Sie wird in der Behandlung von Tumoren eingesetzt und bietet beträchtliche Vorteile gegenüber der Röntgenstrahltherapie, da sie weniger Nebenwirkungen verursacht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Energie, die beschleunigte Protonen aufweisen, sich erst bei der Verlangsamung der Protonen erhöht und dann am Zielpunkt den Höhepunkt erreicht. Auf diese Weise kann in der Tiefe liegendes Tumorgewebe mit großer Präzision zerstört werden.

Im Klartext: Vor dem Tumor ist im Gegensatz zu Röntgen-/Photonenbestrahlung bei der neuen Protonenbestrahlung die Dosis niedriger und nicht höher, hinter dem Tumor bleibt der Patient strahlungsfrei! Die das Gewebe durchdringenden Protonen geben - am Ende ihrer Eindringtiefe, da wo der Tumor sitzt, vergleichbare/ähnliche Energiemengen an das kranke Gewebe ab wie bei bisheriger Strahlentherapie. Die Wirkung auf die Tumorzellen ist in beiden Fällen die gleiche, bei Protonenbestrahlung ist sie aber besser „gezielt".

Die Vorteile der klinischen Protonen-Wirkung. könnte darin liegen, dass die therapeutischen Tumordosen erhöht werden können, die Bestrahlung nicht mehr 30 Sitzungen umfasst sondern deutlich weniger, das Tumorgewebe dann weniger Zeit für Reparaturen der Strahlenschäden hat und die Nebenwirkungen im gesunden Gewebe verringert werden.

Februar 2005

Ergänzung:
Prof. Seegenschmiedt, Essen, auf den Magdeburger Prostatakrebsgesprächen des BPS im Juni 2006:

Protonenbestrahlung: Protonenbestrahlung ohne Dosiseskalation macht keinen Sinn. Das ist als wenn man für die gleiche Strecke einen VW-Bus mit einem Ferrari vergleicht. Beide erreichen das Ziel gleichermassen, nur der eine wesentlich schneller und teurer. Protonen-Primär-Behandlung derzeit einmalig auf der Welt nur in Loma-Linda (USA), Kosten ca. 40.000 USDollar; zukünftig als Boostbestrahlung wird die Protonenbestrahlung bei uns Verbesserungen bringen

Juni 2006

Ergänzung:
Ein Experte meint:

Eine Studie zur Protonentherapie der Prostata aus Loma Linda, USA, zeigte, dass die Ergebnisse beim Prostatakarzinom nicht besser sind als die der konventionellen Bestrahlung und wohl schlechter als die der Brachytherapie. Mit der Protonentherapie gibt es noch keine Langzeiterfahrungen zum Prostatakrebs. Der Vorteil der Protonentherapie gegenüber der gewöhnlichen Betrahlung liegt darin, dass der Strahl maximal auf das Zielgebit konzentriert werden kann und vor und hinter dem Zielorgan keine nennenswerte Strahlung ankommt. Voraussetzung ist jedoch: Das geht nur bei Tumoren, die im Körper sehr fixiert sind. Dann und nur dann ist es derzeit möglich, umliegende Strukturen zu schonen sind (z.B. im Kopf, an der Wirbelsäule). Die Prostata jedoch ist im Körper sehr keinesfalls genau fixiert, sondern macht z.B. Darmbewegungen mit. Man sagt, sie ist je nach Füllung der Blase oder des Enddarms um mehere Zentimeter verschieblich. Insofern verliert man den Vorteil der Protonentherapie mit der engen Eingrenzung wieder, da der radiologe sicher stellen muss, dass die Prostata bei allen Bestrahlungssitzungen (über 40) im Bestrahlungsfeld liegt. Insofern werden auch bei der Protonentherapie Risikostrukturen wie Enddarm und Blase mitbestrahlt. Bei der Bestrahlung der Prostata wird deshalb aus heutiger Sicht wohl kaum wenn nicht sogar gar kein Vorteil der Protonentherapie aufgezeigt werden können.

Letzte Aktualisierung Juli 2006

mehr unter www.rptc.de. Dort steht übrigens zu lesen:
Inbetriebnahme des RPTC in München vorübergehend verschoben. Auftragsabschlussarbeiten der Herstellerfirma ACCEL Instruments GmbH wegen Zertifizierungsproblemen abgebrochen.
Anmerlkung: Das hat sich schon längst erledigt.

siehe auch Bestrahlung mit Protonen beim PSI

Ergänzung bzg. Effizienz und Nebenwirkungen

Protonen geben Ca 40-60% ihrer Strahlung im Gewebe VOR dem Tumor ab, also nicht nur im Ziel!

Ein Strahlenexperte dazu: "Ganz klar ist die Belastung viel weniger als bei Photonen. Aber vergesst bitte nicht dass Photonen in der Regel von 4-5 verschienden Richtungen eingestrahlt werden, während Protonenpläne meistens 1-2 Einstrahlrichtungen haben.

Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass die Protonen Ihre volle Wirkung nicht im Tumor nur abgeben, sondern im Zielvolumen. Und Zielvolumen ist immer Tumor + Sicherheitssaum wegen Lagerungsungenauigkeit/Bewegung der Organe. Auch wenn der Sicherheitssaum 5mm ist, reicht es völlig aus, um gesunde Organe mit hoher Dosis zu belasten. Ein typisches Beispiel hierfür wäre die Rektumvorderwand, die der Prostata direkt anliegt.

Man kann ein Risikoorgan nicht schonen, wenn es im Zielvolumen ist. Und das ist, egal was man für eine Technik nimmt, durch die Anatomie definiert."

ein urologischer Expert: ... die Protonentherapie ist keine leitliniengerechte Therapie und die Datenlage zur Protonentherapie beim Prostatakarzinom ist sehr dünn und die Ergebnisse nicht besser als bei einer guten externen Bestrahlung.

Ergänzende Meinung 2015:

Die Meinung des Strahlenexperten im BPS-Forum im Juli 2014:
"...an dieser Stelle nochmals in diesem Forum betonen, dass Protonenstrahlentherapie bei Prostatakrebs nach Meinung sämtlicher Experten keinen Standard darlegt und in keiner Studie besser als Photzonenstrahltherapie abgeschnitten hat...... Der erhoffte Vorteil hat sich nicht gezeigt, weil oft "dosimetrische", d.h. auf dem Papier ersichtliche Vorteile sich klinisch nicht bestätigt haben und weil in den letzten 10 Jahren die Photonenstrahltherapie mit IMRT und IGRT deutliche Fortschritte gemacht haben."

letzte Aktualisierung im Juli 2009/April 2011/Feb. 2012/April 2015 WDF

 



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